Blu-ray-Review: Terror in Tokio

Ein Echo des Terrors (der Realität)

Terrorismus ist das Thema des neuen Jahrtausends. Erst die Anschläge vom 11. September, die Anschläge von Madrid, London, Bali und erst kürzlich der Anschlag in der türkischen Grenzstadt Suruc. Die Angst vor Anschlägen ist allgegenwärtig und so ist es kein Wunder, dass man die Thematik nicht auch in Animeform einmal aufgreift und abhandelt. 


Wie der Name der Serie verrät, ist das Tokio der Gegenwart nun das Ziel. Okay, vielleicht nicht unsere Gegenwart, schließlich wird in dieser Serie das Tokio Metropolitan Government Building, der Sitz der Verwaltung der Präfektur Tokio, von einem Terroranschlag erschüttert. In einem typischen Anime würde sich nun die mutige Polizei als unsere Helden auf die Jagd nach unbekannten Bösewichten machen. Terror in Tokio hingegen erzählt die Geschichte aus ziemlich ungewöhnlicher Perpektive, nämlich aus der der Terroristen Sphinx Eins und Sphinx Zwei, welche zuvor in einem wenig beachteten Internetvideo den Anschlag auf den Sitz der Präfekturverwaltung angekündigt hatten. Die nun aufgeschreckte Polizei macht sich auf eine fieberhafte Suche nach dem Terrorduo, die weitere Terrorakte begehen und dabei immer wieder die Öffentlichkeit mit in Rätseln geäußerten Hinweisen warnen.


Während die Polizei in diesem Katz-und-Maus-Spiel bezüglich der Identität der Terroristen im Dunkeln tappt, gerät die Schülerin Lisa Mishima durch Zufall in den Anschlag auf das Tokio Metropolitan Government Building und erkennt die Terroristen als Mitschüler. Diese Bekanntschaft wird ihr Leben verändern...


Metropolitan Building.jpg


Terror in Tokio ist ein Originalwerk, der Anime basiert also nicht auf einer Vorlage wie einem Manga. Zuständiger Regisseur und Drehbuchverantwortlicher war Shinichiro Watanabe, der wohl den meisten Animefans durch seine Arbeit an Cowboy Bebop und Samurai Champloo bekannt sein dürfte. Ist er in letzter Zeit eher durch seinen komödiantischen Einschlag in der Serie Space Dandy bekannt, widmet er sich nun in Terror in Tokio wieder einem realistischeren, ernsterem Setting.




Terror in Tokio beginnt mit einem Diebstahl in einer verschneiten atomaren Wiederaufbereitungsanlage, bei welchem ein Mitarbeiter und ein in die Anlage eindringender maskierter junger Mann eine unbekannte Menge nuklearen Materials entwenden.


In einem recht drastischen Sprung findet man sich in Tokio, mitten im Hochsommer wieder. In diesem Sommer wechseln Arata Kokonoe und Touji Hisami an die selbe Schule wie Lisa Mishima, die von Touji vor dem Mobbing von Mitschülern gerettet wird. Kurz darauf bemerkt Sie das seltsame Verhalten von Touji, den Sie bei einem Schulausflug ins Tokio Metropolitan Government Building dabei erwischt, sich trotz des Feueralarms immer noch im Gebäude herum zu treiben und dabei munter (insgeheim mit Bomben ausgestattete) kleine Plüschtiere zu verteilen. Nun stellt unser Terrorduo Lisa vor die Entscheidung, Komplizin zu werden oder zu sterben. Trotz ihrer psychischen Probleme danke des Mobbing und ihres zerrütteten Elternhauses entscheidet sie sich für das Leben. In an die Anschläge auf das World Trade Center erinnernde ikonografische Bilder erleidet das für das Stadtbild Tokios so bedeutsame Gebäude ein ähnlich verheerendes Schicksal wie die Twin Towers.



Arata Kokonoe „Nine“


Augen wie aus Eis. Das ist der Ersteindruck, den wohl jeder von Nine bekommt. Nach außen hin sehr rational, ist er gepeinigt von seiner Vergangenheit, in der er trotz seiner beeindruckenden Intelligenz ihm wichtige Menschen nicht beschützen konnte. Als Reaktion darauf verschließt er sein Inneres so gut es ihm möglich ist. Seine messerscharfen Gedankengängen werden von Kaito Ishikawa (u.a. Tobio Kageyama aus Haikyuu!!) in der japanischen und von Julius Jellinek (u.a. Akira Takizawa aus Eden of the East) in deutschen Fassung Ausdruck verliehen.



Touji Hisami „Twelve“


Ein Lächeln wie das Strahlen der Sonne. So wird Twelve schon in der ersten Folge beschrieben und es wird seinem Auftreten gerecht. Jedoch steckt mehr dahinter, denn unter seiner Fröhlichkeit ist er immer auch ein wachsamer Beobachter und trotz vieler Worte baut er zu seiner Umgebung eine große Distanz auf. Hier und da scheint zudem eine leicht sadistische Ader durch. Seine fröhliche Stimme wird im Japanischen von Souma Saitou (u.a. Adlet in Rokka - Braves of the Six Flowers) intoniert, Dirk Petrick (u.a. Youhei Sunohara aus Clannad) sorgt für seine deutsche Interpretation.



Lisa Mishima


Die eher introvertiere und unsichere Lisa Mishima hat schon vor ihrer Involvierung mit dem Terrorduo Sphinx ihre Probleme. In der Schule wird sie gemobbt und zu Hause bekommt sie nicht die nötige Unterstützung, da ihre psychisch labile Mutter nach der Scheidung fast schon psychotische Verlustängste äußert. Ihre gesamte Lebenssituation weckt in ihr das Verlangen aus ihrem Leben auszubrechen, mit unvorhersehbaren Konsequenzen. Ihre Unsicherheit wird stimmlich durch Atsumi Tanezaki (u.a. Mayu Arita aus Death Parade) im Japanischen und von Lisa Mitsching (u.a. Suzuna Ayuzawa in Maid-sama) im Deutschen zum Ausdruck gebracht.



Kenjirou Shibazaki


Der ehemalige Topermittler wurde nach dem mysteriösen Selbstmord des Staatsekretärs, vom Generalsekretär der LDP Mamiya aus der Ermittlungsabteilung 1 in das Archiv verbannt, um die Ermittlungen von Kenjirou zu beenden. Während sich seine Karriere im Archiv der Polizei in einer Sackgasse befindet, trainiert er seine unterbeschäftigten grauen Zellen mit Shogi und Kreuzworträtseln. Seiner bärbeißigen Stimme wird von Shunsuke Sakuya (u.a. Ishikawa aus Ghost in the Shell: Arise) in der japanischen Sprachausgabe und von Thomas Schmuckert(u.a. Marco Owen aus King of Thorn) in der deutschen Fassung Lebendigkeit verliehen.



„Five“


Die geheimnisvolle Gegenspielerin von Sphinx kennt im Gegensatz zu der japanischen Polizei keine Skrupel und wird von den amerikanischen Geheimdiensten als Chefin der Ermittlungsarbeit durchgesetzt. Zivile Opfer sind ihr bei der Jagd auf das Terrorduo so ziemlich egal. Sie teilt eine unbekannte gemeinsame Vergangenheit mit Twelve und Nine, zu letzterem entwickelt sie ein fast schon an eine Obsession grenzendes Verhalten. Ihre intrigante menschenverachtende Art wird durch die Stimme von Megumi Han (u.a. Rinko Yamato aus MY love STORY) im Japanischen und von Anja Stadlober (Kazuha Toyama aus Detective Conan) in der deutschen Sprache ausgedrückt.

 

Terror in Tokio wagt den heftigen Schritt, sich mit dem Thema Terrorismus aus der Perspektive der Terroristen zu befassen. In der westlichen Wahrnehmung werden Terroristen häufig entmenschlicht und deren Anliegen zugunsten der Monströsität ihrer Taten ignoriert, was hier jedoch nicht der Fall ist. Dieser Perspektivwechsel verursacht logischerweise einige Probleme, schließlich sind mordende Hauptcharaktere schwerlich als Identifikationspersonen geeignet, weshalb Todesopfer trotz der Gewalt der Anschläge auf Grund von Vorkehrungen durch Sphinx ausbleiben. In einer surrealen Serie mag das vielleicht noch praktikabel sein, in einer bewusst auf Realismus getrimmten Geschichte, die so heiße Eisen wie die hohe Verwendung von Nuklearenergie in dem einzigen von einer Atombombe getroffenen Land anspricht, wirkt der Mangel an Todesopfern jedoch leider etwas fehl am Platze.


dn92fff-zankyou-no-terror-01-720p-mkv_snapshot_07-47_2014-09-27_11-01-16.jpg


Die philantropische Motivation unserer Hauptcharaktere Twelve und Nine ergründet sich erst vergleichsweise spät in der zweiten Hälfte der Serie aus der Perspektive des ermittelnden Shibazaki, was einerseits die Spannung hoch hält, andererseits aber das Verhalten von Sphinx und Five etwas seltsam erscheinen lässt. Die Rücksichtslosigkeit von Five scheint zudem unpassend selbst für eine den amerikanischen Interessen verpflichtete Ermittlerin und erklärt sich erst durch die gemeinsame Vergangenheit mit unseren Terroristen.


Zu Beginn konzentriert sich die Serie sehr auf die Anschlagsziele und die Rätsel, die von Sphinx gestellt werden um der Polizei die Chance zu geben, die Anschlagsziele vorzeitig zu räumen. Lisa Mishima wirkt in diesem Rahmen mitsamt ihrer Hintergrundgeschichte als ob die Drehbuchschreiber eine normale Figur schaffen wollten und wirkt aber eher wie eine Ablenkung wie ein ernst zunehmender Teil der Serie, was sich erst spät ändert. Weiterhin fällt die Aktualisierung bekannter Plotelemente auf: Während herkömmliche Fiktion Hinweise von Terroristen in Form von z.B. Briefen darstellen würde, zeigt sich Terror in Tokio nah am Puls der Zeit und nutzt verschiedene Social Media-Plattformen (alen voran YouTube), um seine Geschichte zeitgemäß zu transportieren.


Die Anschläge und die Vorgehensweise von Sphinx sind bedrückend realistisch gehalten und vermögen es so, eine ungeheure Spannung und Dramatik zu entfalten. Die realitätsnah gehaltene Ermittlungsarbeit der Polizei lässt einem an der verzweifelten Hektik bei dem Versuch nach einer Vereitelung weiterer Terroranschlägen teilhaben und lassen die durch die Handlungsweise von Five die Frage nach der Relation der Mittel bei der Ergreifung des Terrorduos bei dem Zuschauer aufkommen.


Insgesamt eine hoch dramatische Geschichte, die nichts an Spannung vermissen lässt und angenehmerweise die technischen Möglichkeiten der Digitalisierung bei der Entwicklung der Geschichte nicht außer Acht lässt.



Die Blu-ray Version von Terror in Tokio präsentiert die Folgen mit folgenden technischen Spezifikationen:

  • Bild: 16:9 - 1.77:1 bei 1920x1080 Pixeln

  • Ton:

    •  Japanisch (DTS-HD 2.0)

    •  Deutsch (DTS-HD 2.0)

  • Untertitel: Deutsch



Die Hintergründe sind sehr hochwertig und die leicht fotorealistisch wirkenden Bilder vermitteln den Eindruck einer bemüht nah an der Realität orientierten Serie, was die gewollte politische und gesellschaftliche Brisanz und Relevanz stark erhöht. Die Verwendung von starken Kontrasten und entsättigten Farben spiegelt dabei die Intensität der Geschichte wider und der Detailreichtum der Hintergründe beeindruckt mit einer fast gemäldeartigen Qualität.


Screenshot.jpg


Bei der Animation und Darstellung der Charaktere wurde ein vergleichsweise hoher Fokus auf die Mundpartie des Gesichtes gelegt. Viele der Gesichtsausdrücke erschließen sich durch die sehr prägnant und dominant im Gesicht dargestellte Lippenpartie. Die im selbst im Vergleich zu den Hintergründen etwas blass wirkende Gesichtsfarbe der Charaktere stört dabei jedoch kaum.


Besonders beeindruckend fällt hier auch die Animation der Action auf: Variierende und interessante Kameraeinstellungen verleihen den Anschlägen und Verfolgungsjagden eine Einzigartigkeit, welche vor den Schirm fesselt und dank des hohen Budgets auch technisch ein entsprechendes Bild zeichnet.


Für den Soundtrack verantwortlich zeichnet sich die bekannte Yoko Kanno, die durch ihre Kompositionen bei Serien wie Vision of Escaflowne, Ghost in the Shell und Jin Roh von den meisten Animefans schon einmal gehört wurde. Auch hier liefert sie wieder gute Arbeit ab, auch wenn nicht alle Stücke so eingängig sind und sich mehr durch die lyrische Qualität und eine verträumt klingenden Gesang auszeichnen.

 



Die deutsche Lokalisierung ist, wie von Universum Anime gewohnt, sehr gut gelungen. Die Klangfarbe der Sprecher passt sehr gut zu den Charakteren und ist bisweilen sehr nah an dem japanischen Original.


So sind die Sprecher von Twelve primär dadurch zu unterscheiden, dass Souma Saitou noch einen etwas lang gezogenen Sprechrhytmus verwendet und deswegen wenig leicht verträumt klingt, was dem Charakter eine etwas süffisantere Note verleiht als Dirk Petrick, dessen Twelve etwas fröhlicher wirkt.


Lisa Mishima wirkt in der Intonierung von Atsumi Tanezaki dank einer sanfteren Tonlage etwas unsicherer als Lisa Mitschings Interpretation. Dies lässt sie im Deutschen dadurch ein wenig selbstbestimmter wirken.


Die Aufzählung dieser leichten Abweichungen in der japanischen und deutschen Fassung soll jedoch nicht den Eindruck erwecken, dass die Versionen sich stark unterscheiden. Gerade der Umstand,dass mir im Grunde genommen nur die zwei Abweichungen bei den Sprechern aufgefallen, soll verdeutlichen, dass trotz zeitnahem Schauens die Unterschiede nur marginal ausfallen.


Die deutschen Untertitel sind dem milden Farben enthaltendem Hintergrund passend in weiß gehalten und gut lesbar. Der Text selbst hält sich recht präzise an der deutschen Synchronisation, welche nach meinem Dafürhalten das japanische Original jedoch sehr genau trifft.




Die Blu-rays kommen jeweils in einem kleinem Schuber, der ein anderes Motiv als das des Wendecovers zeigt. Diese Schuber sind jedoch sehr eng geraten, weshalb die Herausnahme und Einführung der Blu-ray Hülle sich manchmal etwas fummelig herausstellt. Jede der beiden Volumes kommt mit einem gut 40 Seiten starken Booklet daher, die eine kurze Episodenübersicht, Charakterbeschreibungen, Artworks sowie Interviews enthalten. Die Interviews sind das eigentliche Highlight der Booklets, da viele beteiligte Akteure, von Regisseur Watanabe über Art Director Hidetoshi Kaneko bis zu den japanischen Synchronsprechern viele der im Produktionsprozess beteiligten Personen ihre Arbeit im Rahmen der Serie schildern.


Auf den Scheiben selbst ist mit vom Text befreiten Opening und Ending das Bonusmaterial vergleichsweise dünn.


Insgesamt bekommt man also für den Preis von 26,99 Euro pro Blu-ray, der in zwei Volumes erschienenen Serie einen ansprechenden Gegenwert für sein Geld.




+interessante Erzählperspektive, da die Protagonisten die Terroristen sind

+realistisches Setting mit vielen politischen Anspielungen und spannender Story

+in der Animationsqualität und der Bildersprache verdammt gut

+Preis/Leistungsverhältnis ist im Gesamtpaket spitze

-Lisa Mishima wirkt lange wie ein unnützer Charakter

-das Verhalten der Hauptprotagonisten wirkt lange widersprüchlich


Terror in Tokio ist eine klasse Serie, die für jeden Liebhaber von Thrillern zu empfehlen ist. Freunde von sozialkritischer Action und Spannung, welche sich nah am Zeitgeist befindet, und in der deutschen Fassung von Universum angemessen umgesetzt wurde, sollten diesen Release nicht außer Acht lassen.


 - Reziprok


Bei Interesse kann man Terror in Tokio als DVD und Blu-ray erwerben. Die Serie ist dabei in Vol. 1 mit 6 Episoden und Vol. 2 mit 5 Episoden gesplittet.


Andere Topnews

0 Kommentare
Schreib den ersten Kommentar!
Sortieren nach:
Hime-Banner

Teste die NEUE Crunchyroll BETA

Jetzt ausprobieren