Manga-Review. Dimension W Vol. 1

Unbegrenzte Energie für die Welt, doch Energie kann auch tödlich sein

„Im Jahre 2072 sind alle Versorgungsprobleme gelöst. Der Konzern „New Tesla Energy“ besitzt mit den „Coils“ den Schlüssel zu unendlicher Energie. Doch diese elektromagnetischen Spulen sind nicht nur die Quelle für Wohlstand und Reichtum, sie haben auch eine furchtbare Zerstörungskraft. In dunklen Kanälen blüht daher der Schwarzmarkt mit illegalen Coils. Als „Collector“ versucht Kyoma, diesen verbrecherischen Sumpf auszutrocknen. Doch als er dabei auf das Androiden-Mädchen Mira trifft, gerät er in den Besitz eines brandgefährlichen Geheimnisses.“


[via Kazé]


Energie ist das Problem unserer Tage. Unbegrenzte Energie zur Verfügung zu haben scheint doch alle Probleme zu lösen und gleich eine besser Welt hervor zu bringen.


Nicht ganz, schließlich ist Energie letztlich auch eine Waffe, weswegen es ein blühendes Geschäft mit illegalen Coils gibt, die keine Leistungsbeschränkungen haben. So wird schnell mal aus einer Wasserpistole eine tödliche Waffe. Um diesem Geschäft Einhalt zu gebieten, beauftragt die Firma vom Erfinder der Coils, New Tesla Energy, Collectors, die illegale Coils beschlagnahmen. Da sich illegale Coils meist nicht in der Hand rechtschaffener Bürger befinden, sind Collector meist kampferprobte Veteranen, die selbst Gangstern das Fürchten lehren. Kyouma Mabuchi ist einer von Ihnen.


Dimension W dürfte den Animefans durch die erst kürzlich in der Winterseason 2015 gelaufenen Serie geläufig sein. Passend zu dieser Veröffentlichung bringt Kazé nun die Mangavorlage raus, die der Mangaka Yuji Iwahara von 2011 an bei Square Enix veröffentlicht hat. Der Manga läuft zur Zeit noch und umfasst zur Zeit 10 Bände.


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Kyouma Mabuchi

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Der meist mürrische und verschlossene Kyouma hat eine dunkle Vergangenheit,wie sein ehemaliger Weggefährte Albert Schumann zum Ausdruck bringt, Dies stellt er unter Beweis, indem er es mit vielen Gegner aufnimmt, die alle besser ausgerüstet sind als er, der nur ein paar Nadeln als seine Waffe benutzt. Damit ist er komplett aus der Zeit gefallen, denn er verweigert sich der weitläufigen Benutzung von Coils. Mit seinem Benzinauto und keiner Ausrüstung mit Coils wirkt er wie aus der Zeit gefallen, doch er kann trotzdem seiner gefährlichen Arbeit als Collector nachgehen, wo er illegale Coils einsammelt und an New Tesla verkauft.


Mira Yurizaki

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Das Androiden-Mädchen wurde vom Erfinder der Coils, Shido Yurizaki, gebaut und zum Einkaufen geschickt. Aber nicht zum gewöhnlichen Einkaufen, nein, Sie soll illegale Coils besorgen, die sein Herz weiter schlagen lassen. Sie wirkt anders als andere Androiden viel menschlicher und zeigt deutlich ihre Emotionen, was bei Kyouma mit seiner Ablehnung von Technologie deutliche Irritationen sorgt. Sie ist sehr lebhaft und wegen ihrer Unerfahrenheit etwas naiv.


Looser

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Der Dieb ist vor allen Dingen durch seine Inszenierung bekannt, da er seine Diebstähle immer im Voraus ankündigt und den sich daraufhin sammelnde Publikum, dass den Raub live erleben will, mit spektakulären Aktionen unterhält. Seinen Spitznamen hat er erhalten, weil er bei seinen Raubzügen eigentlich immer scheitert. Wie konnte so eine Niete denn dann populär werden, denkt ihr euch. Nun ja, immerhin wurde er trotz allem Aufwands bis heute nicht gefasst...


Mary

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Mary ist die Chefin von Kyouma, der Sie nur Hexe nennt auf Grund ihrer durchaus strengen Art. Die eher füllige ältere Dame ist die Chefin der Collectors und hat einen Draht zu dem Auftraggeber, New Tesla Energy. Sie kennt Kyoumas Vergangenheit und versteht dessen Abneigungen gegen Coils, auch wenn Sie die nicht teilen kann.



Albert Schumann

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Albert Schumann ist Leiter des DAB, des Dimension Administration Bureau, eine Elite-Einheit der Firma von New Tesla Energy ist zuständig für die Untersuchung außergewöhnlicher Fälle. „Normale“ illegale Coils einzusammeln ist nicht unbedingt ihr Interessengebiet, das sie den Collectors überlässt. Albert hat mit Kyouma in der Vergangenheit in der selben Einheit gedient und respektiert ihn für seine furchterregenden Kampfkünste. Kyoumas Abneigung gegen die Verwendung von Coils empfindet er hingegen als lächerlich.


Shido Yurizaki

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Der Erfinder der Coils ist vor zwei Jahren spurlos verschwunden, nachdem seine Tochter und seine Frau umgebracht wurden. Dies geschah im Auftrag einiger Manager von New Tesla Energy, die sich Forschungsergebnisse aneignen wollten. Doch selbst die Entlassung der Verantwortlichen konnte seine Wut nicht besänftigen, weswegen er sich nun in der Schattenstadt versteckt.


In einer Zukunft im Jahr 2072, in der das für unsere Gegenwart dringendste Problem, die Energieversorgung aus umweltfreundlichen Energiequellen dank des Erfinders Shido Yurazaki gelöst wurde,müsste ja eigentlich eine tolle Utopie, eine bessere Welt sein, oder?


Nicht ganz, denn eine einzelne Firma, New Tesla Energy besitzt das Monopol auf die Herstellung der Coils, kleiner Kraftwerke im Miniaturformat, die ihre Energie aus der 4. Dimension "W" (neben X,Y und Z) beziehen, die unbegrenzt Energie liefern können. Wie jedes Monopol kreiert auch dieses seine Probleme, zum Beispiel die Tatsache, dass eine einzelne Firma mächtiger als die meisten Staaten wird. Deswegen kann sie sich es auch erlauben, eine ganze Branche aus dem Boden zu stampfen, sogenannte Collectors, die die unliebsame Konkurrenz der illegalen Coils vom Markt „drängt“. Eine private Firma handelt also wie eine Behörde, wie man auch beim DAB feststellen kann, das wie beinahe wie ein SWAT Team für New Tesla Energy operiert und dabei nicht zimperlich vorgeht.


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Die Beziehungsgeschichte ist vergleichsweise klassisch. Ein kampferprobter Veteran, gezeichnet von seiner Vergangenheit und mit seinen Eigenheiten, nimmt ein junges Mädchen an und bietet ihm eine Perspektive. Nur dass es sich in Dimension W um ein Androiden-Mädchen handelt, in dessen Gehirn sensible Daten über die Ermordung der Familie des Coil-Erfinders Shido Yurizaki befinden. Kyouma ist verständlicherweise nicht begeistert über die von Mary verordnete Aufnahme von Mira als eine Art Collector-Azubi, schließlich lehnt er den Einsatz von Coils strikt ab und ein Android benötigt die permanente Energieversorgung durch ein solches Gerät. Die daraus entstehende Reibung in ihrer Beziehung wird gut erzählt und schon im ersten Band bekommt man einige Hinweise darauf, dass die Vergangenheit beider Hauptcharaktere noch so einiges an Geheimnissen und traurigen Geschichten enthält.




Yuji Iwahara setzt in Dimension W auf einen recht individuellen Stil, in der die Charaktere von der Ausnahme Mira abgesehen sehr viel kantigere Gesichter und kleinere Augen haben als heutzutage üblich. Dadurch wirken sie recht individuell und gleichzeitig „erwachsener“. Leser, die den aktuellen Zeichenstil allmählich langweilig finden, dürfen sich auf eine nette Abwechslung freuen.


Die Gelegenheit, schöne und interessante Hintergrundbilder über die zukünftige Welt zu zeichnen wird aber nur partiell genutzt, dann aber mit einigen netten Ideen und dem Nachweis von Iwahara, ein guter Zeichner zu sein. Den Anklang einer Dystopie erreicht er vor allem dadurch, dass sich die meisten Szene in eher heruntergekommenen Gegenden abspielen.


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Anders als man es vielleicht in einem durchaus actionlastigen Manga erwarten würde, gibt es vergleichsweise wenig großflächige Panels zur Darstellung von Actionszenen und Panoramen. Der Mangaka konzentriert sich mehr darauf, den Ablauf der Bewegungen im Rhythmus der Panels zu zeichnen als viele Wow-Effekte mit großflächigen Zeichnungen zu erzielen. Dadurch wirken die wenigen großen Panels natürlich umso eindringlicher.



Übersetzerin von Dimension W ist Alexandra Klepper, die in Deutschland wohl vor allem durch ihre Arbeit an Junjo Romantica bekannt sein dürfte. Wie nicht anders zu erwarten, liefert eine erfahrene Übersetzerin gute Arbeit ab.


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Die japanischen Anredesuffixe wie -san, -chan und --kun werden nicht ins Deutsche importiert und es wird nur mit deutschen Anreden eine teilweise ähnliche Wirkung in der Darstellung der Beziehungen der Charaktere untereinander erzielt. Bei dem Einfügen der Sätze in die Sprechblasen fällt die leichte Tendenz auf, diese etwas oberhalb der Mitte der Blase zu platzieren. Außerdem fällt der großzügige Einsatz von Lautmalerei auf, die nicht nur auf unausgearbeitete Oberflächen aufgetragen werden.



Der Manga kommt im Format 12,8 cm mal 1,6 cm x 18,2 cm daher und wartet als hübsches Gimmick mit im Dunkeln leuchtenden Elementen der Zeichnung auf dem Cover auf. Kazé lässt sich auch nicht lumpen und fügt 8 Farbseiten hinzu, und dass zusätzlich zu dem ordentlichen Umfang von 192 Seiten Zeichnungen. Dazu fügt der Mangaka noch zwei Szenen hinzu, die in der Veröffentlichung in Magazinform nicht enthalten waren und die künftigen Entwicklungen beleuchten. Dazu kommt am Ende der Geschichte noch eine kurze Erklärung der Welt von Dimension W durch Mira.


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+spannende Zukunftswelt

+Erzähltempo im Band ist hoch

+tolle Chemie zwischen den Hauptcharakteren

-Kyouma ist ein recht mürrischer Hauptcharakter und nicht für jeden Geschmack


Dimension W ist eine vergleichsweise klassische Sci-Fi Geschichte, in der eine scheinbare Utopie sich nach und nach als Dystopie herausstellt. Getragen wird die Geschichte aber von einer guten Dynamik zwischen den Hauptcharakteren Mira und Kyouma, die die Abgründe der Welt und sich selbst aufdecken. Kurz gesagt ist der Manga empfehlenswert für jeden Genre-Fan, Fans des Anime und für Leute, die sich von der Beziehungsdynamik des Duos Kyouma und Mira angesprochen fühlen.


Den Eröffnungsband von Dimension W kann man direkt bei Kazé oder auch bei Amazon erwerben.


© 2012 Yuji Iwahara / Square Enix Co., Ltd.


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