Blu-ray Review: Prison School, Vol. 1

Ab ins Kittchen

Manch einer behauptet ja, die Schule wäre ein Gefängnis. Man ist für mehrere Stunden gefangen und wird durch langweiligen Unterricht gefoltert. Stellt euch nun allerdings vor, die Schule wäre ein richtiges Gefängnis … Genau diesem Gedanken folgt der Anime Prison School, in dem fünf junge Männer versuchen aus einem solchen Schulgefängnis zu entkommen. Schafft es der Anime, einen zu fesseln?

 

h

 

Ein Traum wird wahr für die fünf Jungs Kiyoshi, Andre, Shingo, Joe und Gakuto: Sie sind die einzigen männlichen Schüler an ihrer neuen Schule. Natürlich wollen sie sich gut mit dem weiblichen Geschlecht verstehen, nur scheinen die Mädchen sie leider zu ignorieren. Kiyoshi schafft es als einziger durch ein Missverständnis mit der netten Chiyo ins Gespräch zu kommen und verabredet sich mit ihr zu einem Date. Die anderen Jungs kommen später auf die Idee, die Mädchen zu bespannen, wobei sie erwischt werden, doch Kiyoshi schafft es zu flüchten. Unglücklicherweise trifft er dabei auf die Vorsitzende des geheimen Schülerrates, die ihn prompt mit den anderen einsperren lässt. Die Fünf sollen als Strafe einen Monat in Einzelhaft verbringen, was das Date von Kiyoshi gefährdet, also fasst er den Entschluss auszubrechen.


Kiyoshi Fujino

cd73c60f86.jpg

Der Protagonist der Serie, welcher an sich ein netter Typ ist, aber unbedingt eine Freundin will und plant aus dem Schulgefängnis auszubrechen, um mit Chiyo auf ein Date zu gehen.


Takehito „Gakuto“ Morokuzu

d3c5d72017.jpg

Ein eigenartiger Mensch, der ein Fan der “Chronik der drei Reiche” ist. Er muss die meisten Schläge des geheimen Schülerrates ertragen. Ist an sich jedoch ein verlässlicher Kamerad, wenn es darauf ankommt.


Jōji „Joe“ Nezu

a88830d582.jpg

Joe ist ein ruhiger Zeitgenosse, welcher oft in einer kränklichen Verfassung ist und hin und wieder Blut spuckt. Obwohl er recht düster erscheint, ist er an sich nett und hat insbesondere etwas für Ameisen übrig. Gesprochen im Deutschen von Amir Yarahi (bekannt unter seinem Youtube-Namen Kurono) und im Original von Daisuke Namikawa (u.a. Waver Velvet aus Fate/Zero).



Reiji „André“ Andō

21be87f66e.jpg

Auf den ersten Blick ist er die Ruhe in Person, doch er genießt die Demütigung der Vize-Präsidentin von allen fünf wohl am meisten. Gesprochen im Deutschen von Karim El Kammouchi (u.a. Yūichirō Hyakuya aus Seraph of the End) und im Original von Kazuyuki Okitsu (u.a. Jonathan “JoJo” Joestar aus JoJo's Bizarre Adventure).


Shingo Wakamoto

afb105b81a.jpg

Shingo war schon vorher mit Kiyoshi in einer Klasse, wodurch sich beide kennen. Shingo wirkt eher gemäßigt, scheint allerdings auch schnell zu falschen Schlüssen zu kommen.


Mari Kurihara

62a0d60508.jpg

Die Präsidentin des geheimen Schülerrates wird von ihren Untergebenen sehr geschätzt. Sie hält Männer für Abschaum, da sie laut ihr ständig von ihren Gelüsten getrieben werden.


Meiko Shiraki

4d2eb93055.jpg

Die Vize-Präsidentin des geheimen Schülerrates. Sie betreibt einen harten Kurs bei der Aufsicht der Jungs und besitzt eine gewisse Ehrfurcht vor Mari. Gesprochen im Deutschen von Stefanie Dischinger (u.a. Heinkel Wolfe aus Hellsing Ultimate) und im Original von Shizuka Ito (u.a. Akeno Himejima aus Highschool DxD).



Hana Midorigawa

74da2a3374.jpg

Hana ist das dritte Mitglied im geheimen Schülerrates und talentierte Kampfsportlerin. Sie hegt einen gewissen Groll gegen Kiyoshi und versucht ihn bloßzustellen nachdem er dies bei ihr geschafft hatte. Gesprochen im Deutschen von Ilena Gwisdalla (u.a. Boa Hancock aus One Piece) und im Original von Kana Hanazawa (u.a. Kanade Tachibana aus Angel Beats).



Chiyo Kurihara

aec56b267a.jpg

Ein Mädchen, das Kiyoshi getroffen hat und mit der er auf ein Date wollte. Sie ist fest von der Unschuld Kiyoshis überzeugt und ein großer Fan von Sumowrestling.

 

Wer nun denkt, dass die Story bescheuert klingt … hat auch recht. Prison School wirkt auf den ersten Blick ziemlich blöd, nimmt aber sich und die Story unglaublich ernst, was einen Großteil der Comedy ausmacht. Einfach alles wird gleich 2 Stufen extremer dargestellt, selbst wenn überhaupt kein Grund dafür besteht. Im Grunde genommen ist die gesamte Situation der fünf Jungs sinnlos, da sie eigentlich zu jeder Zeit einfach die Schule wechseln könnten und damit der Erniedrigung durch den geheimen Schülerrat entkommen würden. Dummerweise stehen ihre eigenen Gelüste dem im Weg, unter anderem auch weil sie es lieben, von der Vize-Präsidentin „bestraft“ zu werden.


fefff06c35.jpg

 

Stark im Fokus steht das Ecchi, was im Gegensatz zu vielen anderen Animes aus diesem Genre manchmal als dreckig oder unschön erscheint, wobei allerdings nicht die Animationen oder die Optik gemeint ist, sondern die Art der Präsentation. Dies macht deutlich, dass der Fanservice nicht das Hauptaugenmerk ist und viel mehr im Kontext der Geschichte Bedeutung hat. Allgemein ist Sexualität, und wie damit umgegangen wird, ein Thema in Prison School. Wie der Direktor der Schule selbst sagt, ist es vollkommen normal dieses Verlangen zu haben und beim Spannen bestraft zu werden. Nur ist die Behandlung, welche die Jungs erhalten, viel strenger, als eventuell angemessen. Der geheime Schülerrat plädiert darauf, wie unmoralisch es ist zu spannen, während sie selber die Jungs rein aus Prinzip wie Dreck behandeln und dabei jegliche Moral außen vor lassen.

 

Das absolut stärkste Element des Anime ist die Comedy – von dieser lebt er praktisch. Alleine die hollywoodreife Inszenierung mancher Szenen, unterstützt von den ausdrucksstarken Zeichnungen, bietet gute Unterhaltung. Dabei nehmen die Charaktere auch kein Blatt vor den Mund und man hört einige schmutzige Wörter. Nicht alle Witze sind jedoch auf dem gleichen Level. So gibt es nämlich einen Subplot, bei dem Kiyoshi Hana, ein Mitglied des geheimen Schülerrates, beim Pinkeln erwischt hat und sie nun Vergeltung üben will indem sie ihm beim Wasserlassen zusieht. Ansonsten gibt es durch die ersten drei Folgen einige Momente, bei denen man durchaus zum Lachen gebracht wird.


ef11eee94f.jpg

 

Bei den Charakteren werden sofort einige sehr ausgeprägte Persönlichkeiten in den Fokus gestellt, wobei von den Jungs Kiyoshi und Gakuto die größte Rolle bis jetzt spielen und auch am meisten Entwicklung erhalten haben. Dies ist für die anderen drei nicht weiter schlimm, da beide sehr sympathische Charaktere sind. Gakuto alleine macht jedenfalls einen Großteil der Comedy aus und ist oft der Sandsack für den geheimen Schülerrat, obwohl er selbst einen starken Willen besitzt, welcher auch gut durch seine nerdhafte Persönlichkeit zur Geltung kommt. Kiyoshi hingegen ist mehr der standardmäßige Protagonist und überzeugt mehr durch seine Taten als durch seine Worte. Der geheime Schülerrat eignet sich gut als Gegenspieler und gerade die Präsidentin und Vize-Präsidentin sind interessant, während Hana durch den oben angesprochenen Subplot im Moment noch weniger überzeugen kann.

 

So gesehen gibt es an der Story von Prison School nicht viel auszusetzen. Durch die Sinnlosigkeit des Dilemmas von außen betrachtet und die grandiose Inszenierung blüht die Comedy auf, welche von unterhaltsamen Charakteren getragen wird. Einzig und alleine mit dem Ecchi muss man klarkommen, denn obwohl der Anime versucht dahingehend einen Kommentar zu machen, so gibt es doch sehr oft Fanservice zu sehen (allerdings in den ersten drei Folgen zum Teil auch für beide Geschlechter) und das könnte einige abschrecken. Außerdem ist der schwarze Humor für einige vielleicht etwas zu viel des Guten.

 

h

 

  • Laufzeit: 90 min

  • Bildformat: 1080p

  • Ton: Deutsch (DTS-HD MA 5.1), Japanisch (PCM 2.0)

 

Optisch ist Prison School ein echter Leckerbissen. Hier sieht man, dass sich J.C. Staff Mühe gegeben hat, möglichst die Atmosphäre des Mangas einzufangen. Selbst wenn die Zeichnungen an manchen Stellen nicht an dasselbe Niveau herankommen, so sind sie verdammt nah dran am Original und bieten einen weitaus höheren Detailgrad als die meisten Adaptionen. Animationstechnisch ist alles schön flüssig und fast schon überdurchschnittlich gut für die Zeit, in welcher der Anime erschien.


d79e3858b9.jpg

 

Man mag denken, bei einem Anime, der in einem Gefängnis spielt, sähe alles etwas düsterer aus … dem ist hier nicht der Fall. Allerdings wird man auch nicht mit Farben zugeknallt, es herrscht allgemein eine Balance, auch um das Gleichgewicht zwischen dem Setting und der Comedy darzustellen. Designtechnisch sind die Charaktere wie die Story übertrieben. Kiyoshi sieht extrem normal aus, Gakuto hat Nerdbrille und -haarschnitt, Andre ist ein fülliger Gigant mit einem winzigen Gesicht  und die Vize-Präsidentin hat riesige Brüste. Alle Designs harmonieren gut zur Atmosphäre und passen schön zum Anime.


83f2878f4b.jpg

 

Wo wir schon bei der Atmosphäre sind, Prison School versucht fast schon eine Art Hollywood-Film zu sein, was man auch sehr stark bei der musikalischen Untermalung merkt. Hier hört man überdramatische, orchestrale Musik, die alles noch einen Tick epischer scheinen lässt, als es eigentlich ist.


48cb27392e.jpg

 

Das Opening bietet regelrechtes Ohrwurmpotenzial, baut die Spannung für die Folge auf und wurde von den japanischen Synchronsprechern vertont, die einen wunderbaren Job hierbei gemacht haben. Im Gegensatz dazu bietet das Ending einen eher gemäßigten und ruhigeren Ton, der die Ereignisse der einzelnen Folgen schön ausklingen lässt.

 

u

 

Als erstes muss man sagen, dass die deutsche Vertonung ganz ordentlich ausgefallen ist und die meisten der Stimmen auch zu den Charakteren passen. Leider gibt es hier zwei namhafte Ausnahmen: Gakuto und Hana. Man hat bei Gakuto versucht den nerdigen Charakter und seinen Sprachstil ins Deutsche zu übertragen, nur hat man es etwas zu sehr versucht, sodass man an das Ende viele seiner Sätze die Worte „mit Verlaub“ anbringt. Der Sprecher macht zwar einen guten Job, aber die Stimme selbst passt leider dazu und ähnlich ist es bei Hana: Ilena Gwisdalla hat einfach nicht diese süße, hohe, typisch japanische Moe-Stimme, aber sie versucht diese Stimmlage zu erzwingen, was oft unnatürlich wirkt.

 

Der restliche Cast schafft es leider nicht so eine überragende Performance abzuliefern wie die originalen Sprecher, allerdings ist die Qualität durchwegs okay wenn man eine deutsche Tonspur bevorzugt. Es sei jedoch gesagt, dass die Comedy im Japanischen viel besser zur Geltung kommt, da die Stimmen dort das Überdramatische und vollkommen Übertriebene eher wirkt, was diesen Anime nunmal ausmacht.

 

Das Skript selbst wurde bei der deutschen Vertonung an den Sprachgebrauch angepasst und es gab keine auffälligen Fehler. Die Untertitel halten sich an die japanische Tonspur, bieten allerdings auch schön verständliche und einfach zu lesende Sätze für den Zuschauer. Die vulgäre Sprache an manchen Stellen wirkte auch nicht gezwungen oder unpassend und allgemein war das Skript solide.

 

k

 

Prison School Volume 1 erscheint zusammen mit einem Sammelschuber und den ersten drei Folgen auf einer Blu-ray-Disc. Zusätzlich sind in der Box enthalten ein Wendecover, ein Sticker und ein Booklet mit dem Titel „Knasttagebuch“, in dem Informationen zu den einzelnen Charakteren und Orten stehen.

 

j

 

+ gut inszenierte, übertriebene Story

+ ansprechender Humor

+ optisch sehenswert

- deutsche Synchro kommt leider nicht an das Original heran

- Hana und Gakutos Stimmen unpassend

- Darstellung von Ecchi könnte einige abschrecken

 

ab45b68026.jpg


Prison School ist einfach ein Comedy Anime der anderen Art. Wer den Humor verträgt wird auf jeden Fall seinen Spaß haben. Dabei ist es eigentlich auch nicht so wichtig, ob man Fan von Ecchi ist oder nicht, da der Anime selbst ohne die Darstellung von nackter Haut mit der überdrehten Inszenierung punkten kann und auch optisch sehenswert ist. Dieses Werk ist daher definitiv einen Blick wert.


-SilentGray


© Akira Hiramoto, KODANSHA/Prison School Partners



Andere Topnews

0 Kommentare
Schreib den ersten Kommentar!
Sortieren nach: