Ersteindruck: hitorinoshita - The Outcast

Wenn die Toten zum Leben erwachen

Ein alter Friedhof, gruselige Zombies und eine mysteriöse junge Frau - wenn das mal nicht nach viel Spannung, Action und Mystery klingt! Mal schauen, ob die erste Folge diesen Erwartungen auch gerecht werden kann.


Eigentlich ein normales Studentenleben führend, entscheidet sich Zhang Chulan während der Ferien das Grab seines Großvaters in einem kleinen abgelegenen Dorf zu besuchen. Dort angekommen, wird er allerdings schnell mit der Realität konfrontiert, dass ein Grabschänder den ganzen Friedhof umgewühlt, und zu allem Überfluss auch noch die Leiche Zhang Xilins, des Großvaters, mitgenommen haben soll. Weiterhin erfährt er durch den Polizisten von einer jungen Frau, welche ebenfalls zu Xilins Grab wollte und sich als seine Enkelin ausgab.



Nicht viele Gedanken an eine logische Herangehensweise verschwendet, macht sich Chulan sofort zum Friedhof im Wald auf, um das Grab zu richten. Dort ertappt er den vermeintlichen Grabräuber - wie sich herausstellt eine junge Frau - auf frischer Tat und schießt ein Beweisfoto. Unglücklicherweise bemerkt sie ihn auch, woraufhin Chulan schleunigst die Flucht ergreift. Doch entgegen der Erwartungen ist sie recht athletisch und schlägt ihn im Sprung spatenschwingend zu Boden.


Als er wieder zu sich kommt, zerrt ihn die mysteriöse Frau zurück Richtung Friedhof, wo sie Chulan in ein leeres Grab wirft. Beim Versuch mit ihr zu verhandeln, stellt sich schnell heraus, dass sie sich als Zhang Xilins Enkelin ausgegeben hatte. Doch während Chulan noch darüber nachdenkt, ob er nun plötzlich eine große Schwester erhalten hat, gibt sie ohne große Umschweife zu, Pass und Identität gefälscht zu haben und macht sich sogleich daran, Chulan mit Erde zu bedecken.



Protagonist Chulan scheint leider nicht der hellste Stern am Firmament zu sein. Statt irgendeine Art von Fluchtversuch zu starten, setzt er sich lieber auf den Boden des rund einen Meter tiefen Grabes und wartet ab, wie Baobao, so heißt die geheimnisvolle Fremde, ihm nach und nach Erde auf den Leib wirft. Sicher, ein Spaten wirkt schon einschüchternd, aber statt zu wimmern könnte er ja zumindest versuchen, aus dem Grab zu springen und wegzulaufen oder ihr das Gerät zu entreißen.


Glücklicherweise scheint das Schicksal noch andere Pläne für Chulan zu haben, denn bevor Baobao ihr Werk vollbringen kann, kommt eine ganze Horde von Zombies aus den umliegenden Gräbern gekrochen, wodurch sich nun auch die Frau in Bedrängnis sieht. Doch ist sie deutlich weniger hilflos als Chulan, zieht ein Messer und zerstückelt damit in coolen Action-Moves die Untoten. Chulan hält das Ganze hingegen für einen Traum und schreit dies auch laut hinaus. Doch die Serie beweist einen gewissen Sinn für Comedy, stoppen Baobao und die Zombies doch, sich gegenseitig umzubringen, um kurz Chulans Nonsens zu lauschen.



Während Chulan also auch hier nicht die Flucht ergreift und stattdessen neues Angriffsziel der Zombies wird, scheint sich Baobao noch nicht so ganz sicher zu sein, welche Rolle sie in dieser Serie eigentlich spielen soll. Nachdem sie Chulan erst lebendig begraben wollte, weil er ihr einfach im Weg war, entschließt sie sich nur wenige Minuten später, ihn vor den wandelnden Leichen zu retten. Doch nachdem sie ein paar davon in ihre Einzelteile zerlegt hat, scheint ihr die Lust vergangen zu sein. Sie verlässt den Friedhof, als wäre nichts gewesen, und überlässt Chulan nun doch seinem Schicksal...


Im Anschluss an diese Ereignisse trifft sich die junge Frau mit ihrem Partner und berichtet diesem von den Vorkommnissen. Während dieser erschrocken ist, dass Baobao den Enkel Xilins einfach zurückgelassen hat, macht sich diese keine großen Sorgen um den Studenten und meint, dass er schon nicht so schnell sterben würde. Und siehe da, sie behält Recht, Chulan kann wieder wohlbehalten zur Universität zurückkehren. Dort muss er allerdings mit Schrecken feststellen, dass Baobao, nun mit neuer falscher Identität, die Uni ebenfalls besucht. Ein aufregender neuer Abschnitt in Chulans Leben beginnt.



Doch wo ist jetzt eigentlich die Leiche des Großvaters und warum will sie jeder haben? Dies bleibt noch größtenteils im Dunkeln und lässt viel Raum für Spekulationen zu. Zumindest haben die letzten Szenen uns noch einige zwielichtige Gestalten präsentiert, welche damit in Zusammenhang stehen und wohl die Antagonisten werden werden.


Die Animationen sind ihrem Zweck dienlich. Einen Preis für Detailreichtum gewinnen sie zwar sicherlich nicht, doch gibt es auch nichts, was zu kritisieren wäre. Ähnlich verhält es sich mit der Musik, wobei die Titelmelodie völlig in Ordnung ist. Allerdings zeigen die Animationen des Openings auch, worauf sich der Zuschauer bei dieser Serie wohl einstellen kann und das sind Kämpfe, ausgetragen mit irgendeiner Art von Superkräften. Wer auf einen düsteren Horrorthriller gesetzt hat, ist hier also leider falsch.



Auch der Humor zündet nicht immer, wobei das wohl persönliche Präferenzen sind. Auf der anderen Seite gibt es allerdings auch einige unfreiwillig komische Momente, wobei ich mir über deren Charakter noch nicht ganz im Klaren bin. Vor allem Chulan ist so stumpf, dass es einem schon fast so vorkommt, als ob er alle Möglichkeiten abwägt, nur um dann die dümmste davon auszuwählen. Ob es sich dabei um einen Versuch handelt, Lacher zu generieren oder man sich bei seinem Charakter einfach wenig Mühe gegeben hat, wird sich in den nächsten Folgen zeigen.


Wem würde ich diesen Anime also empfehlen? Das ist eine schwierige Frage, denn zumindest meine Erwartungen einer fesselnden Geschichte und düsteren Atmosphäre wurden hier verfehlt. Stattdessen scheint sich die Serie eher in die Richtung Action und Superkräfte entwickeln zu wollen, weshalb ich am ehesten Fans dieser Genres zu dem Anime raten würde. Da von den Superkräften bislang aber nicht mehr als eine Menge Blitze am Nachthimmel zu sehen war, lassen sich auch diese Qualitäten vorerst nur vermuten. Zumindest sollte es der Serie bei diesem großen Steigerungspotential aber nicht schwer fallen, sich über die nächsten Folgen hinweg zu verbessern, Fahrt aufzunehmen und seine eigentlichen Stärken besser auszuspielen.

 

  • Saezurigai

 
Sämtliche Aussagen dieser Rezension reflektieren lediglich die Meinung des Autoren und nicht die von Crunchyroll und seiner Partner.
 
hitorinoshita - The Outcast könnt ihr hier im Simulcast sehen.
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