Blu-ray Review: Der Junge und das Biest (+Gewinnspiel)

Das Leben gibt dir den Lehrmeister, den du brauchst

„Kyuta ist ein einsamer und elternloser Junge, der im Tokioter Stadtteil Shibuya umherstreunt und in den Tag hinein lebt. Doch eines Tages betritt er versehentlich das fantastische Bakemono-Reich „Jutengai“, das von Tiermonstern bevölkert wird. Verloren und auf der Suche nach einem Weg zurück trifft er auf den bärenartigen Schwertkämpfer Kumatetsu. Trotz seines wilden Aussehens ist dieser dem kleinen Jungen freundlich gesonnen uns nimmt sich seiner an. Doch als es Kyuta eines Tages zurück in seine Heimat verschlägt und er dort das Mädchen Kaede kennenlernt, fühlt er sich zunehmend zwischen den beiden Welten hin- und hergerissen … “


[via Universum Anime]


Mamoru Hosoda ist seit seinem Film Das Mädchen das durch die Zeit sprang nicht mehr von der Landkarte der Filmemacher im Animegenre weg zu denken. In seinem sechsten Film kommt er nun zu seinem größten Erfolg mit dem von ihm gegründeten Studio Chuzu, dass er 2011 nach seinem Verlassen von Madhouse gegründet hat. Der Film war der kommerziell zweiterfolgreichste in Japan im Jahr 2015 und erlöste mehr als 5,8 Milliarden Yen, was ihn zum mit Abstand erfolgreichsten Film seines Schaffens macht.




Der Ausreisser Ren schlägt sich nach dem Tod seiner alleinerziehenden Mutter durch den Moloch Tokios. Er überlebt mit Müh und Not, bis er eines Tages vor der Polizei flüchtet und dabei einem seltsamen Mann folgt, der in einer extrem engen Gasse verschwindet. Ren folgt ihm, und findet sich in Jutengai wieder, das von allerlei Sagengestalten und Tiermonstern bevölkert wird.


Ren/Kyuta


Der von Komatetsu Kyuta getaufte Ren ist ein Waisenkind, das seinem Vormund weggelaufen ist. Er ist sehr bockig, will sich seine Einsamkeit nicht eingestehen und ist sehr vorlaut. Dennoch ist er sehr wissbegierig und lässt sich nicht von in seinem Dickschädel gefassten Plänen abbringen. Seine von kindlicher Neugier und Abenteuerlust gezeichnete Stimme wird von Aoi Myazaki (u.a. Hana aus Ame & Yuki) in der japanischen und von Luisa Wietzorek (u.a. Jinta Yadomi aus Anohana) in deutschen Fassung Ausdruck verliehen. Seine reifere jugendliche Stimme bekommt durch Shota Sometani im Japanischen und von Christian Zeiger (u.a. Yuuki Hase aus One Week Friends) im Deutschen seinen richtigen Klang.



Kumatetsu


Der Bär ist ein Einzelgänger wie er im Buche steht. Er kommt partout nicht mit seinen Mitmenschen klar und ist dementsprechend unbeliebt, obwohl er einer der zwei besten Kämpfer in Jutengai ist. Das hat er sich aber alles selbst beigebracht, Seine Ausbrüche werden im Japanischen von Yakusho Koji (u.a. Dr. Tenma aus Astro Boy) ausgedrückt, Matti Klemm (u.a. Ratio aus Hamatora) sorgt für die deutsche Intonation.



Kaede


Die sehr strebsame Kaede ist eine Musterschülerin. Das ist Sie zunächst wegen des Drucks aus ihrem Elternhaus, jedoch erhofft sie sich später als Erwachsene dadurch ihre Freiheit zu erlangen. Ihr intelligente und nachdenkliche Art wird stimmlich durch Suzu Hirose im Japanischen und von Lina Rabea Mohr (u.a. Naruko Anjou aus Anohana)im Deutschen zum Ausdruck gebracht.



Hyakushuubou


Der Mönch ist das stabilisierende Element in der Clique rund um Kumatetsu. Nicht sonderlich eng mit ihm befreundet, ist der stets Gelassene der Einzige, der das überschäumende Temperament etwas einzubremsen vermag. Die klare Stimme von Lily Franky in der japanischen Sprachausgabe und von Alexander Doering (u.a. Ninzaburou Shiratori aus Detektiv Conan) in der deutschen Fassung verleihen ihm die richtige Persönlichkeit.


Tatara


Der um keinen Spruch verlegene Tatara ist wohl der einzige Freund von Kumatetsu. Der bestärkt ihn in seiner Eigenwilligkeit, bewundert er Kumatetsu doch wegen seiner Stärke, die er sich völlig allein angeeignet hat. Stets pessimistisch und skeptisch sieht er keine Chance für Kyuta seine Lehrzeit bei Kumatetsu durchzuhalten. Seine Stimme bekommt durch Yo Oizumi (u.a. Ki-Kima aus Brave Story) im Japanischen und von Tobias Lelle (u.a. Takao Shibuya aus Perfect Blue) in der deutschen Sprache einen schnippischen Touch.



In Jutengai angekommen, wird Ren schnell von Kumatetsu als Schüler aufgenommen, ist der doch darum bemüht sich Anerkennung im Kampf um die Nachfolge des Großmeisters. Doch das Zusammenleben mit dem Bären gestaltet sich schwierig, weil Kumatetsu wenig umgänglich ist und bei seinen Lehrmethoden einen rein praktischen Weg einschlägt. Schließlich kann er kaum seine Methoden erklären, denn diese hat er sich ganz natürlich nur aus sich selbst entwickelt. Dennoch rauft sich das ungleiche Paar zusammen, bis der älter gewordene Kyuta nach langer Zeit der Lehrjahre unter Kumatetsu wieder seinen Weg in die Menschenwelt findet. Und die enthält Verlockungen, die ihn Jutengai und Kumatetsu so nicht bieten können. Bücher, Schulen, Mitmenschen und Frauen. Am drängendsten ist aber sein Wunsch raus zu finden, wo sein leiblicher Vater steckt und warum er sich damals nicht um Ren gekümmert hat.


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Der Junge und das Biest packt gerne große, emotionale Themen an. Die Frage, wer unsere Vorbilder und Lehrmeister sind und wie diese unseren Pfad im Leben mit ihrer Führung ebnen und vorbestimmen ist ein bekanntes Thema in der Literatur- und Kinogeschichte. Doch irgendwann wird man erwachsen und muss seine eigenen Entscheidungen treffen und sich vom Lehrmeister lösen. Aber auch die nagende Unsicherheit, seine Herkunft und dadurch seine Position im sozialen Gefüge und seine Bestimmung nicht zu kennen, wird mit dem Zuschauer zusammen entdeckt.


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Kenner des vorherigen Films von Hosoda werden einige Parallelen mit Ame & Yuki: Die Wolfskinder bemerken, geht es auch in diesem Film um das Heranwachsen und Aufziehen von Kindern. Der Junge und das Biest wird jedoch anders erzählt, aus einer Schüler-Lehrer Perspektive, die mit ihren männlichen Untertönen aus dem Kendo-Wettbewerb sehr stark auf eine Vater-Sohn Geschichte heraus läuft. In Zeiten, in denen die alleinerziehende Mutter ein allzu übliches Phänomen ist, müssen heranwachsende Jungen sich männliche Rollenvorbilder außerhalb der Familie suchen, eine Thematik, die in dem Film angesprochen wird. Gleichzeitig gehört zum Erwachsenwerden jedoch auch die Abnabelung vom Vorbild und Lehrmeister, wo Der Junge und das Biest ein sehr schone Geschichte zu liefert, da das Ende eine gute Metapher für den dennoch bleibenden Einfluss der Vaterfigur bietet.


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Problematisch ist jedoch bisweilen die eher mangelhafte Ausarbeitung eben dieser Vater-Sohn Beziehung. Auch wenn die ständigen Streitereien und Hahnenkämpfe zunächst amüsant sind, ist die Beziehung von Kumatetsu und Kyuta zu wenig von einer Entwicklung gekennzeichnet. Selbst der jugendliche Ren hat zu seinem Lehrmeister die selben vorlauten Bemerkungen und Auseinandersetzungen wie sein jüngeres Pendant. Das ist ein wenig Schade angesichts der durchaus spürbaren Beziehungsdynamik.


Mir als Reviewer sauer aufgestoßen ist jedoch die Hintergrundgeschichte des sich als Bösewicht herausstellenden Nebencharakter, die wenn man es in diese Richtung interpretieren möchte, zu dem Schluss kommen kann, dass Hosoda adoptierten Kindern auf Grund von mangelndem Wissen um ihre Herkunft ein emotional kaum lösbares Problem andichtet. Dafür muss man jedoch etwas böswillige Gedanken hegen, um zu diesem Schluss zu kommen.


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Ein weiteres kleines Manko, das aber dem subjektiven Geschmack unterliegt,ist die manchmal zu häufig auftretende Aussprache des Offensichtlichen. Insbesondere die Nebencharaktere Hyakushuubou und Tatara werden zu diesem Zweck missbraucht.


Insgesamt muss man den Film loben. Auch wenn ich hier einige Mankos aufgezählt habe, ist Der Junge und das Biest ein kurzweiliger Film, der in seinen Kernelementen einer Coming of Age-Geschichte hervorragend funktioniert.

 


Der Junge und das Biest kommt in seiner Blu-ray Fassung von Universum mit folgenden technischen Spezifikationen:


  • Format: 1,85:1

  • Auflösung: 1080p

  • Ton: Deutsch und Japanisch (DTS-HD 5.1)

  • Untertitel: Deutsch


Dass Studio Chizu mit Der Junge und das Biest erst den zweiten Film seiner Geschichte herausgebracht hat, ist visuell nicht zu erkennen, einfach weil die Farbenpracht, der Detailreichtum der Hintergründe und die Flüssigkeit der Bewegungsanimation herausragend ist. Man kann sich in den Details der Stadt Tokio, aber auch der Farbenpracht von Jutengai verlieren. Alleine die Anfangssequenz, in der die um die Nachfolge des Großmeisters rivalisierenden Iozen und Kumatetsu vorgestellt werden, brilliert mit einer Animation der Charaktere als Flammen, deren Feuer täuschend echt aussieht.


Die Farbwahl wird ebenfalls sehr gut eingesetzt: So wird das moderne Tokio mit vielen grauen und gedämpften Farben gezeichnet, während das schon dank seiner Tiermonster interessantere Jutengai mittels vieler kräftiger Farben viel fröhlicher und lebendiger wirkt.


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Einziges Manko kann für einige Zuschauer der eigenwillige Stil von Hosodas Charakterdarstellung sein. Menschliche Gesichter sind gemessen an der Umgebung und den Monstern recht simpel gezeichnet, mit wenigen dünnen Linien. Diese Simplizität steht aber für eine sehr starke Konzentration auf die Übermittlung einer Botschaft, nämlich der Emotionen des Charakters, die deswegen sehr leicht abzulesen sind.


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Die Musik für den Film entstand unter der Federführung von Masakatsu Takagi, der bereits mit seinem Beitrag für Ame & Yuki: Die Wolfskinder und der Ghibli-Dokumentation Kingdom of Dreams and Madness einige Anerkennung erwarb. Die Musik für Der Junge und das Biest kennzeichnet sich durch eine interessante Mischung aus fröhlichen und melancholisch-traurigen Stücken für die Hintergrundmusik.



Universum liefert mit der Synchronisierung von Der Junge und das Biest die von dem Publisher gewohnte gute Arbeit ab.


Das kommt zustande, indem man einen passablen Cast an bekannten Sprechern zusammen stellt, der bekannteste dürfte Matti Klemm sein, dessen Timbre jedem Zuschauer des Senders Kabel1 als Promoter geläufig sein müsste. Das allein macht aber keine gute Synchronisierung aus, muss doch die schauspielerische Leistung der Stimme passen, und die liefert dem Seherlebnis keinen Abbruch und kann sich mit der japanischen Fassung messen.


Natürlich wird in den meisten Synchronisationsstudios auf die passende Klangfarbe der Sprecher geachtet, es gibt aber immer wieder Abweichungen der Stimmprofile. So auch hier, was jedoch nicht zwingend negativ ist. Kumatetsu hat im Japanischen dank Yakusho Koji einen tieferen Bass, der aber seine Stimme auch sanfter erscheinen lässt als Matti Klemms Interpretation, die zwar nicht ganz so volltönend ist, dafür aber rauer gesprochen wird und so eine ähnliche Wirkung beim Zuschauer erzielt. Tatara hat im Deutschen dank Tobias Lelle eine hellere Stimme, die er aber dazu nutzt frecher rüber zu kommen als sein japanisches Pendant. Bei Kyuta als Teenager muss man dem Studio sogar ein Kompliment machen, weil Christian Zeiger eine hellere Stimme hat, die schon eher dem Alter entsprechend ist und sich noch nicht ganz so erwachsen anhört, wie das bei Shota Sometani der Fall ist, der zwar ein bekannter Schauspieler, aber nicht unbedingt passend besetzt ist.


Die restlichen Sprecher sind in ihren aber Rollen so genau getroffen worden, dass man teilweise zweimal hinhören muss, um einen Unterschied zu bemerken.


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Universum verwendet für seine Untertitel die geläufigere Farbe weiß. Die Übersetzung in der Synchronfassung unterscheidet sich äußerst wenig von der in den Untertiteln, was von der Detailarbeit der Übersetzerin Nora Bartels zeugt. Es gibt jedoch in meinen Augen ein paar Probleme bei der Einblendung bzw. Ausblendung der Texte. Diese werden für meinen Geschmack für das Lesetempo langsamerer Leser hier und da zu schnell gewechselt, was den guten Gesamteindruck etwas trübt.


Universum überzeugt bei der Lokalisierung von Der Junge und das Biest mit einem guten Gesamtpaket, das wohl auch den größten Fan von Subs von der Synchronfassung überzeugen wird. Getrübt wird der tolle Eindruck von der manchmal zu hektischen Choreografierung der Untertitel



Universum liefert Der Junge und das Biest in einer Amaray Hülle und stattet die uns zur Verfügung gestellte Blu-ray mit einer Trailershow anderer Anime von Universum aus. Der Umfang an Extras ist also nicht sehr groß, da man sich diese wohl für die Collector's Edition aufgehoben hat. Diese enthält ein Booklet mit Interviews und Filmguide, TV-Teaser und Trailer, Making of, ein Web-Movie und Postkarten.

 


+tolle Animation

+gut erzählte Coming of Age-Geschichte

+hohe erzählerische Dichte...

-die manchmal die Eindrücke nicht lang genug wirken lässt

-unbefriedigend erzählte Beziehungsentwicklung zwischen Kyuta und Kumatetsu


Der Junge und das Biest ist der Beweis, dass trotz der Pause der Filmproduktion des Studios Ghibli immer noch qualitativ hochwertige und für jeden zugänglichen Familienfilme heraus gebracht werden. Zwar kann dieser Film nicht ganz an die erzählerische Qualität anderer Hosoda-Filme heranreichen, ist aber in Punkto Animation das beste von eben jenem Regisseur. Wer einen tollen Film für einen netten Abend mit Familie und Freunde, auch Anime-Skeptiker, erleben will sollte auf jeden Fall zugreifen.


Der Junge und das Biest kann man bei Amazon bestellen.


© ProjectThe Boy and the Beast Film Partners


Sämtliche Aussagen dieser Rezension reflektieren lediglich die Meinung des Autoren und nicht die von Crunchyroll und seiner Partner.


- Reziprok


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Bei einem so großen Namen wie Mamoru Hosoda braucht man natürlich ein entsprechend großes Gewinnspiel. Sowohl Universum als auch Tokyopop waren daher so freundlich, uns ein dickes Der Junge und das Biest-Paket für euch zur Verfügung zu stellen. Näheres dazu findet ihr im folgenden Facebook-Post, über den ihr teilnehmen könnt:

 

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