Blu-ray Review: Naruto Vol. 6 und Vol.7

Oder: Mehrere Stunden Filler

Es ist kein Geheimnis, das ein Großteil aller Animes auf Mangas basiert. Dabei ist es nicht selten, dass diese noch gar nicht abgeschlossen sind. Wenn es dazu kommt, dass ein Anime droht den Manga zu überholen, greifen die produzierenden Studios zu verschiedenen Tricks um den vorzubeugen. Manche Serien enden einfach bevor die Handlung abgeschlossen ist und geben die Möglichkeit für eine Fortsetzung, welche aber leider nicht immer folgt. Andere weichen ab einen gewissen Punkt von der Vorlage ab und erzählen eine andere Geschichte. Doch grade so langläufige Serien wie Naruto nutzen lieber Filler, Szenen und Folgen original für den Anime produziert, um dem Manga einen Vorsprung zu verschaffen. Naruto ist ein recht notorisches Beispiel, da zwischen dem Endkampf zwischen Naruto und Sasuke und der ersten Folge von Naruto Shippuden, in welcher die Handlung wieder einsetzt beinahe 2 Jahre oder 85 Episoden lagen, in denen die Haupthandlung nicht voranschreiten konnte. Dies war natürlich recht kontrovers und die Reaktion der Fanbase war nicht unbedingt positiv, dass sie solange hingehalten wurden. Nun stellt sich aber die Frage, ob es sich bei diesen Folgen nun um Zeitverschwendung handelt oder ob es sich lohnt diese anzusehen.


KSM hat uns freundlicherweise Staffel 6 und 7 ihrer Blu-ray Neuveröffentlichung des beliebten Anime zu Verfügung gestellt, welche die Folgen 136-157 (Vol.6) und 158-183(Vol.7) beinhaltet. Wir haben einen Blick auf diese Folgen geworfen und sagen euch, ob sie ihre Zeit wert sind oder ob man lieber direkt zu Naruto Shippuden greifen sollte.


Disclaimer: Wir bitten, die schlechte Qualität der Screenshots zu entschuldigen. Diese ist auf unserer Seite zu verantworten und repräsentiert keinesfalls das Bild der Blu-ray. 

 

Story:

Die Mission, Sasuke zurück nach Konohagakure zu bringen, ist gescheitert und hat einen Großteil des Teams ins Krankenhaus gebracht. Glücklicherweise ist Naruto wieder schnell auf den Beinen und voller Tatendrang seinen Freund zu suchen. So führt ihn seine Suche mal nach Otogakure (dem vermeintlichen Unterschlupf Orochimarus), mal in ein Käferreservat. Zudem kreuzt er die Wege mit dem hinterhältigen Mizuki, welcher aus dem Gefängnis geflohen ist, und Raiga, einer der “Sieben Schwertninja aus dem Nebel”. Aber damit nicht genug, denn Naruto muss auch seine Pflichten als Ninja nachgehen und in Namen Konohas Missionen abarbeiten. Diese führen ihn in die verschiedensten Ländereien, wie das Land der Ozeane oder in das kleine Ninjadorf Hoshigakure. Viele Abenteuer warten auf den jungen Ninja, doch er ist bereit sich jeder Herausforderung zu stellen…

 

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Da sowohl die sechste als auch die siebte Staffel von Naruto nur aus Fillern bestehen, ist die größte Schwäche die Unfähigkeit, die Haupthandlung voran zu treiben. Stattdessen werden mehrere kleine Geschichten erzählt, die in sich geschlossen sind und nur geringe Kontinuität zueinander aufweisen. So erwähnt der ein oder andere Charakter mal den Ausgang voriger Missionen, doch hört es dabei auch auf. Das einzige wirklich wiederkehrende Thema ist Sakuras Ausbildung zu einer Sanitäterin. Etwas, wofür sie sich am Ende des ersten Story Arcs, der Reise nach Otogakure, entschlossen hat. Dies ist eine Entwicklung, welche sich zwar auch im Manga ereignet hat, aber den Lesern nie wirklich vor Augen geführt wurde. Gleichzeitig verhindert diese Ausbildung auch, dass Sakura mit Naruto auf Missionen gehen kann und bietet den andern Genin die Gelegenheit zu glänzen. So ergibt sich die Standardformel, dass Naruto auf jede Mission mit einen anderen Team geht und so für etwas willkommene Abwechslung sorgt. Dies erlaubt Charakteren, die bis dato nur eine geringere Rolle gespielt haben, ein wenig ausgeschmückt zu werden. Leider geschieht dies aber nur im geringen Rahmen. So wirkt es häufiger so, dass die anderen Mitglieder nur da sind um Naruto gegebenfalls zu belehren und die Handlanger der Bösewichte zu bekämpfen, tragen sie doch nur minimal etwas zum Voranschreiten der jeweiligen Handlung bei. Ein Beispiel wäre Ino, Shikamaru und Choji, welche in einer Episode auftauchen, um Naruto im Kampf zu unterstützen, dann aber die nächsten drei Folgen damit verbringen, die Gegner wortwörtlich nur festzuhalten, damit Naruto den Bösewicht in Ruhe verfolgen kann. Eine große Ausnahme hierzu bietet der „Suche nach den Spurkäfer“-Arc, in welchen Naruto mit Shino, Kiba und Hinata unterwegs ist. Jeder trägt etwas bei, wobei Hinata eindeutig die Show stiehlt. So ist dieser Arc stark auf ihre Fortschritte als Ninja fokussiert und bietet zudem ein wenig Ship Teasing zwischen Naruto und Hinata.


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Aber auch andere Charaktere wie beispielsweise Anko oder Iruka bekommen eine Neuaufwartung. Zudem dreht sich einer der Arcs um Mizuki, dem Schurken aus der ersten Episode, welcher Naruto angestiftet hat die geheime Schriftrolle zu stehlen. Die Filler geben ihm eine Hintergrundgeschichte und versuchen seinen Charakter auszubauen. Auch die Geschichte um das “Curry des Lebens” erinnert an einen früheren Abschnitt. So trifft Naruto auf Raiga, einen der Sieben Schwertninja aus den Nebel, der wie Zabuza sich auf die Kräfte eines femininen Jungen verlässt. Parallelen, auf die Naruto selber hinweist. Aber auch wenn Raiga eindeutig an Zabuza angelehnt ist, so unterscheidet er sich in vielen Punkten und schafft es dennoch ein interessanter Charakter zu bleiben.


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Andere Geschichten bieten mehr Originalität: So schafft die Mission um Hoshigakure ein in die Welt passendes Ninjadorf mit eigenen Mythos zu schaffen. Ein Problem das all diese Episoden haben, ist jedoch die fehlende Dringlichkeit. Die Schurken wirken selten wie eine wirkliche Bedrohung und werden zumeist in der Spanne weniger Minuten besiegt. Dies wirkt im Vergleich zum Rest der Serie leider etwas antiklimatisch und enttäuschend.


Grade in den alleinstehenden Episoden liegt der Fokus aber eher auf der Comedy. Dabei werden häufig Charaktermerkmale bis ins Lächerliche überspitzt. Insbesondere Naruto selbst scheint in diesen Folgen wesentlich dümmer und naiver zu sein, wo er in der Haupthandlung schon wesentlich mehr Reife erreicht hatte. Diese Vereinfachung ist manchmal leicht frustrierend, doch schafft die Serie wenigstens, so den einen oder anderen Lacher hervorzubringen.

 

Die beiden Staffeln bieten viel Unterhaltung für Fans der Serie, sind jedoch mit einigen Problemen geschmückt. Aber bei allen Schwächen kommen die Folgen auch mit diversen Höhepunkten daher, welche diese ausgleichen. Wer sich damit abfinden kann, dass die Folgen nichts tun um die Haupthandlung vorantreiben, kann sich über eine Sammlung netter Geschichte mit den bekannten Charakteren freuen.

 

Technik:

Die Blu-ray Veröffentlichung bietet ein aufgewertetes Bild mit einer Auflösung von 1080p, behält aber leider die Seitenverhältnisse von 4:3 bei, wobei dies bei dem Alter der Serie entschuldbar ist. Die Animationsqualität variiert leider stark innerhalb und zwischen den Folgen. So sind einige Szenen wunderbar detailliert, während andere gefühlt nur aus Standbildern und bewegenden Lippen bestehen. Alles in allem wird jedoch zumindest ein gewisser Standard gehalten. Doch wenn Naruto schön aussehen möchte, ist die Serie wirklich beeindruckend. Dies zeigt sich besonders im „Suche nach den Spurkäfer“-Arc auf Vol.6. Diese Folgen halten durchweg ein hohes Niveau und glänzen mit wunderschönen Designs. Im Allgemeinen können beide Staffeln mit sehr schönen Landschaften glänzen.


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Soundtechnisch gibt es wenig zu erwähnen. Die Sprecher bringen ihre gewohnte Leistung und liefern einen guten Job ab. Hervorheben sollte man vielleicht die gesangliche Darbietung des Wiegenlieds „Natsuhiboshi“, welches von Rika Fucami (Natsuhis Seiyu) vorgetragen wird und den Leitfaden für den gesamten Hoshigakure-Arc stellt. Ansonsten verlässt sich der Soundtrack auf die altbewährte Mischung aus traditionell japanischer Musik und Rockelementen, welche immer die passende Atmosphäre für die jeweilige Szene schafft.


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Lokalisierung:

Die deutsche Synchronisation ist durchaus gelungen. Die Sprecher sind alle einigermaßen passend besetzt und es gibt keine Ausreißer beim schauspielerischen Part. Charaktere sagen häufig etwas komplett anderes als das japanische Skript hergibt, doch bleibt es der Szene und den Charakteren treu, so dass diese Unterschiede sich nicht auf das Erlebnis auswirken und es der Tonspur erlaubt, synchron zu bleiben. Leider wurde die TV-Tonspur verwendet, welche dementsprechend zensiert wurde. So wird das Wort „Tod“ bzw. „töten“ weitestgehend vermieden. Die Implikation ist jedoch an manchen Stellen noch passend vorhanden, während die Wörter an anderen durch „entführt“ ersetzt werden, was leider zu einigen Logikbrüchen führt, vor allem da die ungeschnittene Videospur verwendet wird. So kommt es, dass ein Charakter von der „Entführung“ einer dreiköpfigen Familie erzählt und dabei ihre Leichen gezeigt werden. Zwar ist es verständlich, dass die Serie nicht noch einmal für die Uncut-Fassung vertont wird, doch werden die Zensuren an vielen Stellen in die Untertitelspur mit aufgenommen. Ansonsten ist diese aber eine sehr treue Übersetzung des japanischen Skriptes. Es kommt leider auch zu Fehlern, welche ihren Weg in die deutsche Tonspur, aber zum Teil auch in die Untertitel gefunden haben. Einige sind eher unauffällig und springen nur einem Fan ins Auge. So wird in einer Szene über den Tsuchikage gesprochen der fälschlicherweise als Hokage bezeichnet wird. Doch manche Fehler sind recht offensichtlich. In einer Szene wurde das Jutsu der Wasserdrachenbombe fälschlicherweise als Feuerdrachenbombe übersetzt. Ein eher minderer Kritikpunkt mag für den einen oder anderen die Aussprache der Japanischen Namen sein, welche konsequent eingedeutscht werden und die Tatsache, dass manche Techniken übersetzt werden, während andere die japanischen Namen behalten, was jedoch die wenigsten wirklich stören sollte.

 

Fazit:

Naruto Staffel 6 und 7 ist eine lohnenswerte Anschaffung für alle, die nicht genug vom orangen Ninja kriegen können. Wer sie sich nur holen möchte, um seine DVD Sammlung auf Blu Ray aufzuwerten, wird sich an der verbesserten Auflösung erfreuen. Das größte Manko ist eindeutig, dass die Haupthandlung in keiner Weise vorangetrieben wird. Doch geben sie verschiedenen Charakteren die Möglichkeit im Mittelpunkt zu stehen. Grade Hinata-Fans werden mit Vol.6 auf ihre Kosten kommen. Die Schwächen der Übersetzung lassen sich ignorieren und sollten nicht ausschlaggebend sein, da die Lokalisierung insgesamt gut ist. Wer jedoch nur an der Haupthandlung und den großausgelegten Kämpfen interessiert ist, wird mit diesen Staffeln vermutlich nicht glücklich.  

 

Naruto und Naruto Shippuden werden in Deutschland durch KSM vertrieben. Auf DVD ist die erste Serie bereits komplett verfügbar, während auf Blu-ray bisher Staffel 1-6 veröffentlicht wurden. Staffel 7 erscheint wiederum am 20. Juli, welche ihr hier vorbestellen könnt. 

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