Manga-Review: One Punch Man Band 1 und 2

Der stärkste Superheld der Welt

„Glatze, Gummistiefel, genervter Blick ... was Superhelden-Merkmale angeht, rauscht Saitama gnadenlos durch den Sehtest. Dieser gewöhnliche Knilch hat allerdings ein außergewöhnliches Problem – er findet einfach keinen Gegner, der stark genug ist, es mit ihm aufzunehmen. Ein Schlag, und jeder noch so starke Superschurke liegt im eigenen Schnodder. Wird er irgendwann auf einen ebenbürtigen Gegner treffen, oder ist zu einem Leben in Super-Langeweile verdammt?“


[via Kazé]

 

Ein Held, der seine Berufung nur als Hobby betreibt. Der sich mehr Sorgen um das Angebot im Supermarkt macht, als den Bösewicht, der droht eine ganze Stadt auszulöschen. Und dessen Kraft alles übersteigt, was die Menschheit je gesehen hat. Doch wie kam dieser glatzköpfige Kerl zu seiner Macht? Und wie wird sein Handeln sich auf die Menschheit und deren Sicherheit auswirken? Das ist die Geschichte des größten Superhelden aller Zeiten: One Punch Man!

 

One Punch Man ist ein Manga vom Mangaka ONE, welcher die Actionserie als Webmanga veröffentlichte. Im Netz erfreute sich One Punch Man trotz des eher simplen Zeichenstil recht schnell großer Beliebtheit, weshalb sich  im Jahr 2012 Yuusuke Matsuda bei ONE meldete und um eine Veröffentlichung im Shueisha Verlag erkundigte, dem Konzern, welcher auch dem Weekly Shounen Jump herausbringt. Damit der Manga jedoch den Qualitätskriterien des Verlagshauses genügt, musste eben jener Murata One Punch Man zeichnerisch noch massiv überarbeiten. Bis heute sind in Japan 11 Bände erschienen und 2015 ist eine Animeserie von Studio Madhouse produziert worden, die sich sehr großer Beliebtheit erfreute. Ist der Manga aber auch einen Blick wert?

 
 

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Saitama

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Der glatzköpfige Hauptdarsteller des Mangas ist ein ziemlich untypischer Held in einer Shounenserie. Er ist vor seinem Dasein als Hobbyheld in seinem Streben danach ein klassischer Angestellter zu werden gescheitert und ist mehr zufällig zu der Idee gekommen, sein Leben als Held zu bestreiten. Nach einem gescheiterten Vorstellungsgespräch ist er zufällig in eine Situation gekommen, in der er ein kleines Kind vor einem Monster aus einem Impuls heraus rettete, entschließt er sich zum stärksten Held der Welt zu werden. Nach nur 3 Jahren Training sind dem schwächlichen Anzugträger sämtliche Haare ausgefallen und er ist so unfassbar stark geworden, dass er jeden Bösewicht mit nur einem Schlag den Garaus macht.

 

Genos

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Der Cyborg ist auf einem Pfad der Rache, seitdem ein außer Kontrolle geratener Roboter seine Familie und seine Heimatstadt ausgelöscht hat. Da er damals aus reinem Zufall überlebte und als schwächlicher Mensch keine Chance sah seine Nemesis besiegen zu können, ließ er sich vom berühmten Doktor Kuseno in einen mächtigen Cyborg verwandeln. Als er gegen einen Kontrahenten unvorsichtig war und beinahe besiegt wurde, rettete ihn der zufällig anwesende Saitama. Beeindruckt von dessen Kraft, möchte er sein Schüler werden um ebenfalls eine solche Stärke zu erlangen.

Speed O'Sound Sonic

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Seine Schnelligkeit macht den Ninja berühmt und berüchtigt. So ist er doch als Bodyguard wenig zimperlich darin, die Widersacher seiner Klienten zu töten. Er ist schon etwas gelangweilt von der fehlenden Möglichkeit seine Kräfte mit einem Gegner zu messen, bis ihm eines Tages Saitama über den Weg läuft.

 
 

Ein Manga, in dem der Superheld übermächtig ist und jeden Bösewicht mit nur einem Schlag außer Gefecht setzt. Wie soll denn das funktionieren, so ganz ohne Spannung?

 

Indem One Punch Man nicht den konventionellen Genre-Vertretern folgt, wo der Protagonist sich Herausforderungen stellen muss und an diesen wächst, ergibt sich eine viel größere Freiheit. Denn nun kann man abseits des drohenden Weltuntergangs vielfältige Themen bearbeiten, zum Beispiel die Frage, wie sich ein solch übermächtiges Individuum fühlen muss, dass ein Superheld des Kalibers von Saitama ist. Und wie dieser nun mit der mangelnden Herausforderung umgeht, die mit seiner Kampfkraft besteht. Was kann ihn noch antreiben, wenn ihn doch im Kampf nichts als Langeweile umtreibt und er nur hin und wieder der Hoffnung erliegt, es könnte doch zu einem spannenden Kampf kommen.


Dieses Problem zeigt jedoch auch eine zutiefst verstörende Seite an dem klassischen Superhelden-gegen-das-Böse-Konzept, in deren Kampf meist ganze Städte in Schutt und Asche gelegt werden - was die Helden trotz allen Bemühens schon auf Grund der im Rahmen einer Shounenserie immer größer werden Skalen und Epicness der Auseinandersetzung nicht verhindern können.


Die Isolation, die mit der großen Macht eines Superhelden einhergeht wird auch durch Saitama erforscht, der trotz des Auslebens seines Traums als Superheld die Welt zu beschützen Langeweile erlebt und in seiner banalen Existenz in einem kleinen Apartment und ohne klassische Kollegen lange Zeit einsam ist. Doch gerade diese Isolation wird zum Glück dann durch Genos und seine aufdringliche Art in sein Leben zu treten, durchbrochen. Bereichert durch eine andere menschliche Existenz, so sehr ihn diese zu anfangs auch nerven mag, sondert er sich nicht mehr so stark von der Gesellschaft ab. Denn man kommt nicht umhin zu bemerken, dass aus der Langeweile und Isolation durchaus die Gefahr eines emotional destabilisierten Superhelden Saitama erwachsen könnte, was angesichts dessen Macht ultimativ das Ende der Menschheit einläuten könnte. Insofern wird One Punch Man in gewissen Momenten durchaus zu einer Charakterstudie, die sehr stark vom üblichen Schema abweicht.


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Der größte Pluspunkt von One Punch Man gegenüber klassischen Heldengeschichten im Shounengenre ist aber der Humor. Hier kommt One Punch Man seine Herkunft als Webcomic zu Gute, da der in Comedymanga übliche Zeichenstil sehr stark in Details, Hintergründen und Komplexität der Gesichtsausdrücke teilweise schon Meme-haft reduziert wird, ähnlich zu ONE's laienhafter Webmanga Ausgabe. Von der Überarbeitung durch den hervorragenden Zeichner Yusuke Murata ist jedoch nur der Protagonist Saitama ausgespart worden, weshalb dieser auf Grund seines simplen Äußerens schnell als Comedic Relief Charakter in Erscheinung tritt. Dabei wird das ganze Superhelden-Genre persifliert, von Shounenserien bis hin zu amerikanischen Comics, was angesichts des schreiberischen Talents von ONE sehr viele gut zündende Witze produziert. Obwohl man sich für die Geschichte an die klassischen Tropes des Genres hält, wirkt One Punch Man deshalb ziemlich erfrischend.


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Es muss jedoch angemerkt werden, dass Band 1 erzählerisch vergleichsweise schwach ist, besteht doch dieser Band zu knapp der Hälfte aus Kurzgeschichten, welche zwar von der überwältigenden Stärke von Saitama erzählen, aber ohne übergreifenden Handlungsfaden nicht wirklich packend sind. Selbst als man zu Genos und den Kampf gegen eine Geheimorganisation namens Haus der Evolution kommt, wird dieser Handlungsbogen von der Hintergrundgeschichte von Saitamas Entschluss ein Held zu werden unterbrochen. Deswegen ist es gut, dass Kazé gleich zwei Bände zum Start von One Punch Man herausbringt, da so der eher langsame Start dadurch kompensiert wird, dass der in der zweiten Hälfte gestartete Handlungsfaden sofort weiter gesponnen wird und das Interesse des Lesers hoch gehalten wird.

  

 

One Punch Man sieht man seine wilde Entstehungsgeschichte durchaus an. Gestartet als Webmanga, von dem Künstler ONE, hatte sein Werk mehr Ähnlichkeit mit meinem Gekrakel mit Paint als mit das, was  wir gemeinhin unter Manga verstehen. Diese Kritzelei eines ziemlich unbegabten Zeichners wurde aber sehr schnell sehr populär im Internet, trotz der optischen Mängel.Und zwar weil One doch ein Talent hat, nämlich das Erzählen interessanter Geschichten mit gutem World Building und einem sehr präzisen Einsatz von Humor in Panels.

 

Darauf wurde der Illustrator Yusuke Murata aufmerksam und kontaktierte One, woraufhin für die Veröffentlichung in einem professionellem Medium die Optik massiv überarbeitet wurde. Unten sieht man einen Auszug aus dem ursprünglichen Webmanga.

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Und da Murata sich bei One Punch Man sich ausschließlich auf die grafische Qualität konzentrieren konnte, können die Panels mit einem ziemlich beeindruckendem Detailreichtum und optischen Qualität aufwarten. Nur wie will man dabei das ursprüngliche Charakterdesigns beibehalten, welche ja auch zu der Beliebtheit des One Punch Man beigetragen hat? Das ist vor allem beim Hauptcharakter Saitama interessant zu beobachten, der ja als einziger aus dem Rahmen des klassischen Superhelden-Szenarios herausfällt. Dieser wird anders als den anderen Charakteren nämlich mit keiner Generalüberholung bedacht, nur in besonderen Badass Momenten passt sich seine Optik der gesteigerten Qualität an. So wirkt Saitama wie aus der Welt gefallen mit seiner einfachen Form mit Eierkopf und simplen Kostüm aus Gummistiefeln, Handschuhen und Cape. Dadurch entwickelt sich in Anlehnung an die in Comedy-Manga und Anime übliche Reduzierung der reduzierten Komplexität des Gesichtsausdrucks, um schnelle Pointen setzen zu können. Dies lässt Saitama im Kontext der Serie sehr expressiv werden, da seine Gesichtsausdrücke die meisten Emotionen und auch die Comedy transportiert.


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Damit die Überarbeitung an Wirkung entfaltet, verwendet One Punch Man sehr viele großflächige Panels, auf dass die Hintergründe zur Geltung kommen. Insbesondere doppelseitige oder 1 ½ Seiten umfassende Bilder nehmen sehr viel Raum des Mangas ein, was selbst für einen Action orientierten Manga in der Anzahl recht ungewöhnlich ist. Deshalb können in den Kampfsequenzen auch öfter beide Antagonisten in einem Bild zu sehen sein ohne die räumliche Orientierung zu stören. Die detailreichen Hintergründe sind auch ein wesentliches Element dafür, die Welt sehr groß, realistisch und komplex wirken zu lassen.

  

 

Die Übersetzung eines solchen Hits in Japan wird von Kazé natürlich nicht in die Hände eines Newcomers gelegt, und so ist John Schmitt-Weigand der Übersetzer von One Punch Man. Dieser hat schon so einige Erfahrung in der Übersetzung von Manga gesammelt und wirkte schon bei Berserk, Spice and Wolf sowie Judge bei der Übersetzung.

 

Die Übersetzung ist rundherum gelungen und weist keine störenden Elemente auf, treffend sind insbesondere die veralbernden Namen und Bezeichnungen. Besonders gut gelungen ist auch die Übersetzung der Lautmalerei, die angesichts der vielfältigen optischen Effekte schwierig einzufügen war.

 

 

One Punch Man Band 1 und 2 wurde von Kazé im Format 12,8 cm mal 18,2 cm produziert und beide Bände umfassen 200 Seiten. Die Cover zeigen im ersten Band Saitama, wie er einen seiner Namensgebenden Punchs abgibt, während auf dem zweite Band Genos das Cover ziert, wie er seine Strahlenwaffe einsetzt. Der Titel ist in das Cover eingestanzt, was haptisch ein schönes Relief erzeugt. Cover und Rückseite sind leider die einzigen farbigen Abbildungen, jedoch wird als Auflockerung vor dem Beginn jeden Bandes ein kleines Omake der beiden Künstler One und Yusuke Murata angefügt. Dazu ist eine halbe Seite der Innenseite ausklappbar ist und das Bild des Covers erweitert, was clever ausgenutzt wurde um interessante Bilder zu erschaffen.


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+ungewöhnliche und interessante Prämisse eines übermächtigen Helden

+extrem gute Zeichnungen

+witzige Persiflierung des Superheldengenres

-der erste Band enthält vor allen Kurzgeschichten

 
 

Wird One Punch Man dem Hype gerecht? Nicht ganz, zumindest der erste Band hat keinen durchgängigen Spannungsbogen. Als mit dem Erscheinen von Genos, der ersten Story-Arc und dessen Hintergrundgeschichte die Geschichte einen Handlungsfaden bekommt, nimmt einen One Punch Man  auf einen wilden und amüsanten Ritt durch die Welt der Superhelden mit. Die Action ist hervorragend und kann mit vielen großflächigen Panels glänzen, in denen man außerordentlich detailreiche Bilder bewundern darf. Wer auch nur im geringsten auf Superheldengeschichten steht, sollte bei One Punch Man zugreifen!

 

Den ersten und zweiten Band von One Punch Man kann man direkt bei Kazé oder auch bei Amazon erwerben.

 

© 2012 ONE / Yusuke Murata

 

Sämtliche Aussagen dieser Rezension reflektieren lediglich die Meinung des Autoren und nicht die von Crunchyroll und seiner Partner.

 

- Reziprok

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