Ersteindruck: Ronja Räubertochter

Der Kinderbuch-Klassiker von Astrid Lindgren als 3D- Anime-Serie

Ronja lebt mit ihrem Vater, dem Räuberhauptmann Mattis, ihrer Mutter Lovis und der Räuberbande ihres Vaters auf der Mattisburg im Mattiswald. Die zweite Hälfte der Burg, welche durch einen Blitzschlag geteilt wurde, wird von einer anderen, feindlichen Räuberbande bewohnt, den Borkaräubern. Birk ist der Sohn des dortigen Räuberhauptmanns, doch kümmern sich er und Ronja wenig um die Fehde ihrer Eltern und verbringen viel Zeit miteinander in den Wäldern rund um die Burg.

 

[via anisearch]

 

Ersteindruck

 

Die Freude war groß als angekündigt wurde, dass Goro Miyazaki  (Die Chroniken von Erdsee, Der Mohnblumenberg) von Studio Ghibli – nicht zu verwechseln mit seinem Vater Hayao Miyazaki – das bekannte Kinderbuch Ronja Rövardotter (Ronja Räubertochter) von Astrid Lindgren in einer Anime-Serie unter dem Titel Sanzoku no Musume Ronja adaptieren wird. Kurz darauf wurde bekanntgegeben, dass es sich nicht um eine traditionell animierte Serie handeln wird, sondern um eine Serie mit CGI-Charakteren, animiert durch das in diesem Bereich erfahrene Studio Polygon Pictures (Knights of Sidonia). Dies besorgte viele Leute, die mit diesem Stil nichts anfangen konnten.

 

Tatsächlich macht es schon einen großen optischen Unterschied. Die CGI-Animation ist an sich nicht schlecht gemacht, setzt aber auf wenige Farben und gerinige Schattierung, was allerdings gut zu dem Ghibli-Charakterdesign passt. Während nicht alle Bewegungen perfekt aussehen, merkt man dennoch, dass die Animation oft wesentlich flüssiger oder präsenter ist als bei handgezeichneten Animes. Gerade, was schnelle Bewegungen wie Sprünge und Renn-Szenen angeht, kann die Serie hier deutlich punkten. Trotzdem ist es enorm geschmacksabhängig, und während einige sich gut mit diesem Stil anfreunden können, werden andere absolut nicht damit warm werden. Ich zähle mich zu den Leuten, die die Serie trotzdem recht hübsch finden.

 

Zur Handlung kann man nur sagen, dass die erste Folge, die sogar eine Doppelfolge war, im Grunde genommen nur ein Prolog ist. Richtig anfangen wird es erst in der nächsten Folge. Das, was bisher gezeigt wurde, lässt deutlich werden, dass die Serie viel Wert auf die Charaktere und das Gruppengefühl innerhalb der Räuberbande legt. Die Zielgruppe des Animes sind aber eindeutig Kinder, was man auch am Humor merkt. Die Folge konzentriert sich mehr auf Ronjas Vater als auf Ronja selbst – die ist am Anfang noch nicht einmal geboren. In der zweiten Hälfte bekommt sie aber auch viel Screentime, und man merkt schnell: Sie ist zu einem liebenswürdigen und energiegeladenen Mädchen geworden – ein Charakter, der auch wunderbar in einen Ghibli-Film reinpassen würde.

 

Unterm Strich kann man wohl sagen, dass aus Ronja Räubertochter definitiv eine nette Abenteuerserie werden wird, die ihr Quellmaterial ernst nimmt, aber sicherlich auch durch eigene Aspekte ergänzt. Dass die Serie eher auf Kinder ausgelegt ist, sollte Jugendliche und Erwachsene nicht davon abhalten, auch mal einen Blick drauf zu werden – wer Fan schöner Abenteuer-Geschichten ist und mit der CGI-Animation keine Probleme hat, ist mit dieser Serie sicherlich gut bedient.

 

- Blackiris


Studio Ghibli gilt als eines der renommiertesten Studios Japans. Kein anderes ist dermaßen bekannt und auch bei Nicht-Animefans dermaßen beliebt. Dementsprechend groß war der Aufschrei, als vor einiger Zeit angekündigt wurde, dass man nun keine Filme mehr produzieren werde, eine Meldung, die mich ehrlich gesagt halbwegs kalt gelassen hat. So sehr ich die Qualität ihrer Werke und deren Einfluss auch anerkenne, haben sie es bisher nicht geschafft, mich persönlich zu fesseln (wobei mir noch einige ihrer Filme in meinem Repertoire fehlen), sodass ich um diese Meldung lediglich wegen der Popularität des Mediums im Westen getrauert habe. Dennoch war ich gespannt um ihrer Adaption von Astrid Lindgrens Kinderbuch. Auch wenn ich in meiner Kindheit nur wirklich mit Pippi Langstrumpf und Michel aus Lönneberga aufgewachsen war, freute ich mich um der Gelegenheit, mein lindgren'sches Wissen aufzubessern.

 

Doch meine Freude wurde leicht gedämpft, als angekündigt wurde, dass man diese in Zusammenarbeit mit Polygon Pictures, dem Studio, welches uns das CGI-Fest Knights of Sidonia darbrachte, produzieren würde. Ich befürchtete ein erneutes CGI-Massaker, in welchem man keinen der Charaktere vom anderen unterscheiden könnte und begrub meine Hoffnungen für die Serie. Doch wie sich herausstellen sollte, lag ich zum Glück falsch.

 

Auch wenn das CGI am Anfang noch leicht störend ist, so gewöhnt man sich dank der bekannten Ghibli-Designs überaus schnell daran und so stellte es schon bald keinen Störfaktor mehr dar, sondern brachte flüssige stilisierte Animationen, welche einen mitten hineintauchen ließen. Das zuvor bereits erwähnte Ghibli Design ist da nur hilfreich: Jeder Charakter ist einzigartig udn erinnerungswürdig und lässt einen das Designverbrechen Sidonia schnell vergessen. 

 

Einen ebenso guten Eindruck macht das Writing: Die Serie lässt sich hinreichend Zeit, die Geburt und das Wachstum ihrer Protagonistin zu zeigen, ohne dabei jedoch etwas in die Länge zu ziehen. Die Interaktionen der Räuber mit der Kleinen sind wunderbar unterhaltsam und lassen eine leichte Nostalgie an Uraltanimes wie Wicki und die starken Männer und Heidi aufkommen. Der Comedyaspekt ist ebefalls gut ausgeführt und trifft mit durchaus guten Timing ins Schwarze, auch wenn hier wahrscheinlich niemandes Lachmuskeln allzu überstrapaziert werden. 

 

Letztendlich scheint Ghibli den Sprung ins Fernsehmedium dennoch gut geschafft zu haben und auch ohne Altmeister Hayao seine Qualität aufrecht erhalten zu können. Ronja ist definitiv nicht nur eine Serie für Hardcore-Ghiblifans, sondern verdient es auch, dass andere mal einen Blick darauf werfen.

 

- kayserlein

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