DVD-Review: Seraph of the End: Battle in Nagoya

Was hilft gegen Vampire, wenn selbst ein Pakt mit Dämonen nicht mehr genügend Macht verleiht?

„Nachdem Mika in der Schlacht von Shinjuku an die Vampire verloren ging, müssen Yuichiro und seine Truppe sich als wahre Meister im Umgang mit Dämonenwaffen erweisen, um zu überleben. Doch wenn man geradezu täglich mit dem Teufel zu tun hat, ist die Katastrophe stets nur eine falsche Bewegung entfernt.

Als in der Person von Kureto Hiragi, dem grausamen Leutnant der Japanisch Kaiserlichen Dämonenarmee, eine neue Bedrohung erwächst, wird Guren mit seinem Team auf ein Himmelfahrtskommando geschickt. Ziel seiner Mission ist es, alle adligen Vampire zu vernichten.“


[via Universal]

 
Seraph of the End: Battle in Nagoya ist die Fortsetzung der in der Frühlingseason 2015 ausgestrahlten ersten Staffel Seraph of the End. Die Fortsetzung nahm sich eine Season Zeit, um produziert zu werden und wurde im Herbst desselben Jahres publiziert. Universum brachte die erste Staffel im Mai nach Deutschland und nun folgt auch endlich die zweite Staffel. Wir sagen euch wie sich die Veröffentlichung macht.
 
 

 

Das Überleben der freien Menschheit im Kampf gegen die Vampire steht auf des Messers Schneide. Was nur ist mit Yuuichirou in der Schlacht um Shinjuku passiert? Sein Ausraster, als er Andeutungen von Flügeln und gewaltige Kräfte erhalten hatte, haben seine Kameraden noch nicht vergessen. Schließlich hat er Shinoah, die Gruppenleiterin, beinahe umgebracht. Und warum ist Oberstleutnant Guren trotz der scheinbaren Ohnmacht seiner Kampftruppen gegenüber den adeligen Vampiren und des Ausrasters von Yuu so zufrieden? Könnte er hinter dem plötzlichen Ausraster stecken? Schließlich scheint er schon seit einiger Zeit Experimente an seinen Untergebenen durchzuführen...

 

Shihou Kimizuki


Der ungehobelt auftretende Shihou ist kein einfacher Kamerad, ist er doch ständig auf Streit aus und lässt sich in seinem Ziel, Mitglied der Armee zu werden, nicht beirren.Schließlich hängt das Leben seiner Schwester an einer teuren und experimentellen Behandlung, zu der nur Soldaten der Armee Zugang haben. Diesen Virus hat sich seine Schwester bei der Apokalypse zugezogen, woraus sich seine Abneigung gegen die Vampire speist. Mit der Zeit wird er zumindest etwas gelassener - aber nur etwas. Sein mürrisches Wesen wird von Kaito Ishikawa (u.a. Toio Kageyama aus Haikyuu!!) in der japanischen und von Benjamin Hirt in der deutschen Fassung zum Ausdruck gebracht.

 
 

Yoichi Saotome

 

Schwächlich, etwas feige, sozial aufgeschlossen und heiter kann man Yoichi beschreiben. Letzteres ist trotz seines Traumas, als sich seine Schwester für sein Überleben den Vampiren geopfert hat, nicht selbstverständlich. Er arbeitet hart, um seinen fehlenden Kampfeigenschaften zu begegnen und kann nach dem Bezwingen einer Dämonenwaffe als Bogenschütze hinter der Front seine Freunde unterstützen. Seine sanfte und zerbrechliche Fröhlichkeit wird im Japanischen von Nobuhiko Okamoto (u.a. Karma Akabane in Assassination Classroom) intoniert, Johannes Wolko sorgt für die deutsche Interpretation.

 
 

Mitsuba Sanguu


Sie ist wohl die widersprüchlichste Person in Seraph of the End. Einerseits verhält sie sich im Kampf taktisch klug und überlegt, andererseits gehen ihr sonst häufig die Emotionen durch - doch versucht sie dennoch möglichst professionell zu wirken. Denn seit dem Tod eines Kameraden, der sie dadurch rettete, versucht sie ihre Gefühle durch eine harte Schale zu schützen. Ihre instabile und wechselhafte Persönlichkeit wird stimmlich durch Yuka Iguchi (u.a. Tsukihi Araragi aus Bakemonogatari) im Japanischen und von Patricia Strasburger (u.a. Teto aus No Game No Life) im Deutschen zum Ausdruck gebracht.

 
 

Krul Tepes


Krul Tepes ist die Vampirkönigin von Japan, trotz ihres kindlichen Äußeren, und als 2000-jähriger Vampir sind ihre Gedankengänge nicht gerade einfach nachzuvollziehen, ist sie trotz ihrer langen Existenz doch sehr launisch. Aus einer Laune heraus rettet sie auch Mika vor dem Tod, als sie ihn gegen seinen Willen zum Vampir macht. Da sich Mika weigert, von Menschen zu trinken, füttert Krul ihn mit ihrem Blut. Diese Sorge um einen ehemaligen Menschen ist etwas seltsam, betrachtet sie doch Menschen gewöhnlich nicht mehr als Vieh. Ihrer verschlagenen Stimme wird von Aoi Yuuki (u.a. Madoka Kaname aus Puella Magi Madoka Magica) in der japanischen Sprachausgabe und von Laura Preiss in der deutschen Fassung der nötige Esprit verliehen.

 
 

Die Fortsetzung von Seraph of the End greift die in der ersten Staffel nur angedeuteten Geheimnisse auf und vermag diese mit Substanz zu füllen. Dabei werden die Grabenkämpfe innerhalb der Fraktionen, sowohl auf Seiten der Menschen als auch der Vampire, interessanter, weil sich die Fraktionen insgeheim einander benutzen, um Vorteile zu erringen.

 

Es erscheint uns im Westen seltsam, dass es innerhalb des Militärs unterschiedliche Fraktionen gibt, erst Recht im Angesicht der vollständigen Auslöschung der Menschheit. Die japanische Geschichte bietet jedoch für diesen Fall viele Beispiele, was in Seraph of the End zum Ausdruck kommt. So werden Oberstleutnant Gurens Forschungen und das plötzliche Auftauchen von Kimizuki, Saotome und Hyakuaya als Träger von schwarzer Dämonenwaffen, die extrem selten sind, in seiner Einheit der Familie Hiragi misstrauisch beäugt. Die Loyalitätskonflikte, zum Beispiel von der Teamleiterin Shinoah, werden jedoch zu simpel gestrickt erzählt, als dass wirklich Spannung aufkommen könnte.

 

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Bei der Inszenierung des Ringens der verschiedenen Fraktionen greift Seraph of the End jedoch zu häufig auf klischeehafte Verhaltensweisen zurück. Das Oberhaupt der Hiragi-Fraktion, Kureto, stellt sich schon in der ersten Folge als klassischer Bösewicht dar, indem er wegen der seltsamen Vorgänge in der Schlacht um Shinjuku verhört. Nur das natürlich nicht, ohne ihn mit der Folterung seiner Kameraden unter Druck zu setzen. Was an sich schon recht haarsträubend für den Zusammenhalt und Gehorsam in einer militärischen, wird noch irritierender, dass Kureto anschließend Yuuichirou auf seine Seite ziehen will - nachdem er seine Freunde gefoltert hat, wohlgemerkt. Auch später wird er mit ziemlich klassisch gehaltener Bösewichtsymbolik aufgeladen, von Truppenaufmärschen bis hin zum Verrat der eigenen Familie. Diese simple Form der Charakterisierung findet angesichts des größeren Fokus auf Kampfhandlungen deutlich häufiger statt, auch weil der Cast an relevanten Protagonisten nun noch größer als in der ersten Staffel wird.

 

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Apropos Familie. Die erste Staffel war ja schon thematisch sehr stark getränkt mit dem traumatischen Verlust von Yuus Familie. Battle of Nagoya versucht nun das Thema Familie auf fast alle Ebenen auszudehnen. Auf den Zusammenhalt innerhalb einer kleinen Truppe, aber auch auf den des gesamten Militärs, was eigentlich dem Charakter einer solchen Organisation deutlich widerspricht. Es wirkt insofern etwas pathetisch, wenn der Familienbegriff so lose gebraucht wird, dass die militärisch logische Vorgehensweise Gefangene im Notfall auch zurück zu lassen, mit der Familiensymbolik zu vermischen. Das mag bei Yuu noch irgendwo verständlich sein, ist bei anderen Charakteren aber unverständlich.

 

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Man konzentriert sich aber generell nicht mehr so ausschließlich auf die Beziehung zwischen Mika und Yuuichirou, was der Serie gut tut. Denn deren Wunsch, wieder zueinander zu finden und deren Beziehung zueinander wurde in der ersten Staffel schon zur Genüge erläutert. Dumm ist nur, dass Guren, welcher sich im Laufe der Staffel als ebenbürtiger Hauptcharakter herausgestellt hatte, nicht bei der ausufernden emotionalen Charakterisierung in der ersten Staffel gleichwertig behandelt wurde, weswegen dessen Motivation unklar bleibt. Seine Hintergrundgeschichte ist zudem nur ganz kurz angedeutet worden in der ersten Folge, was unbefriedigend ist.

 

Insgesamt ist die Handlung zwar durchaus getränkt mit vielen Kämpfen, einer Handvoll Wendungen und einem grandiosen Finale - Seraph of the End kann aber doch nicht wirklich aus dem Genre Einerlei hervorstechen. Dafür sind die Entwicklungen, auch rund um Yuuichirou und Mika, zu vorhersehbar und enden mit zu vielen losen Fäden für ein gutes Ende der Serie.

  

 

Seraph of the End: Battle in Nagoya liefert Universal Pictures im DVD-Format mit folgenden technischen Spezifikationen:


  •     Format     1,78:1    

  •     Ton:     Deutsch, Französisch, Englisch und Japanisch (Dolby Digital 2.0)    

  •     Untertitel:     Deutsch, Französisch, Niederländisch und Englisch

 

Seraph of the End: Battle in Nagoya liefert als zweite Staffel eine größere Portion an Action, die aber auch weiterhin an den Problemen der ersten Staffel krankt. Augenscheinlich sind die nun häufiger und länger verwendeten Besprechungen vor dem Kampf, in der die Protagonisten herumstehen und die Strategie besprechen. An sich muss das kein Problem darstellen, doch ist die Komplexität der Strategie ziemlich überschaubar, wodurch diese Szenen nach einer gewissen Zeit langweilen.

 

Mika Attacke CGI.jpg

 

Um die Kämpfe flüssiger zu machen und nicht ganz so viele Standbilder zu verwenden, wird nun häufiger CGI eingebunden - insbesondere bei den Highlights mit vielen schnellen Bewegungen. Das beißt sich aber mit dem generellen Zeichenstil der Hintergründe, die verwaschen sind und recht wenige klare Linien aufweisen. Was ganz zu der apokalyptischen Stimmung der Serie passt, weil so die Stadt im Hintergrund heruntergekommen wirkt, wird mit der Einbindung von CGI zu einem Handicap. Das verwendete CGI produziert jedoch scharfe Linien und Kontraste auch im Hintergrund, was ein krassen Stilbruch bedeutet. Die Choreografierung der Bewegung ist aber nun etwas komplexer geworden und besser gestaltet.

 

Das Opening ändert sich im Vergleich zur ersten Staffel. Leider nicht zu seinem Gunsten, war doch das Lied “X.U.” sehr eingänglich. Das neue Lied “Two Souls” von fripSide kann nicht im gleichen Ausmaß überzeugen, hat es doch einen größeren Balladeneinfluß mit mehr Fokus auf den Gesang und weniger mit Synthesizer entfremdete rockige Klänge. Genau das passt aber bei weitem nicht so gut zu den Kampfszenen im Opening.

 

Das Ending "Orarion" kann aber mehr überzeugen, hat es doch mit einem Einstieg mit choralen Klängen und die Popballade wird vom Bildmaterial unterstützt, dass unsere Helden in die normale Gegenwart verpflanzt, wo sie in Form von einigen Standbildern einen normalen Alltag bestreiten.

  

 

Die Synchronisation von Seraph of the End ist nicht unbedingt leicht. Denn die Dialoge werden mit zunehmender Dauer repetitiver und sind insgesamt kein Ausbund an intelligent geschriebener Kunst. Den Sprechern ist also ein Kompliment zu machen, wenn die manchmal eher bieder daher kommenden Dialoge mit genügend emotionalem Verve vorgetragen werden.


Zwar geschieht das noch nicht mit dem Ausmaß des japanischen Over-the-Top-Ansatzes, hat sich jedoch etwas gesteigert. Auch weil sich man doch deutlicher von der genaueren Übersetzung in den Untertiteln löst und passende lockere Sätze und Sprachwendungen verwendet. Einen Fehler in der Aussprache von Nagoya muss man aber leider bemängeln, ansonsten konnte sich die passable Synchronisierung der ersten Staffel steigern.

 

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Die in weißer Farbe mit schwarzer Umrandung eingeblendeten Untertitel enthalten die japanischen Suffixe wie -kun und -sama. Die Einblendungen sind passabel getimed, nur hin und wieder kann ein eher langsamer Leser Probleme bekommen. Kleinere Rechtschreibfehler trüben aber, wenn auch selten, den guten Eindruck.

 

Insgesamt konnte Violetmedia die Qualität der Lokalisierung in der zweiten Staffel etwas steigern.

  

 

Die DVD-Version wartet wieder mit der etwas uneindeutigen Menüführung auf, die aber immerhin schön anzuschauen ist. Auf den DVDs sind Trailer, TV-Spots für die Serie in Japan, das Opening und Ending ohne Texteinblendungen und ein gut 20-minütiger Omake Anime gebrannt, in welchem Szenen aus der Serie veralbert werden. Weitere Extras wie zum Beispiel mitgelieferte Poster können an dieser Stelle mangels Rezensionsexemplars nicht bewertet werden.

 

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Man kann Seraph of the End: Battle in Nagoya für 54,99 € erwerben. Für 12 Folgen Anime ist das ein guter Kurs.

 

 

 

+viele Schlachten und Kämpfe

+Intrigen und Machtkämpfe zwischen den Fraktionen

-vorhersagbare Entwicklungen

-ein etwas unbefriedigendes Ende

 
 

Seraph of the End: Battle of Nagoya bügelt einige der kleineren Schwächen der ersten Staffel aus. Man konzentriert sich viel stärker auf die interessanten Konflikte der Parteien der Menschen und Vampire sowie deren Fraktionen. Die Charakterisierung der Figuren wird deswegen auch eindimensionaler, was die Serie zu einer passablen Actionserie macht, die jedoch nicht wirklich heraussticht. Wer jedoch Bock auf solide Kost in der Postapokalypse hat, kann bei Seraph of the End zugreifen.

 

Seraph of the End: Battle of Nagoya kann man bei Amazon bestellen.

 
 

©Takaya Kagami, Yamato Yamamoto, Daisuke Furuya/SHUEISHA, Seraph of the End Project

 
 

- Reziprok

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