Review: Shigatsu wa Kimi No Uso - Sekunden in Moll Vol. 1

Auf dass die Welt wieder bunt ist...

„Kousei Arima ist ein begnadeter Pianist und wird von seiner übermäßig ambitionierten Mutter mit allen Mitteln zu Höchstleistungen angetrieben. Nach langem Kampf erliegt diese jedoch eines Tages einer schweren Krankheit. Für Kousei bricht eine Welt zusammen: Er verliert nicht nur seine Mutter und Mentorin; plötzlich ist es ihm auch nicht mehr möglich die Töne des Klaviers wahrzunehmen. Sein einst von Musik und Leidenschaft geprägtes Leben versinkt in einer Spirale der Stille und Dunkelheit, aus der auch seine Freunde Tsubaki und Ryouta ihn kaum befreien können. Doch eines Tages trifft er auf ein junges fröhliches Mädchen namens Kaori, welches mit ihrem begeisternden Geigenspiel Kouseis Welt auf den Kopf stellt. “


[via Amazon]


Peppermint drückt dieses Jahr auf die Tränendrüse: Nachdem man bereits die Augen deutscher Animefans mit Anohana anfeuchtete, legt man nun mit Shigatsu wa Kimi no Uso - Sekunden in Moll nach und bringt einen der emotionalsten Anime der letzten Jahre in unsere Gefilde. Doch taugt die deutsche Umsetzung auch was?


Der Anime basiert auf einer Mangaserie von Naoshi Arakawa, die von 2011 bis 2015 in Japan erschien und 11 Bände umfasst. Arakawa ist vor allen Dingen durch Shigatsu wa Kimi No Uso bekannt, hat aber auch noch andere Manga heraus gebracht, wie zum Beispiel Tsumetai Kousha no Toki wa Todomaru. Bei der Produktion des Anime beauftragte man das Studio A-1 Pictures (im Genre auch bekannt durch AnoHana) Kyouhei Ishiguro mit der Regie, der seine bis zu dieser Serie eher spärlichen Meriten mit der Regie bei einigen Episoden der Serie Danchi Tomoo erwarb. Ihm zur Seite gestellt wurde der erfahrenere Skriptschreiber Takao Yoshioka, dessen Erfahrungsschatz so Serien wie Watamote und Weiß Survive umfasst.




Kousei Arima


Der eher schüchterne Kousei ist ein eher zurückhaltender Zeitgenosse, der jedoch herausragende Fähigkeiten am Klavier hat. Diese resultieren aus einem exzellenten musikalischem Talent, aber noch viel mehr dem harten Klavierunterricht unter der Aufsicht seiner strengen Mutter. Sein Mutter wollte sich wie allzu viele Eltern ihre eigenen verpassten Träume erfüllen, in diesem Fall eine Klaviertournee in Europa, auf Kosten des kleinen Kousei. Nach ihrem Tod haben seine Traumata ihm seine Fähigkeit zum Klavierspielen genommen. Seine von Trauer und Nachdenklichkeit gezeichnete Stimme wird von Natsuki Hanae (u.a. Ken Kaneki aus Tokyo Ghoul) in der japanischen und von Konrad Bösherz (u.a. Yugi Muto aus Yu-Gi-Oh) in der deutschen Fassung Ausdruck verliehen.


Kaori Miyazono


Die Mittelschülerin ist begeisterte Violinistin und kann kaum einmal still sitzen, so sehr sprüht sie vor Lebensfreude und Musikbegeisterung. In einem erschreckenden Kontrast leidet sie an einer Krankheit, besucht Sie doch regelmäßig die Universitätsklinik. Das lässt sie aber ihre Freunde und Umgebung kaum bemerken. Sie hat es sich in den Kopf gesetzt, von Kousei auf dem Klavier begleitet zu werden und versucht es äußerst hartnäckig, ihn und seine Traumata zu überzeugen beziehugnsweise zu überwinden. Ihre schwunghafte Stimme wird im Japanischen von Risa Taneda (u.a. Rory Mercury aus Gate) intoniert, Rieke Werner (u.a. Kosaki Onodera in Nisekoi) sorgt für die deutsche Interpretation.


Tsubaki Sawabe


Die Kindheitsfreundin von Kousei sorgt sich um ihren Freund, da er seit dem Tod seiner Mutter sein liebstes Hobby, das Klavier spielen, nicht mehr ausgeübt hat. Schon früher war sie von seinem Spiel großer Fan, ist selber jedoch dem Sport, insbesondere Softball, viel mehr angetan. Hinter ihrer aufmunternden Art stecken aber jedoch auch einige Gefühle für Kousei, die sie vor ihm nicht zeigt, um ihre Freundschaft nicht zu belasten. Ihre fürsorgliche Stimme wird von Ayane Sakura (u.a. Nao Tomori aus Charlotte) im Japanischen und von Laura Elßel (u.a. Sakura Hanazono aus Maid-sama) im Deutschen zum Ausdruck gebracht.


Ryouta Watari


Ryouta ist als Frauenheld verschrien, ist er doch als Kapitän des Fußballteams sehr sportlich, beliebt und strahlt mit seiner frechen Art viel Selbstbewusstsein aus. Seine einzige andere Begeisterung sind die Mädchen, weswegen er auch hinter der schönen Kaori hinterher ist. Die lebendige Stimme von Ryouta Oosaka (u.a. Nice aus Hamatora) in der japanischen Sprachausgabe und von Sebastian Fitzner (u.a. Ciel Phantomhive aus Black Butler) in der deutschen Fassung verleihen ihm die passende Persönlichkeit.


Der Umgang mit dem Verlust eines geliebten Menschen und wie die erste Liebe das eigene Leben und seinen Freundeskreis durcheinander bringt sind die leicht zu identifizierenden Themen von Shigatsu wa Kimi No Uso. Diese Mischung wird sehr gut verarbeitet in einer Coming-of-age Geschichte, die Teenager beim Erwachsenwerden und den damit einhergehenden Problemen begleitet.


Lachen.jpg


Der Einstieg in die Welt von Kousei Arima verläuft aber noch zu Beginn sehr locker, eine Vielzahl an Comedy-Einlagen und witzigen Szenen verleihen der Serie eine fröhliche Atmosphäre. Diese Stimmung trübt sich mit der Zeit und dem tieferen Eintauchen in Kouseis Probleme stark ein, was sich interessanterweise nur zeitlich begrenzt in der Optik der Optik widerspiegelt. Erzählt wird die Geschichte vorrangig aus der Perspektive vom Protagonisten, der uns häufiger auch mal an seinen Gedanken teilnehmen lässt. Dabei wirkt er wegen der Tendenz der Drehbuchautoren möglichst viele prägnante und einprägsame Sätze einzuflechten etwas altklug und für einen Teenager etwas zu selbst reflektiv.


Man kommt bereits sehr schnell zu den ersten dramatischen Momenten, was sehr positiv ist für die den Takt und die emotionale Dichte von Shigatsu Wa Kimi No Uso, führt jedoch auch zu einer großen Zahl an Tränenausbrüchen schon recht früh in der Geschichte. Beim Reviewer kommen so Zweifel, ob durch die Häufigkeit des Einsatzes der Tränen von Charakteren dieses Mittel sich nicht mit der Zeit verbraucht und und bei den Höhepunkten nicht mehr so stark wirkt. Denn wenn ein Charakter schon häufig in Tränen ausgebrochen ist, dann nimmt die Rührung mit der Häufigkeit bei einigen Zuschauern ab.


Zusammenbruch.jpg


In den ersten sechs Folgen der Serie wirken die Nebencharaktere Ryouta und Tsubaki zudem noch sehr eindimensional ihren klischeehaften Rollenbildern verhaftet. Sie ist halt die klassische Kindheitsfreundin, die mit einem kumpelhaften Auftreten und einer gewissen Fürsorglichkeit gegenüber Kousei glänzt, deren Wandlung ihrer Gefühle zu ihrem Freund jedoch etwas plötzlich und überraschend kommt. Man bekommt recht schnell den Eindruck, dass hinter ihrer Rolle eine noch deutlich komplexere Geschichte und Entwicklung steckt, als dass der erste Eindruck impliziert.


Ryouta bekommt in dieser Volume außerdem noch zu wenig Zeit eingeräumt, um abseits einiger lockerer Sprüche und einigem Flirten mit Kaori Einfluss auf die Geschichte zu nehmen. Deswegen wirkt es so, als ob er vom Quartett die unwichtigste Person sei.




Die Blu-ray Fassung der ersten Volume von Shigatsu Wa Kimi No Uso kommt mit folgenden technischen Spezifikationen:


  • Format: 16:9

  • Auflösung: 1920x1080p

  • Ton: Deutsch und Japanisch (PCM 2.0)

  • Untertitel: Deutsch


Studio A-1 Pictures ist ja nicht völlig zu Unrecht bekannt durch ihre punktuell hohe Qualität ihrer Serien. Bei Shigatsu wa Kimi No Uso legt sich das Studio für eine Drama-Serie ungewöhnlich stark ins Zeug und wartet mit sehr schönen Hintergründen und Animationen auf.


Die Animationen sind für außergewöhnlich flüssig, insbesondere die Konzertszenen sind für die Glaubwürdigkeit sehr detailreich und genau animiert. Wie die Finger über die Klaviertasten fliegen wirkt erstaunlich realitätsgetreu, was auf Grund des anderen Bewegungsablaufs beim Spielen der Violine nicht ganz so perfekt gelingt, aber immer noch hervorragend ist. Für eine sehr dialoglastige Serie wartet man auch in ruhigeren mit vielen kleinen Bewegungen auf, was diese Szenen nicht so statisch wirken lässt wie andere Serien.


Die Animation der Gesichtsausdrücke ist hervorragend gelungen, die Tränenausbrüche sind im Ablauf sehr präzise dargestellt und die Tränen fließen in wirklich glaubwürdigen Bahnen und Geschwindigkeiten. Sich in die Emotionen rein zu versetzen bedarf also keiner besonderen Anstrengung.


Konzert.jpg


Die Charakterdesigns sind sehr individuell und weichen drastisch vom üblichen Schema von A-1 Pictures ab, denn die Mundpartie ist sehr stark betont, da alle Charaktere richtige Lippen ihr Eigen nennen können, die dem Gesicht auch viel ihres Ausdrucks verleihen. Dazu kommt noch eine partiell recht starke Betonung der Augen, die jedoch sich vorrangig auf die Iris konzentriert, die in vergleichsweise realistischen Farben gehalten ist und ein natürlich wirkendes Muster besitzen.


Die Hintergründe erstrahlen in vielen hellen Pastellfarben, sind äußerst detailliert gezeichnet, selbst in Szenen, die auf Grund ihrer kurzen Dauer und eher geringen Aussagekraft normalerweise deutlich gröber gezeichnet werden. Dadurch wird Shigatsu wa Kimi No Uso zu einem permanenten Augenschmaus und man möchte immer wieder die Pause-Taste auf der Fernbedienung drücken, um sich das romantisch anzuschauende Bild als Poster bewundern zu können.


Die Musik ist für einen Anime, dessen Hauptthema die klassische Musik ist, besonders wichtig. Auf den ersten Blick irritierend ist die Wahl, für das Opening und das Ending moderne japanische Popmusik zu nehmen, doch kontrastiert diese Musikwahl gut mit den Auftritten von Kousei und Kaori. Da die Qualität dieser Popsongs zudem auch noch überdurchschnittlich ist, dank der hervorragenden Arbeit der Band Goose House mit ihrem Lied Hikaru Nara für das Opening und die Band 7!! mit ihrem Lied Orange für das Ending.


Üben.jpg


Das Opening ist von peppermint mit Untertiteln ausgestattet, die den Liedtext übersetzen. Leider gibt es keine Karaoke-Version davon. Das Lied Hikaru Nara kennzeichnet sich durch einen tollen Wechselgesang von weiblichem und männlichem Sänger und einer fröhlichen Melodie, die unterstützt wird durch viele aufgeregten Bewegungen der 4 Hauptcharaktere vor hellen Hintergründen, wo der Himmel ein besonders häufig auftretendes Motiv ist.


Das Ending hat ein deutlich ruhigeres Lied, dessen Balladen-Charakter vorrangig durch die Gitarrenklänge und die entspannte Stimme vom Leadsänger Nanae entsteht. Dazu sind die Animation nur noch sehr spärlich eingesetzt und die gezeigten Bilder gleichen mehr einer Slideshow von schön gezeichneten Hintergrundbildern.




Die Synchronisation einer Dramaserie wie Shigatsu wa Kimi No Uso ist immer eine Herausforderung für das Synchronstudio, da den emotionalen Ausbrüchen ein vielfältigeres Repertoire abverlangt wird, die zudem nuancierter sind. Die schauspielerische Leistung der Synchronsprecher kann hierbei voll und ganz überzeugen, die emotionale Klaviatur wird sehr gut getroffen. Die Klangfarben der Sprecher im Japanischen und im Deutschen weichen aber vergleichsweise deutlich ab, die den Charakteren ein etwas anderes Profil mitgeben.


So ist Kousei im Deutschen dank Konrad Bösherz mit einer deutlich tieferen Stimme ausgestattet, was ihn etwas erwachsener und reifer wirken lässt. Tsubaki hat im Japanischen dank Ayane Sakura eine sanftere und niedlichere Stimme, bekommt dadurch aber die rauere Wettkampforientierung von ihr nicht so deutlich ausgedrückt wie im Deutschen, die dank Laura Elßel einen ihrem Charakter entsprechend einen kumpelhafteren Tonfall bekommt. Kaori hingegen ist im Deutschen minimal sanfter in der Stimmlage und verliert so ein paar Nuancen an Lebendigkeit.


Blickkontakt.jpg


Die Untertitel werden in weißer Farben und einer schwarzen Umrandung angezeigt. Angesichts der vielen hellen Hintergrundfarben ist die Umrandung essentieller als in vielen anderen Serien, weil sonst die Untertitel nicht lesbar wären.


Wie mittlerweile üblich, verwendet peppermint in der Übersetzung der Untertitel die japanischen Suffixe wie -chan und -kun, die jedoch in dieser Serie eine geringere Rolle spielen und nur äußerst selten vorkommen. Interessant hingegen ist die Verwendung von Ryoutas Nachnamen als Anrede, was eine größere Distanz zwischen Kousei und Tsubaki sowie Ryouta als Kindheitsfreunde andeutet.


Dazu kommen noch einige andere Anpassungen an den engeren Zeitrahmen einer Einblendung als Untertitel, die zumeist passend und logisch gewählt ist, hier und da aber nach meinem Geschmack ein klein wenig über das Ziel hinaus schießt, wie der Umbenennung von Kaoris Profession von Violinistin hin zu einer Geigerin. Dazu kommen einige Dialoge, deren Sinn nicht ganz getroffen werden. Diese Anpassungen sind für peppermint Verhältnisse ziemlich häufig und sind trotz des Mangels an klaren Fehler ein kleines bisschen störend.


Insgesamt bewegt sich die Lokalisierung von peppermint wieder mal auf einem guten Niveau. Die Probleme in den Untertitel werden von einer klasse Performance in der Synchronisation überschattet.




Shigatsu wa Kimi No Uso wird von peppermint in einer Hülle aus stabilem Karton geliefert, in dem eine auf klappbare Hülle aus dem gleichen Material eingebettet ist. Man bekommt so für jede einzelne Volume einen eigenen Schuber. Als Extra ist ein Notenblatt von Beethovens 14. Sonate dazu gelegt worden, was zusammen mit dem Opening ohne Texteinblendungen und einer handvoll Trailern das Paket abrundet.


Comedy.jpg


Der Preis für die erste Volume ist mit 47,99 Euro, was in der Preisgestaltung im Vergleich zu anderen Veröffentlichungen etwas teuer ist, auch wenn die Qualität der Serie natürlich sehr gut ist und man eine etwas aktuellere Serie veröffentlicht.




+wunderschöne Bilder und Animation

+Coming of age Charakter der Geschichte kommt gut rüber

+hohe erzählerische Dichte

-drückt ein wenig zu früh und zu häufig auf die Tränendrüse

-Ryouta und teilweise Tsubaki wirken als Charakter etwas flach


Peppermint scheint sich wirklich ein Herz für emotional anrührende Animeserien gefasst zu haben, denn Shigatsu wa Kimi No Uso schlägt in eine ähnliche emotionale Kerbe wie die kurz zuvor raus gebrachte Serie Anohana.


Shigatsu Wa Kimi No Uso Vol. 1 könnt ihr bei Amazon bestellen.


© Naoshi Arakawa, Kodansha/Your Lie in April Commitee


Sämtliche Aussagen dieser Rezension reflektieren lediglich die Meinung des Autoren und nicht die von Crunchyroll und seiner Partner.


- Reziprok


Andere Topnews

0 Kommentare
Schreib den ersten Kommentar!
Sortieren nach:
Hime-Banner

Teste die NEUE Crunchyroll BETA

Jetzt ausprobieren