Manga-Review: Übel Blatt Band 9

Rache ist ein einsamer Weg, oder nicht?

 „Wenn das Unfassbare geschieht, erwachen die Unbarmherzigen. Nach Glenns Tod sinnt sein fassungsloser Ritterorden auf Rache. Im ganzen Land schwärmen sie aus, um den Mörder ihres Herrn und Helden zu finden. Der Heldenmörder erreicht inzwischen das Fürstentum Jebr, wo ihn der Sevohleeaa-Klan aufnimmt. Obwohl sie um Keinzells frevelhafte Taten wissen, wehren sie sich gegen das sinnlose Blutvergießen. Sie haben sich Barmherzigkeit auf die Fahnen geschrieben, doch Keinzells Verfolger sinnen auf blutige Rache.“

[via Kazé]


Übel Blatt ist eine Seinen-Serie vom Mangaka Etorouji Shiono, die von 2004 an im Magazin Young Gangan publiziert wurde. Bis heute sind 18 Bände des Manga erschienen, die von Kazé nun auch nach und nach in Deutschland veröffentlicht werden. Der Mangaka ist nach dem Erfolg von Übel Blatt noch durch seine Manga Celestial Clothes und Kono Jinruiiki no Zelphy bekannt geworden.

 

Wir haben vor einiger Zeit bereits die ersten fünf Bänder der Reihe unter die Lupe genommen. Nun sagen wir euch, wie sich die Serie seitdem entwickelt hat.

 

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Das Unfassbare geschieht und einer der Sieben Lanzen, Fürst Glenn, wird vom Heldenmörder, dem Halbelf Keinzell, getötet. Doch warum hat es dieser auf die Lanzen abgesehen, die er scheinbar unaufhaltsam einer nach dem anderen ermordet? Und gibt es überhaupt einen Schwertkämpfer der diesem Rebellen gewachsen ist?

 

Keinzell


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Der Halbelf ist getrieben von Rache. Geboren wurde er unter dem Namen Ascheriit, unter dem er als Schwertmeister großen Ruhm erlangte, galt er doch als bester Schwertkämpfer des Reiches. Doch viel größer wurde seine Bekanntheit im Krieg gegen die Wischtech, als er mit 13 Mitstreitern mittels eines Angriffs den Krieg beenden sollte. Dummerweise trauten sich nur 4 der Krieger diesen Angriff zu Ende zu führen, die zurückgebliebenen 7 Kämpfer fürchteten sich vor der Beurteilung als Feiglinge und ermordeten die 4 siegreichen Streiter. Die Zurückkehrenden wurden von nun an die sieben Lanzen genannt und als Helden verehrt. Den eigentlichen Helden wurde Verrat vorgeworfen, weshalb von Ihnen nur noch als die betrügerischen Lanzen gesprochen wird. Doch Ascheriit hat überlebt und sinnt auf Rache an den von allen als Helden gefeierten Sieben Lanzen.



Ato


Die treue Begleiterin von Keinzell und Prinzessin eines Stammes im Grenzland übt mit ihm fleißig den Schwertkampf, um ihm auf seinen Rachefeldzug behilflich sein zu können. Ursprünglich verfeindet mit Keinzell, hatte sie akzeptiert, dass Keinzell ihren Bruder nach dessen Verwandlung in ein Monster nur als Akt der Erlösung tötete. Sie kleidet sich zumeist in Männerkleidung um ihren männlichen Vorbildern nachzueifern und keine Beweglichkeit im Kampf zu verlieren. Sie ähnelt ihrem Vorbild nach einer tödlichen Verletzung mehr als früher, weil sie nur durch dessen Blutspende überleben konnte und nahm deshalb einige seine Elfencharakteristiken an.

Ikfes


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Der als einfacher Mann von Fürst Glenn in seine Streitmacht aufgenommene Schwertkämpfer wird ständig von seinen Herren mit dem Adelsrang geködert, doch er interessiert sich nur für die Herausforderungen des Kampfes. So ist es nicht verwunderlich, dass der als weithin als stärkster Schwertkämpfer des Reiches erachtete sich vor allen Dingen an der Herausforderung Keinzell reibt, den er trotz jahrelangem Training unter der selben Lehrerin wie Ascheriit nicht besiegen konnte. Ehrgeizig und Rücksichtlos sucht er das Duell mit seiner Nemesis.


Fürst Rebelont

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Das Mitglied der Sieben Lanzen leidet ein wenig am mangelnden Selbstvertrauen. Er fühlt ich immer noch im Schatten des verstorbenen Fürsten Glenn und strebt nach mehr Macht, indem er dessen ehemaligen Gefolgsleute für sich gewinnt. Er ist enttäuscht, das ihm niemand die Ergreifung des Rebellen zutraut und ist hocherfreut, dass er Ikfes als angehender Schwertmeister als einen Gefolgsmann gewinnen konnte. Er macht sich jedoch einige Illusionen bezüglich dessen Treue...

 

Elseria

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Die Tochter vom Kurfürsten Arksard Rachankreb ist eine herrische und selbstbewusste Adlige Frau und als Ritterin des Ordens der Sieben Lanzen eine fähige Kämpferin . Sie ist seit ihrem Zusammentreffen mit Keinzell in Jalla Abblas nicht mehr davon überzeugt, dass der als Heldenmörder verschriene Rebell Keinzell per se böse ist. Sie hat erlebt, wie er bei dem Angriff auf die Stadt die Zivilisten verteidigte und ist nun zwiegespalten, wie sie zu seinem Tun und seiner Motivation stehen soll.

 

Dieser Band von Übel Blatt scheint nach dem dramatischen Tod von Fürst Glenn erst einmal Luft zu holen. Man begleitet Keinzell auf der Flucht in das Fürstentum Jebr, das vormalig dem Fürsten Glenn unterstand. Der Ritterorden der Sieben Lanzen versucht ihn einzuholen, wird aber vom missgünstigen Rebelont aufgehalten, der Ihnen nicht gestattet auf seinem Territorium Jagd auf den Rebellen zu machen. Der Leser bekommt nach und nach einen Einblick in das Fürstentum Jebr und seine tragische, durch Clankriege sehr blutige Vergangenheit. Diese durch Glenns Herrschaft nur mühsam unterdrückte Feindschaft droht nun wieder aufzubrechen, weswegen Keinzell als flüchtiger Rebell gar nicht so sehr beachtet wird wie gedacht. Er hat jedoch noch eine Schuld im Fürstentum zu begleichen und begibt sich auf die Suche nach einer Vergangenheit, die 20 Jahre zurück liegt.


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Auf seiner Reise durch einer so von Blutrache durchtränkten Gesellschaft wird Keinzell natürlich auf die Sinnhaftigkeit seines eigenen Rachefeldzugs angesprochen. Schließlich ist sein Verhalten ja widersprüchlich, ursprünglich als Held und Beschützer des Volkes vor den Wischtech ausgezogen, widmet er sich nun einzig allein der Rache an den Sieben Lanzen. Doch die sind nun integriert in die Herrschaftsordnung des Reiches und sorgen mit ihrer Anwesenheit für Ordnung. So ist der brüchige Friede durch Glenn's Tod in Jebr bedroht, einzig und allein weil Keinzell Rache für den Verrat an seinen Kameraden üben wollte. Ist seine Vergeltung für sein Leid tatsächlich wichtiger als der Schutz unschuldiger Leben, die in den Clanunruhen nun ums Leben kommen werden? Ist die Beseitigung des Unrechts Opfer unter der Zivilbevölkerung Wert?

 

Aber auch die Frage nach Loyalität wird gestellt. Denn der ebenfalls nach Rache für ihren verstorbenen Herrn strebenden Ritterorden der Sieben Lanzen wird von Rebelont auf die Probe gestellt. Um auf seinem Territorium dem Rebellen nachstellen zu dürfen, verlangt er ihre Gefolgschaft. Doch erlaubt ihre Loyalität zu dem verstorbenen Fürsten überhaupt einem neuen Herren zu dienen? Und was wird bei ihrer Jagd aus den Untertanen Fürsten Glenns, die ob der Unsicherheit der Nachfolge und der fehlenden ordnenden Hand des Fürsten drohen dem Chaos anheim zu fallen?

 

 

Etorouji Shiono zeichnet Übel Blatt entgegen der klassischen Genrekonventionen. Der Hauptcharakter Keinzell ist geradezu klassisch Bishounen - sehr ungewöhnlich für eine Fantasy-Serie. Dessen männliche Kontrahenten wirken schon deutlich passender in dem Actiongeladenen Umfeld, weil sie in ihren Konturen, auch im Gesicht, sehr kantig wirken. So bekommt man schnell den Eindruck, dass jeder männliche Charakter eine Art Bösewicht darstellt, da er im Vergleich zur weiblichen Hälfte und dem Helden dermaßen unsympathisch wirkt. Diese Logik wird auf den ersten Eindruck meist bestätigt, wird aber im Laufe der Geschichte durchbrochen, zum Beispiel bei Geranpen.


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Auffällig ist die doch recht spärliche Verwendung von großformatigen Panels. Es wird sehr stark versucht mittels der Abfolge der Panels einen Rhythmus ähnlich wie Kameraeinstellungen beim Film zu erzeugen. Das gilt insbesondere für die Präsentation von Schauplätzen, in der zum Beispiel ein Schloss nicht großflächig in der Totalen gezeigt wird, sondern immer kleinere Einheiten wie der umgebende Wald, dann das Schlossportal und erst im letzten Schritt eine Totale des Schlosses gezeichnet wurde. Diese Totale ist aber nicht als ganzseitiges Bild zu haben, sondern ist trotz der sehr feinen Zeichnungen und bisweilen für ein so kleines Bild überraschende Detailgenauigkeit in kleine Panels gequetscht. Dadurch hat die Umgebung nicht den großen Wow-Effekt, fühlen sich aber natürlicher eingebettet an und die Aufmerksamkeit wird sehr gut in eine bestimmte Richtung eines Bildes gelenkt, insbesondere bei der üblicheren Verkehrung der Bildfolge, in der von der Totalen auf ein bestimmtes Detail „gezoomt“ wird.


Etwas irritierend ist die unregelmäßige Verwendung von Hintergründen in den Panels. Selbst in offenkundig etablierten Szenen mit einer entsprechenden Umgebung werden in einigen Panels die Umgebung als Hintergrund wiedergegeben und mal nicht. Nicht immer hat das stilistische Gründe, um die Interaktion der Charaktere besonders hervor zu heben. Zwar ist es verständlich im Kontext der sehr tollen Zeichnungen und der Zeit- und Kostenersparnis einer zeitweiligen Vermeidung der aufwändigen Hintergründe im Rahmen einer solchen Publikation, ist aber dennoch ein wenig gewöhnbungsbedürftig. Trotzdem befindet sich der Manga auf einen hohem Niveau, was die optische Qualität angeht.

 

Interessant ist zudem die vergleichsweise sexualisierte Darstellung der weiblichen Charaktere, die durchaus häufiger mal Haut zeigen. Dadurch kann etwas der Eindruck entstehen, dass die Keinzell umgebenden Frauen und Mädchen eine Art Harem bilden, auch wenn die in dem Genre übliche Interaktion mit sexueller Konnotation weitestgehend ausbleibt.



 

Übersetzerin von Übel Blatt ist Antje Bockel, eine erfahrene Übersetzerin die bereits zahlreiche Manga übersetzt hat, von der Reihe X, She – the ultimate weapon bis hin zu Magister Negi Magi. Die Übersetzung liest sich sehr flüssig und die Texte selbst sind kontinuierlich zentral in die Sprechblasen eingefügt, was Sie in meinen Augen angenehm lesbar macht.

 

Angenehm ist die Verwendung der Lautmalerei, die sehr fokussiert auf die Actionszenen verwendet wird, dort aber vergleichsweise großzügig. Dadurch wird es mittels Gewöhnung des Lesers an dieses Stilmittel möglich, dass man nur Lautmalerei verwenden muss in Verbindung mit ein paar schmalen Linien, um einen Kampf zu implizieren.



 

Der Manga wurde von Kazé im Format 12,8 cm mal 18,2 cm produziert und umfasst 200 Seiten. Darin enthalten eine farbige Seite, die zwei der im Band vorgestellten Protagonisten abbildet und auf der Rückseite das Inhaltsverzeichnis vor einer Abbildung von Keinzell enthält. Als nettes Gimmick werden 3 Seiten mit einer Zusammenfassung der Geschichte des Fürstentums Jebr beigefügt, wie auch schon in den anderen Bänden von Übel Blatt ähnliche Einträge zu Schauplätzen und Charaktere die Welt von Übel Blatt erläutern.

 

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+interessante Fragestellungen an den Hauptcharakter

+komplexe Welt mit viel Geschichte und Akteuren

-dieser Band enthält eher eine Nebengeschichte als die Hauptgeschichte weiter zu erzählen

 

Generell ist Übel Blatt jedem Fantasy-Fan zu empfehlen, erst Recht wenn er einen hohen Anteil an Schwertkämpfen zu schätzen weiß. Dieser Band krankt etwas an dem etwas unwichtigerem Charakter der Geschichte im Rahmen der Haupthandlung, bietet aber eine gute Portion an interessanten philosophischer Fragen und ist ein guter Auftakt für die sich anbahnende Schlacht zwischen Keinzell und Rebelonts Truppen.

 

Den neunten Band von Übel Blatt kann man direkt bei Kazé oder auch bei Amazon erwerben.

 

© 2009 Etorouji Shiono / Square Enix Co., Ltd.


 


- Reziprok


Sämtliche Aussagen dieser Rezension reflektieren lediglich die Meinung des Autoren und nicht die von Crunchyroll und seiner Partner.


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