Blu-ray Review: Dusk Maiden of Amnesia, Vol. 1

Geisterhafte Erscheinungen

Was geschieht mit unserer Seele nach dem Tod? Gelangen wir in den Himmel, die Hölle, werden wir wiedergeboren, wandeln als Geist umher oder entschwinden wir in Nichts? Kazé hat uns vor Kurzem mit Dusk Maiden of Amnesia einen Titel präsentiert, der sich der Geistertheorie annimmt und auf komödiantische Weise darlegt, was insbesondere liebeshungrige Geister nach ihrem Tod so anstellen. Wir haben einmal einen Blick in die erste Volume geworfen und sagen euch, ob sie einen Kauf wert ist…

 

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60 Jahre ist es her, dass Yuko einen grausamen Tod fand. Noch als Oberschülerin endete ihr Leben und fortan war sie gezwungen, als Geist durch die Gänge ihrer Schule zu wandern. Von Einsamkeit geplagt, weil sie niemand sehen kann, spielt sie den Leuten fortan Streiche und gönnt sich ihren Spaß mit den Schülern und Lehrern der Seikyo-Schule, was zur Bildung diverser Mythen führt. Ebendiese Mythen bringen eines Tages den junge Teiichi Niiya dazu, in einen verlassenen Teil der Schule zu kommen, wo er ebenfalls auf Yuko trifft – mit dem Unterschied, dass er sie sehen kann! Seine neue Bindung zum Paranormalen bringt Teiichi dazu, einen Club zu gründen, welcher sich der Erforschung übernatürlicher Ereignisse widmet, um herauszufinden, wie Yuko denn nun den Tod fand…

 

Yuko Kanoe

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Der Geist der Seikyo-Schule, welcher die Basis vieler Mythen wurde. Sie erinnert sich nicht an die Umstände ihres Todes und ist von Einsamkeit geplagt, da sie niemand wahrnehmen kann. Als sie auf Teiichi trifft, verliebt sie sich aufgrund ihrer Umstände sofort in ihn, ist jedoch zuweilen etwas aufdringlich. Gesprochen wird sie von Esra Vural (u.a. Haruka aus Senran Kagura) im Deutschen und Yumi Hara (u.a. Marielle aus Log Horizon) im Japanischen.

 

Teiichi Niiya

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Eine grundgute Seele, die sich der Aufgabe verschrieben hat, alles über Yukos Vergangenheit herauszufinden. Seine offene Seite macht ihn sehr beliebt bei den weiblichen Clubmitgliedern, auch wenn ihm Yukos Avance stellenweise zu viel werden. Seine deutsche Stimme erhält er von Amadeus Strobl (Goku aus Dragon Ball Kai), während Tsubasa Yonaga (u.a. Nagisa aus Free!) diese Aufgabe im Japanischen übernimmt.

 

Kirie Kanoe

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Als Großnichte von Yuko hat auch Kirie die Fähigkeit, ihren Geist zu sehen. Sie begegnet Yuko doch eher mit Abscheu und ist der Überzeugung, dass Geister grundsätzlich böse sind. In ihre Abneigung spielen außerdem ihre Gefühle für Teiichi hinein, welche bei ihr des Öfteren zur Eifersucht führen. Ihren emotionalen Zwiespalt bringen Josephine Schmidt (u.a. Saki aus Eden of the East) bzw. Eri Kitamura (u.a. Sayaka aus Madoka Magica) zum Ausdruck.

 

Momoe Okonogi

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Momoe zeigt mit Abstand des größten Enthusiasmus bei der Erforschung von Geistern – was primär daran liegt, dass sie sie nicht wahrnehmen kann. Sie sucht verzweifelt nach Beweisen für paranormale Ereignisse, übersieht jedoch gerne das Offensichtliche. Ihre Planlosigkeit interpretieren Charlotte Uhlig (u.a. Yuzuki aus Black Bullet) im Deutschen und Misato Fukuen (u.a. Saki aus Durarara!!x2) im Japanischen.

 

Es gibt viele Geschichten, in deren Mittelpunkt die Seelen Verstorbener stehen. Es gibt sie in den verschiedensten Facetten: düster, blutig, lustig, charmant. Manche legen den Fokus auf den Charakter des Verstorbenen und dessen Interaktion mit der Welt der Lebenden oder auch die daraus Einsamkeit durch ihre Ausgrenzung. Oder man schaut sich einen 90-minütigen mit feinster Horror-Splatter-Action an. So oder so, die Thematik der Geister wurde schon oft abgehandelt und es gibt wohl kaum eine Story, welche auf diesem Gebiet noch nicht behandelt wurde. Was macht Dusk maiden of Amnesia also sehenswert? Schließlich handelt sich auch hier „nur“ um eine weitere Erzählung einer verlorenen Seele, die nach Zuneigung durch Sterbliche sucht. Wieso sollte man sich hier die Zeit nehmen, eine weitere dieser Geschichten anzusehen, die doch wahrscheinlich auch nur in Richtung Caspar, der freundliche Geist gehen.

 

Nun, es ist besagte Richtung, die Dusk maiden tatsächlich relativ einzigartig machen: Der Anime beschränkt sich nicht auf eine Art der Darstellung, sondern zeigt, wie Geister von unterschiedlichen Menschen wahrgenommen werden. So kann eine Szene von jenen, die Paranormales fürchten, als furchterregend wahrgenommen werden…

 

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…während man als neutraler Betrachter erkennt, dass die Seele eines Verstorbenen nicht unbedingt bösartig sein muss.

 

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Doch exakt hier liegt die Stärke der Serie: Als Zuschauer wird man über Yukos wahren Charakter im Zweifel gelassen. Ist sie nur der gutgelaunte Geist von nebenan oder eine verbitterte Seele, die nach Rache sucht? Über den Verlauf der ersten Folgen wechselt die Serie mehrmals die Perspektive (und Darstellung) und man erlebt sowohl Teiichis vertrauenswürdige Sicht auf Yuko als auch Kiries skeptischen Blick auf den Geist ihrer Großtante. Durch den steten Wechsel bleibt man in unsicheren Gefilden und kann nur mutmaßen: Ist Yuko zu vertrauen oder sollte man sie exorzieren?

 

Doch ist Dusk maiden  keine bloße Horrorserie, sondern legt auch einen großen Fokus auf die Comedy. Ein Großteil der Serie lebt von den amüsanten Charakterinteraktionen und liefert dabei durchaus gute und sympathische Comedymomente. Diese brechen die düstere Stimmung angenehm auf und liefern auch manchmal eine angenehm simple Pointe für ein groß aufgebautes Mysterium.

 

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Leider liegt hier auch eine potenzielle Schwäche der Serie: Wer auf der Suche nach einem düsteren Mystery-Horror ist, sollte sich bewusst sein, dass man hier eine gute Portion Comedy dabei serviert bekommt und so gut Dusk maiden diese beiden Elemente vermischt, können einige der Mysterien mit ihren banalen Erklärungen sowohl lustig-plausibel oder auch als enttäuschend empfunden werden. So oder so bietet der Anime jedoch eine interessante Erforschung in die Psyche von Verstorbenen sowie die Weise, auf welche sie von der noch Lebenden wahrgenommen werden.

 

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Dusk maiden of Amnesia erschien im Frühling 2012 – kurze Zeit nachdem SHAFT mit der Monogatari-Serie und Madoka Magica durchstartete und dies sieht man dem Anime teilweise auch an. In mehreren Szenen erweckt es den Eindruck, als wollte Studio SILVER LINK auf den Hype-Train aufspringen und ihre eigene „kunstvoll dargestellte“ Serie produzieren.

 

So negativ dies auch klingen mag, so positiv sieht das Endergebnis aus: SILVER LINK hat hier weitaus mehr vollbracht als eine bloße Kopie SHAFTs abzuliefern und einiges an eigener Würze hinzugefügt. Nicht nur wurde der verzweigte Aufbau der Schule mit einer wunderbaren Mystery-Atmosphäre inszeniert, gerade das Licht- und Schattenspiel tragen zur unheimlichen Atmosphäre der Umgebung bei. Besonders die erste Folge sticht hier heraus mit ihrer sich in selbst spiegelnden Narrative, die mit nahezu denselben Animationen die innere Zwiespältigkeit der Serie genial darstellt.

 

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Auch der Sound fügt sich perfekt ins das Gesamtbild: Nicht nur überzeugen die Echos der verlassenen Flure und auch der Rest der Geräuschkulisse erfüllt den Zuschauer mit konstanter Unsicherheit, die Krone wird all dem noch durch einen fantastischen Soundtrack aufgesetzt, der durch wunderbar melancholische Klavierstücke das Mysteriöse der Serie perfekt unterlegt. Ergänzt wird dies durch einen Ohrwurm von einem Opening mit „Choir Jail“ sowie dem Ending „Calendrier“, welches dadurch heraussticht, dass es von einem Charakter onscreen vorgesungen wird.

 

Lediglich einige der Charakteranimationen wirken stellenweise recht vereinfacht und detaillos. Dies beschränkt sich meist jedoch eher auf einzelne Szenen und tut der generell guten Qualität der Serie keinen Abbruch.

 

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Bei Dusk maiden of Amnesia beglückt uns Kazé mit einer sehr guten Synchro, die nur einige geringe Schwächen aufweist. Das absolute Highlight stellt zweifelsohne Esra Vual als Yuko dar: Sie trifft sowohl ihre liebenswerte als auch ihre bedrohliche Seite perfekt und fügt sich enorm gut in die Thematik der Serie ein. Einen ähnlich guten Job liefert Amadeus Strobl als Teiichi ab, welcher dessen persönliche Unsicherheit sehr gut darstellt.

 

Leicht schwächer, jedoch immer noch gut sind die Performances von Josephine Schmidt und Charlotte Uhlig. Während Josephine Schmidt als Kirie stellenweise am leicht unnatürlich wirkenden Skript zu kämpfen hat (die wiederholte komplette Aussprache eines Namens klingt einfach unnatürlich im Deutschen), was in gelegentliches Overacting resultiert, wandelt Charlotte Uhlig auf einem dünnen Draht zwischen charmant und nervig mit Momoes Planlosigkeit. Während sie die meiste Zeit diesen Balanceakt sehr gut trifft, gibt es doch ein paar Situationen in denen es etwas zu sehr mit ihrer Überdrehtheit übertrieben wurde.

 

Das Skript an sich ist (bis auf besagt Ausnahme mit Kiries Aussprache von Teiichis Namen) sehr gut  geraten und hält sich nah an die japanische Vorlage. Die Untertitel halten sich derweil etwas näher an das japanische Original und sind bis auf ein paar verirrte, jedoch seltene Kommafehler und das (noch!) typische Kazé-Gelb sehr gut geraten. Negativ fällt lediglich auf, dass nicht sämtliche Episodentitel in deutscher Sprachausgabe und den Untertiteln auf dem Schirm identisch sind. Nichtsdestotrotz erwartet einen hier eine superbe Lokalisierung, welche bis auf kleinere Fehler ein sehr gutes Bild abgibt.

 

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Käufer der Limited Edition der ersten Volume bekommen hier einige schöne Dinge für ihr Erspartes: Neben dem obligatorischen Sammelschuber enthält das Blu-ray Case noch eine Leseprobe des Manga, eine Postkarte zur aktuellen Untertitelumfrage und eine Holokarte, welche Yuko sowohl in ihrer gruseligen als auch niedlichen Form zeigt (eine sehr gute Wahl!).

 

Das Highlight ist jedoch zweifelsohne das Tagebuch der Abteilung für Paranormales, welches beiliegt: Hier erhält man ein liebevoll gestaltete Booklet, mit Infos zu den Charakteren und den mysteriösen Ereignissen aus der Serie. Ein Extra, in das offensichtlich sehr viel Mühe floss und das auf jeden Fall eine Schmökerstunde wert ist.

 

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+Wunderbare Mischung aus Mystery, Horror und Comedy

+leicht surrealer Stil erzeugt sehr gute Atmosphäre

+sehr gute Lokalisierung

+Tagebuch als Extra mit sehr viel Liebe gestaltet

-geringe seltene Ausreißer nach unten in der deutschen Vertonung

-Nicht für Zuschauer geeignet, die entweder Horror ODER Comedy erwarten

 

Mit Dusk maiden of Amnesia hat Kazé eine mehrere Jahre alten Titel ins Land geholt, der auch heute noch mehr als sehenswert ist und diesem eine mehr als würdige Lokalisierung verpasst, die auch Dub-Agnostiker zufrieden stellen sollte. Wer auf einen guten Mix aus Horror und Comedy steht und nichts Exklusives in eine der beiden Richtungen erwartet, sollte hier bestens unterhalten sein.

 

   - kayserlein

 

Dusk maiden of Amnesia könnt ihr euch hier auf DVD und Blu-ray kaufen. Alternativ könnt ihr die Serie auch auf Anime-on-Demand streamen.

 

©MAYBE / SQUARE ENIX, Dusk maiden of Amnesia Project

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