INTERVIEW: Synchronsprecherin Yui Horie über das Problem, in anderen Sprachen zu schauspielern

Außerdem: Ein Einblick in die Erschaffung des Virtual Idols Miss Monochrome

Wir sehen sie fast nie, doch sie sind für Animes unabdingbar: Japanische Synchronsprecher spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, uns zum Lachen oder Weinen zu bringen. Viele von ihnen haben eine große Gefolgschaft an Fans dank ihres Talents dafür, unseren Lieblingscharakteren Leben einzuhauchen oder als Sänger Konzerthallen zu füllen – und wir hatten das Glück, mit einer der größten Synchronsprecherinnen für euch ein paar Fragen und Antworten auszutauschen.

  

Auf der Connichi konnten wir die legendäre Yui Horie treffen. Wir haben uns zusammengesetzt und sie hat uns einen tiefen Einblick in die Welt der japanischen Synchronsprecher und den Unterschieden zu westlichen ermöglicht. Sie hat uns auch ein wenig über die Schöpfung des virtuellen Idols Miss Monochrome erzählt und vor allem, wie japanische Sprecher mit englischen Dialogen umgehen. 

 

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Könnten Sie Miss Monochrome kurz für diejenigen beschreiben, die mit ihr weniger vertraut sind?

 

Yui Horie: Danke erstmal an Crunchyroll, dass ihr Miss Monochrome ausstrahlt. Ich habe Miss Monochrome selbst designt. Am Anfang war der Charakter als Feind für meine Konzerte gedacht. Mit der Zeit wurde aber aus ihr ein Idol und später auch ein Anime. Ich denke, sie lässt sich am besten als ein „Virtual Idol“ beschreiben.

 

Es sind nun schon einige Jahre seit Miss Monochromes erstem Auftritt in 2012 vergangen. Was war für Sie bisher der aufregendste Teil dieser Reise und wo hoffen Sie, Miss Monochrome noch hinführen zu können?

 

Yui Horie: Ich habe damals nicht geahnt, dass aus Miss Monochrome mal ein Anime werden würde. Wir haben auf ein paar Konzerten zusammen auf der Bühne gestanden und ich fragte mich, wie es wohl beim Publikum ankommt. Zu meiner Freude ist es sehr gut angekommen. Ich glaube, dass so eine neue Art von Idol entstanden ist. Mittlerweile gibt es ganz viele virtuelle Idols oder auch eben die VTuber - aber damals war es noch nicht so üblich. Es fühlt sich einfach so an, als ob sie wirklich existieren würde. Sind VTuber in Deutschland eigentlich auch beliebt?

 

Sie sind zumindest bekannt, aber nicht so in der breiten Masse.  

  

Yui: Nun, Miss Monochrome ist ja keine VTuberin, daher ist es ein wenig schwer zu erklären, was sie ist. Wenn man sich ein paar Videos von ihr auf YouTube anschaut, ist es leichter zu verstehen.

 

 

Was sind einige Aspekte in der Kreation und Ausarbeitung eines Charakters wie Miss Monochrome, den viele Leute eventuell nicht bedenken? Was für Hürden mussten Sie auf dem Weg überwinden?

  

Yui Horie: Zum einen ist die Technik hinter all dem natürlich schwierig. Mittlerweile ist es vielleicht nicht mehr ganz so kompliziert, da sich die Technologie natürlich auch weiterentwickelt hat, aber damals eben war es neu und innovativ. Besonders, wenn es um die Bewegung des Charakters ging.

 

Zu meiner Arbeit, was ich konkret getan habe? Für das Design habe ich einfach auf einem weißen Blatt eine Skizze hinterlegt, wie sie aussehen könnte, und der Rest wurde dann von den Mitarbeitern übernommen. So wirklich was Anstrengendes habe ich gar nicht gemacht. Aber ich weiß, dass eine Konzerthalle bestimmte Bedingungen erfüllen muss, damit wir für das Hologramm die Anzeigen aufhängen können – diese durchsichtigen Panels  und das schränkt ein, wo man ein Konzert geben kann.

 

Music Director: Je mehr Details man bei Miss Monochrome einbaut und berücksichtigt, desto besser wird natürlich auch die Qualität. Man muss aber auch im Auge behalten, was das tatsächliche Ziel ist und man muss bei der Ausarbeitung der Details irgendwo auch mal einen Cut machen. Das ist tatsächlich schonmal eine schwere Entscheidung.

  

Yui Horie: Miss Monochrome existiert ja wirklich! Aber das maschinelle Sprechen ist schonmal sehr anstrengend. 

 

Wie unterscheidet sich das Konzert eines virtuellen Idols gegenüber einer Performance aus Fleisch & Blut?

 

Yui Horie: Wenn es um Miss Monochromes Konzerte geht, ist es recht schwer, das nötige Equipment zu organisieren. Das ist mit Arbeit verbunden, aber es ist verhältnismäßig einfach. Egal, wann und wie oft Miss Monochrome diese Konzerte gibt, sie ist immer fehlerfrei. Sie kann fehlerfrei singen, sie kann fehlerfrei tanzen – sie ist also die perfekte Performerin. Gleichzeitig muss man aber natürlich auch sagen, dass sie immer das Gleiche auf der Bühne macht. Wir überlegen uns da immer, wie das Publikum neue Freude an den Konzerten finden können. Da haben wir zum Beispiel den Charakter Monster-DJ Z, der das Publikum unterhält. Wir schauen also, dass wir neben dem Bildmaterial von Miss Monochrome immer noch was anderes anbieten können und überlegen uns ständig neue Dinge.

  

Wie es jetzt bei meinen Konzerten ist – Ich weiß, wie ich das Publikum während des Konzerts unterhalte und ich habe da gewisse Freiheiten, wie ich es angehe. Aber da ich aus Fleisch und Blut bin, werde ich auch müde. Das ist glaube ich der größte Unterschied. Miss Monochrome kann am Tag drei oder vier Konzerte geben, ich nur eins, maximal zwei.  

 

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Was hält die Zukunft denn für Miss Monochrome bereit?

  

Nun, in Japan wäre dieses Festival für AR und VR am 23. September. Dort treten viele beliebte AR- und VR-Künstler auf, unter anderem auch Hatsune Miku – ist Hatsune Miku eigentlich auch in Deutschland bekannt?

 

 

Ja, Hatsune Miku ist sehr bekannt! Erst kürzlich gab sie hier in Köln ein Konzert und man sieht sie häufig zusammen mit unserem Maskottchen, Crunchyroll-Hime, auf Illustrationen.

 

 

Yui Horie: Da würde sich Miss Monochrome doch gerne dazu gesellen.

 

Naja, wie zuvor erwähnt haben wir in Tokyo dieses Festival. Es wäre aber schön, wenn Miss Monochrome auch in Deutschland – beziehungsweise in der ganzen Welt - Konzerte geben könnte. Es wäre schön, wenn sie überall bekannt wäre und dass wir in so vielen Ländern wie möglich auftreten könnten. Wir freuen uns über jedes Angebot.

  

Nun lassen Sie uns über Ihre Arbeit als Synchronsprecherin sprechen. Wie viel Vorbereitungszeit haben Sie meist für eine Rolle? Bei so vielen parallelen Rollen ist das doch sicher schwer?

  

Yui Horie: Wenn es ein Anime ist, der auf einem Manga oder einer Novel basiert, ist es relativ einfach. Da kann man sich auf die Rolle vorbereiten. Wenn es aber um ein Originalwerk geht, dann musst du deine Zeilen aufnehmen, ohne zu wissen, wie die Serie weiter geht. Dann musst du ein Gefühl für diesen Charakter entwickeln. Wir tauschen uns mit den Regisseuren und der restlichen Crew aus und besprechen, wie der Charakter sich weiter entwickeln soll – Ich glaube, von daher, dass ein Synchronsprecher anpassungsfähig sein muss.

  

Ich spreche dann ein paar Lines für eine Rolle und dann wird mir gesagt „ein bisschen jünger“, „ein bisschen kaltherziger“ oder „ein bisschen fieser“. Ich muss also auf der Stelle meine Sprechweise verändern. Auch wenn ich mich auf eine Rolle vorbereite, kann es sein, dass am Set auffällt, dass das gar nicht passt und wir es anders aufnehmen. 

 

Da im Westen normalerweise Sprecher allein aufgenommen werden: Was sind einige Hürden beim Aufnehmen in der Gruppe, über die viele Leute eher nicht Bescheid wissen? Was sind Ihrer Meinung nach die Vorteile dieser Aufnahmemethode?

 

Yui Horie: Es gibt in Japan auch die Situation, dass man was allein aufnimmt. Das passiert vor allem bei Videospielen und Narrationen. Aber es ist in Japan üblich, dass alle Beteiligten einer Folge die Aufnahme gemeinsam machen. Dialoge sind ja eine Form der Interaktion. Wenn ich allein zuhause meine Rolle übe, kann es sein, dass mein Gegenüber sich etwas anderes vorgestellt hat und Sprüche anders herüberbringt, als ich erwartete. Daran musst du dich dann anpassen können. Es entsteht also eine Art Verbindung zwischen den Akteuren und den Rollen. Ich denke, das ist ein Vorteil der japanischen Methode.

  

Wenn ich aber ein Videospiel aufnehme, dann bin ich allein in der Kabine. Da kann ich meiner Kreativität freien Lauf lassen. Ich denke auch, dass dies ein Vorteil ist. Da braucht man allerdings auch einiges an Vorstellungskraft, da man sich ja vorstellen muss, wie der andere reagieren würde.

 

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Wie unterscheiden sich die Arbeiten an einem Anime gegenüber der Arbeit an einem Game, vor allem bei sehr umfangreichen Werken wie z.B. Umineko no Naku Koro ni?

  

Yui Horie: Das Drehbuch von Umineko ist sehr dick. Wer sehr lange durchhält, macht am Tag vielleicht vier oder fünf Stunden. Wer da nicht fertig wird, macht dann am nächsten Tag weiter. Bei mir kommt es ein wenig auf die Rolle an, aber ich mache für gewöhnlich so drei Stunden am Tag. Damit komme ich dann auf etwa 400-500 Wörter, schnelle Menschen schaffen vielleicht sogar 1000. Dann mache ich halt mit dem Skript weiter, wenn ich wieder Zeit habe.

 

Wie ist es für japanische Sprecher, Deutsch oder Englisch in Anime sprechen zu müssen?

   

Yui: Es ist schon sehr japanisches Englisch, wie zum Beispiel „Sandaaboruto“ – umgekehrt, wie klingt das eigentlich für euch?   

 

Man hört es normalerweise raus, dass die Sprecher dien Katakana-Schreibweise eines Wortes als Basis haben, aber es hat einen gewissen Charme für viele Leute. Zum Beispiel sieht man das ja bei Jojo’s Bizarre Adventure, wo die Fans gerne dieses gebrochene Englisch rezitieren. Es gehört für viele mittlerweile einfach irgendwo dazu.

 

  

Yui Horie: Also, wenn es jetzt ein Zauberspruch ist, dann lese ich normalerweise auch einfach die Katakana ab. Es gibt aber auch Charaktere, die halt des Englischen mächtig sind und das ist jedes Mal sehr aufregend. Meistens habe ich dann jemanden neben mir stehen, der es mir vorspricht und dann sage ich es nach. Aber das ist ganz schön anstrengend und kommt auch wirklich auf die Situation und Person an. Manche hören sich Aufnahmen zur Vorbereitung an, ich lasse es mir halt lieber diktieren. 

 

Machen Sie das genauso, wenn Sie Deutsch sprechen?

 

Yui Horie: Gerade Orts- und Eigennamen sind oft deutsch. Diese sind dann aber immer in Katakana und ich behalte es daher so bei. Zum Beispiel kann ich „Gute Nacht“ in Katakana sagen - das wäre „Guute Nahato“ oder ich sage es halt sehr deutsch und mache auch dieses „Nacht“ draus. Es gibt einfach Laute, die es im Japanischen nicht gibt und wenn die in Katakana im Skript stehen, werden sie auch so gelesen. Wenn der Auftrag ist, dass es nahe am Deutschen zu klingen hat, ist es schon recht schwierig. Wen man beispielsweise einen Namen wie Dresden im Skript hat, steht da einfach in Katakana „Duresuduen und dann spreche ich das auch so aus, obwohl es im Deutschen „Dresden“ wäre.

 

Zum Schluss noch eine Scherzfrage: Sind Staubsauger das perfekte Haustier und wenn ja, wieso?

 

Yui Horie: Da ich mein Haus gar nicht so sehr selbst putze, wäre ich schon sehr dankbar, wenn mein Haustier sich drum kümmern könnte. Wenn ich einen Hund hätte, würde er ja nur mein Zimmer verwüsten und Ru-chan, wie er im Miss-Monochrome-Anime erscheint, würde aufräumen. Das wäre doch sehr praktisch. Also ja, ich denke schon, dass sie die perfekten Haustiere wären.

 

Vielen Dank für das Interview!

 

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René Kayser arbeitet als PR- und Social-Media-Manager für Crunchyroll Deutschland. Auf Twitter könnt ihr ihn unter @kayserlein finden, wo er den Leuten damit auf die Nerven geht, die Visual Novel Umineko no Naku Koro ni zu lesen.

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