Welche Anime-Ära weckt in euch nostalgische Gefühle?

Erforschen wir die Geschichte des Anime und damit ein Thema voller Nostalgie!

Der Herbst neigt sich still und langsam seinem Ende entgegen, aber selbst während ich den Wechsel der Animeseason genieße, kann ich nicht aufhören, über den Geist der Anime-Vergangenheit nachzudenken. Ich glaube aber nicht, dass das meine Schuld ist; zufällig ist diese Season auf einem absoluten Höhenflug was Anime-Nostalgie angeht. Und das nicht nur einmal. Von Tite Kubos Nachfolger zu Bleach über die unerwartete Rückkehr von Inuyasha bis hin zur letzten Staffel von Haikyu!! - die Herbstsaison 2020 ist der Dreh- und Angelpunkt, wenn es um Nostalgie der letzten Anime-Jahrzehnte geht.

 

BURN THE WITCH

 

Jeder Mensch ist nostalgisch gegenüber bestimmten Epochen der Medien, die er mag, obwohl unsere Nostalgie häufig eher auf unsere eigenen Umstände, als auf die Medien selbst zurückzuführen ist. Wenn man zum ersten Mal mit so etwas wie Anime in Berührung kommt, kann es sich anfühlen, als hätte man eine geheime Tür in eine ganz neue Welt geöffnet. Alles ist frisch und anders und die eingenen Erwartungen in Bezug auf Erzählung und Drama werden sogar noch übertroffen. Es ist eine aufregende Erfahrung und wenn man Anime an der Schwelle der Jugend begegnet, prägt uns das umso mehr.


Natürlich verstärkt die Eigenart von Anime tendenziell seine nostalgische Anziehungskraft. Anime ist nicht nur erzählerisch mit Nostalgie und Jugend verbunden, die saisonale Flut von Serien und die wechselnden Trends des Mediums bedeuten, dass es echte Gründe gibt, zu behaupten, Anime sei immer dann am besten gewesen, wenn man zum ersten Mal damit konfrontiert wurde. Fühlt ihr euch dem epischen Sci-Fi und dem World Masterpiece Theater der 70er Jahre am meisten verbunden? Wie steht es mit den gewaltverherrlichenden OVAs der 80er und der frühen 90er Jahre? Vielleicht hängt ihr auch eher an der inhaltlichen und formalen Verschiebung nach dem Erscheinen von Evangelion oder an der darauffolgenden Welle von Light Novels? Oder aber an einem der noch jüngeren Trends der Anime-Szene?  Durch Entwicklung und immer wieder wechselnde Trends kann man wohl mit Recht behaupten: Anime sind nicht mehr so wie früher.


Unsere Nostalgie ist berechtigt, ganz gleich, wo sie zu finden ist und ich persönlich fühle mich am meisten zwei verschiedenen Epochen verbunden, die, was nicht überrascht, mit den beiden Zeiten zusammenfallen, in denen ich der Anime-Welt tief verfallen bin. Zunächst einmal wurde ich, wie viele andere Fans auch, durch die TV-Ausstrahlungen um die Jahrtausendwende herum auf Anime aufmerksam. Die Anziehungskraft früherer Hauptdarsteller der 00er Jahre wie Inuyasha und Cowboy Bebop wurde natürlich durch den Nervenkitzel verstärkt, viel zu lange aufzubleiben, um sie zu sehen; allein in einem stillen Haus hatte ich das Gefühl, Sendungen aus einer anderen Welt zu empfangen. Und nach all dieser Zeit brachte mich die Ankündigung einer Inuyasha-Fortsetzung zurück zu jenen Nächten, in denen Anime so cool und so neu war, dass ich nachts heimlich auf blieb, um sie zu sehen.

 

Yashahime


Während des Studiums habe ich nur ein paar Anime gesehen, aber einige Jahre später, gegen Ende 2012, kehrte ich ernsthaft zu diesem Medium zurück. Diese Ära war ganz anders als meine erste. Ich entdeckte den Anime als kritisch denkender junger Erwachsener wieder und erkannte, dass das Medium immer noch unzählige Möglichkeiten hatte, mich zu begeistern. Das Jahr 2013 war für mich unglaublich wichtig, da ich die Wunder faszinierender neuer Serien wie The Eccentric Family, Kyousogiga und Bakemonogatari entdeckte, während ich mich gleichzeitig gierig durch damals neuere Klassiker wie Puella Magi Madoka Magica und Hyouka mampfte. Es waren diese Sendungen, die mich dazu gebracht haben, über Anime zu schreiben, was bedeutet, dass sich diese Ära auch heute noch wie ein lebendiger Teil von mir anfühlt.

 

Es ist töricht von uns, zu argumentieren, dass unsere Nostalgie-Epochen die "objektiv besten" Epochen im Anime sind, aber unsere persönliche Verbindung und Geschichte mit diesem Medium ist eine besondere Sache, die es wert ist, gefeiert zu werden. Nostalgie macht klar, dass unsere Kunsterfahrung nie ein reines Ergebnis der Kunst selbst ist - sie ist ein Zusammenspiel von dem Werk selbst und unserer eigenen Persönlichkeit - zu jener Zeit, mit unserer Perspektive auf das Leben und unserer allgemeinen Philosophie des Seins, die alle in unseren Umgang mit den Medien einfließen. Niemand könnte unsere ersten Erfahrung mit einer Anime-Serie besser widerspiegeln, als wir selbst. Wenn ich einen Freund brauchte, war Anime dieser Freund - und wenn ich eifrig die Fäden der Kunst und des Geschichtenerzählens in die Hand nehmen wollte, war Anime auch für mich da.

 

The Eccentric Family


Eine Erfahrung mit einer Serie wird nur einmal gemacht. Niemand hat exakt die selben Vorlieben oder Einstellungen, die in diese spezielle Erfahrungen mit einbezogen werden. Wenn wir wachsen und das Leben uns prägt, fangen wir sogar an, unterschiedliche Vorlieben und Meinungen in Kunstwerke einzubringen und unseren Eindruck von diesen mit der Zeit anzupassen. Angesichts dessen könnte man Nostalgie als eine sehr kostbare Sache betrachten - indem wir unsere alten Favoriten feiern, kommunizieren wir in gewisser Weise mit unserem eigenen alten Selbst - mit dem Menschen, der wir waren, als wir uns zum ersten Mal in die Anime-Welt verliebt haben. Aus dem richtigen Blickwinkel betrachtet, kann Nostalgie also sowohl bestätigend als auch demütigend sein - ein Punkt der Verbindung mit unserem jüngeren Selbst und eine Illustration dafür, wie sehr wir gewachsen sind.


Abgesehen davon glaube ich durchaus, dass 2013 ein absurd gutes Jahr für Anime war und ich bin bereit, jeden zu bekehren, der anders denkt. Ich meine, ernsthaft: Kyousogiga, The Eccentric Family, die zweite Staffel von Monogatari und My Teen Romantic Comedy SNAFU und das alles im selben Jahr? Gatchaman Crowds, From the New World, Psycho-Pass ... Seht ihr, ich glaube nicht, dass es nur an mir liegt, aber ich bin natürlich bereit, hier etwas Raum für Argumente zu lassen. Alles, was ich sage ist, dass ich, wenn jedes Jahr 2013 wäre, nie einen Mangel an News und Artikel für euch haben würde.


Aber hier geht es nicht um mich. Was sind eure eigenen nostalgischen Epochen in der Anime-Welt und was hat sie für euch besonders gemacht? Schreibt es in die Kommentare!

 

 


 

Original-Artikel von Nick Creamer, übersetzt von AniManisch.

 

AniManisch, oder vielen eher bekannt als Dr. Animus, verdingt sich nach seiner aktiven Karriere als Youtuber und Streamer nun als Schreiberling bei Crunchyroll. Folgt ihm über @DoktorAnimus

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