Digimon Adventure: - Alles was ein gutes Reboot braucht

Es ist großartig für neue und langjährige Fans!

ACHTUNG: SPOILER DER ERSTEN EPISODE VON DIGIMON ADVENTURE: 

 

Die größte Frage bei einem Reboot ist: "Warum sollte es das geben?". Geht einmal die Rezensionen und Kommentare zu den unzähligen Horrorfilm-Remakes durch, die wir in den 2000er Jahren bekamen und der größte Trend ist: "Das wäre eigentlich nicht nötig gewesen. Wir hatten schon eine gute Version. Wir brauchen keine weitere Version." Und deshalb scheitern die meisten Remakes von Anfang an. Sie können schreckliche Drehbücher, abscheuliche Schauspielerei und eine Filmkunst haben, die so aussieht, als hätte jemand einem Fremden die Kamera gegeben und ihm gesagt, er solle sie einfach auf die Kettensägen richten. Alles endet einfach in dem Satz: "Das wäre eigentlich nicht nötig gewesen."

 

Das war meine größte Befürchtung, als Digimon Adventure: startete. Ein Neustart des klassischen Digimon-Adventure-Anime. Nicht, dass ich es nicht genießen würde. Es ist Digimon! Auf einer gewissen Ebene wird der Teil meines Gehirns, der Monster liebt und es liebt, Monster miteinander kämpfen zu sehen, das zu schätzen wissen. Aber ich hatte Angst, dass ich tief im Inneren denken würde: "Oh, das ist schön, aber eigentlich wäre das nicht nötig gewesen." 

 

Aber nachdem ich mir die erste Folge von "Digimon Adventure:" angesehen habe, kann ich diese Sorgen vergessen. Denn dies ist ein Neustart, der beweist, warum er bei fast jeder Szene notwendig war. Ich bewundere es schon jetzt.

 

agumon

 

Schau, die besten Neustarts (John Carpenters The Thing, David Cronenbergs Die Fliege, True Grit von den Gebrüdern Coen, etc.) neigen dazu, das Material, auf dem sie basieren, nicht zu reproduzieren, sondern es aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Carpenters The Thing beleuchtete die schreckliche Paranoia, mit einem formwandelnden Außerirdischen in der Antarktis gefangen zu sein. Cronenbergs Die Fliege übersprang das atomare Wesensmerkmal des Originals und wandte sich dem reinen Körperhorror zu. Und der 2010 erschienene True Grit blieb näher am Roman von Charles Portis als die Version von 1969 und erzählte uns eine Geschichte über das Aufeinanderprallen von Mythos und realem Leben.

 

In der Zwischenzeit gibt uns Digimon Adventure: keine exakte Replik der ersten Episode von Digimon Adventure. Nur vier der "Digiritter" tauchen auf und die Hälfte von ihnen haben noch keinen Digimon-Partner. Die Welt der Digimon ist nicht der üppige, mit Pflanzen bewachsene Wald des ursprünglichen Anime, sondern eher ein computerisierter Bereich, der direkt aus den Cyber-Sleuth-Spielen des Franchises zu stammen scheint. Die gegnerischen Algomon sind etwas seltsamer und weniger "organisch", als Adventures Kuwagamon. Taichi wird nicht mehr im Sommerlager überrumpelt, sondern wird dorthin transportiert, während er versucht, seine Mutter und seine Schwester zu retten, die in einem führerlosen Zug gefangen sind. Yamato bekommt hier eine große, dramatische, Sasuke-ähnliche Einführung. Und Agumon ist nicht mehr der schüchterne kleine Echsenbruder, der er früher war, sondern eher ein proaktiver Kämpfer, der sich mit Souveränität in die Aktion stürzt.

 

Dies, kombiniert mit einigen extrem coolen animierten Details (die Entwicklung von Agumon zu Greymon ist wirklich atemberaubend)...

 

greymon

 

...und die aufkeimende Freundschaft zwischen Taichi und Koshiro (Koshiro scheint die Rolle des Computernerds zu spielen, der Tipps aus dem "Lieferwagen" schreit, so ähnlich wie man es von Filmen mit Raubüberfällen kennt, was ganz lustig ist.) gibt uns eine ganz andere Erfahrung als die im Original von 1999. Und ich glaube, es liegt daran, dass Digimon Adventure: sich von Anfang an der Stellung von Digimon in der Popkultur bewusst ist. Es hat etwas mehr als zwanzig Jahre Anime-Geschichte hinter sich. Mit seinem schnellen Tempo und seiner relativ einfachen Darstellung versteht Digimon Adventure:, dass es nicht all die Dinge erklären muss, die das Original erklären musste und ist daher in der Lage, ein bisschen mehr mit der Welt zu spielen, während es immer noch als geeigneter Einstiegspunkt für neue Fans dient.

 

tai

 

Es ist irgendwie so, als wenn der MCU Spider-Man nicht zu tief in den Tod von Onkel Ben eintaucht und der neue Batman einige Jahre nach dessen Start in Gotham stattfindet und uns nicht mehr das Ableben von Bruce Waynes Eltern erklärt. Diese Stücke der Popkultur-Geschichte haben sich durch jahrzehntelange Filme, Comics und Cartoons in unser Gehirn eingebrannt. Wir kennen sie ebenso gut wie die Namen der Figuren. Und auf ähnliche Weise wissen wir - auch wenn wir nie eine der Serien gesehen haben  was Digimon sind, wir wissen, dass sie sich verwandeln, und wir wissen, dass sie nicht Pikachu sind.

 

Dies gibt den Autoren viel mehr Spielraum in der Geschichte, die sie zu erzählen versuchen, da sie nicht verpflichtet sind, uns in bestimmte Ereignisse einzuführen und es erlaubt ihnen, etwas zu konstruieren, das zu gleichen Teilen frisch und vertraut ist und nicht nur letzteres. Dadurch wird verhindert, dass sich ein Neustart wie ein Versuch anfühlt, eine Reihe von Original-Anime-Bullet-Points zu treffen, und es wird sichergestellt, dass es spannend ist.  

 

agumon 

 

Kurz gesagt, die erste Episode Digimon Adventure: ist nicht nur wegen des Drehbuchs, der Animation, der Musik, der Regie und der Sprecher fantastisch, sondern auch, weil sie aufregend ist - egal, wie oft ihr Digimon Adventure gesehen habt. Sie gibt uns eine Show, mit der sowohl neue als auch langjährige Fans zufrieden sein werden und das macht sie zu einem ausgezeichneten und absolut lohnenswerten Neustart.

 

Hat euch die erste Episode von "Digimon Adventure:" gefallen? Wie fandet ihr das neue Agumon? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!

 

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Original-Artikel von Daniel Dockery, übersetzt von AniManisch. 

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AniManisch, oder vielen eher bekannt als Dr. Animus, verdingt sich nach seiner aktiven Karriere als Youtuber und Streamer nun als Schreiberling bei Crunchyroll. Folgt ihm über @DoktorAnimus.

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