Blu-ray Review: Das Wandelnde Schloss

Wir werden nicht älter. Nur besser!

Es ist mal wieder Zeit einen Blick auf einen Ghibli-Klassiker zu werfen. Zur Feier der Veröffentlichung der Limited Collector’s Editition hat uns Universum eine Kopie von Das Wandelnde Schloss zukommen lassen. Ist dieser Film so gut gealtert wie andere Ghibli-Werke? Wir sagen es euch!

 

 

Sophie ist eine einfachere Hutmacherin. Nachdem sie eines Tages auf den Zauberer Hauro trifft, zieht sie die Aufmerksamkeit der Hexe aus dem Niemandsland auf sich. Diese verflucht Sophie und verwandelt sie in eine alte Frau. Sophie möchte ihrer Familie in ihrer neuen Gestalt nicht unter die Augen treten und verlässt heimlich das Haus und findet bald darauf Zuflucht in Hauros wandelndes Schloss…

 

Sophie:


Die junge Hutmacherin zeichnet vor allem ihr mangelndes Selbstvertrauen aus. Sie sieht sich selber nicht als eine schöne Person und fühlt sich geradezu verpflichtet im Hutladen ihrer Familie zu arbeiten. Sie akzeptiert die Tatsache, dass sie in eine alte Frau verwandelt wurde, relativ schnell und die Verwandlung scheint auch ein paar positive Nebeneffekte auf ihre Persönlichkeit zu haben. Ihre Stimme leiht sie sich in der japanischen Fassung von Chieko Baishou (Kamaria Ray in der Mobile Suit Gundam Filmtrilogie) und in der deutschen von Sunnyi Melles.

 

Hauro:


Der Herr des wandelnden Schlosses ist bekannt als einer der mächtigsten Zauberer der Welt. Oder vermutlich bekannt als einige Zauberer, da er unter diversen Pseudonymen arbeitet. Er hat einige Eigenheiten, wobei sein Narzissmus vermutlich besonders ausgeprägt ist. So achtet er stets auf sein Äußeres und badet sehr viel. Gesprochen wird er in der japanischen Fassung von Takuya Kimura (JP in Redline) und in der deutschen von Robert Stadlober (Romeo in Die Schwarzen Brüder)

 

Das Wandelnde Schloss ist schon alleine deswegen recht außergewöhnlich, da es sich um eine Adaption einer amerikanischen Buchreihe handelt. Zwar haben auch andere Werke einen gewissen westlichen Charme, aber selbst Kikis kleiner Lieferservice basiert auf einem japanischen Kinderbuch. Resultierend dadurch spiegelt der Film auch etwas weniger die japanische Kultur wieder, wie es andere Ghibli-Filme tun.

 

 

Stattdessen kann der Film aber mit einer Antikriegsbotschaft punkten. So spielt ein Krieg, welcher in der Romanvorlage anscheinend nur nebensächlich erwähnt wurde, eine recht große Rolle. Das Thema soll wohl deswegen im Film präsent sein, um Miyazakis Meinung zum Irak-Krieg widerzuspiegeln. Der Film schafft diese Botschaft auf einer visuellen Ebene gut zu vermitteln, doch fällt es in der Narration ein wenig flach. Auch wenn der Krieg häufiger erwähnt wird, ist er nicht unbedingt elementar für die Handlung und es wird nur ein paar Stellen von den Charakteren gesagt, dass er sinnlos wäre. Aber die politischen Hintergründe des Kriegs werden nirgendwo genau erklärt, weshalb man sich nicht wirklich ein Bild davonmachen kann, ob der Krieg wirklich so sinnlos ist, wie der Film behauptet.

 

 

Weitere Themen, die recht gut behandelt werden, sind Alter und Aussehen. Sophies Fluch - und damit das Altern - wird nicht zwangsweise als etwas Negatives dargestellt. Dies liegt unter anderem daran, dass sie es einfach so hinnimmt, was zugegebenermaßen etwas unrealistisch wirkt. Aber wie Sophie damit umgeht, hat etwas Ermutigendes an sich. Dank des Fluches kann sie einige Sachen hinter sich lassen, die ihr zuvor Sorgen gemacht haben. Dadurch hat der Film eine recht positive Botschaft: Dass es keinen Grund gibt, sich vorm Altern zu fürchten.

 

 

Gerade die Tatsache, dass sie sich nicht mehr so über ihr Äußeres sorgt, sticht dabei heraus. Schönheit ist schließlich nicht alles - was auch eine Lektion ist, die Hauro im Verlauf des Films lernt. Gerade dieser wird zunächst als sehr eitel dargestellt. Diese Lektion lässt sich zudem auch auf die Metaebene übertragen. Sophie verbringt nämlich die meiste Zeit in Form einer Greisin, die optisch an eine gemeine Hexe erinnert. Dies ist sehr untypisch, schließlich ist sie der Protagonist. Gerade in Animes ist man es doch eher gewohnt, gutaussehende oder süße Mädchen in der Hauptrolle zu sehen. Auch wenn Sophies wahre Gestalt diese Kriterien erfüllt, wird dadurch mit typischen Genrekonventionen gebrochen und dazu gehört gerade im animierten Bereich einiges an Mut.

 

 

Ansonsten wird innerhalb der Geschichte ein wenig mit Fantasy- und Märchentropen gespielt. Es ist auch etwas schwer, einen klaren Bösewicht auszumachen. Zwar erfüllt die Hexe aus dem Niemandsland anfangs diese Rolle ganz gut, doch ist es später ein wenig schwer, ihr nicht zumindest ein bisschen Sympathie zu zeigen. Auch die Zauberin Suliman, welche im späteren Verlauf die Rolle des Antagonisten übernimmt, scheint einigermaßen gute Gründe für ihre Aktionen zu haben. Es ist von daher glücklicherweise nicht alles schwarz und weiß gehalten.

 

 

Allerdings ist auch aufgefallen, dass in der Adaption des Buches ein paar Details auf der Strecke geblieben. So werden einige Sachen nicht wirklich erklärt, wie beispielsweise warum der Dämon Calcifer Sophie für etwas Besonderes hält und einige Charaktere wirken, als ob sie eigentlich eine größere Rolle spielen sollten. Dadurch kommen einige Sachen gefühlt aus dem Nichts. Allerdings sind dies zu vernachlässigende Probleme. Letzten Endes ist und bleibt Das Wandelnde Schloss ein unterhaltsamer Film voller positiver Botschaften.

 

 

Im Vergleich zu vorigen Ghibli-Filmen wurde in Das Wandelne Schloss mit wesentlich mehr digitalen Mitteln gearbeitet. Zwar wurde alles wie gewohnt mit der Hand vorgezeichnet und die Charakterdesigns sind immer noch Ghibli-typisch, doch merkt man einen gewissen Unterschied in der Ästhetik und den Farben. Gerade das wandelnde Schloss selbst sticht hervor, wenn es im Bild ist. Doch dies alles ist nichts Schlechtes, denn der Film sieht immer noch atemberaubend schön und zeitlos aus.

 

 

Wie erwähnt wird die Antikriegsbotschaft besonders gut visuell vermittelt, wobei diese auch eine Kritik am Fortschritt der Technologie ist. So sticht besonders eine Szene hervor, in der Sophie und Hauro sich auf einer traumhaften schönen Wiese befinden und die Idylle von einer fliegenden Kriegsmaschine unterbrochen wird. Diese Szene beinhaltet einen sagenhaften Kontrast zwischen Natur und Fortschritt und Krieg und Frieden. Und dann wären da natürlich noch die Stellen, in denen die Kriegsmaschinen zum Einsatz kommen, welche ebenfalls beeindruckend inszeniert sind.

 

 

Die Lokalisierung ist durchaus gelungen, doch ein wenig wünscht man sich, dass man nicht die japanischen Namen übernommen, sondern sich an der Buchvorlage orientiert hätte. So ist Hauros Name im Buch (sowie in der englischen Sprachfassung des Films) Howl. Hauro ist quasi was man bekommt, wenn man Howl nimmt, mit japanischen Schriftzeichen transkribiert und dann vorliest. Passend für japanische Zuschauer, aber für den westlichen hätte man das ruhig wieder anpassen können. Vor allem klingt Hauro einfach im Vergleich zu den überwiegend westlichen Namen im Film etwas sehr japanisch. Aber über diese Meinung lässt sich streiten - was aber nicht wirklich nötig ist, da es bei weitem kein Problem darstellt.

 

 

Die Vertonung ist, wie man es von Ghibli Filmen hierzulande erwartet, erste Klasse. Die Sprecher wurden allesamt super besetzt. Wobei Sophies Sprecherin, Sunnyi Melles, nicht unbedingt perfekt ist. Die Schauspielerin aus der Schweiz ist überragend als alte Sophie, doch ihre Stimme hört sich stellenweise etwas seltsam verstellt an, wenn sie die jugendliche Sophie spielen soll. Sie war eindeutig eine gute Wahl für die Rolle, doch wäre es vielleicht besser gewesen, eine zweite Sprecherin zu engagieren.

 

 

Die Limited Collector’s Edition kommt wie üblich in einem schönen Steelbook, einer Goldmünze und dem Film auf DVD und Blu-ray. Genau das Richtige für Sammler. Digital sind die Extras identisch zu der Standardfassung, aber dieses Mal gibt es wirklich eine Menge. Nicht nur ist wieder das komplette Storyboard des Films enthalten, sondern auch ein paar Interviews und Einblicke hinter die Kulissen.

 

 

Zum einen wäre da eine Reportage zu den im Filme genutzten Computeranimationen. Dann gibt es noch ein Video zur Entstehung der Filmmusik und Hayao Miyazakis Besuch bei Pixar. Dabei sei angemerkt, dass Disney Ghibli Filme in den USA vertreibt und gerade die Beziehung zwischen Pixarchef John Lasseter und Miyazaki dafür verantwortlich ist. So befindet sich auf der Blu-ray nämlich auch ein Interview mit dem Synchronregisseur der englischen Fassung, Pete Docter, welcher unter anderem bei Monster AG, Oben und Alles steht Kopf Regie geführt hat. Dazu gibt es dann noch ein paar Trailer und vor allem ein Interview mit Diana Wynne Jones, der Autorin des Buchs Howl’s Moving Castle (in Deutschland veröffentlicht als Sophie im Schloss des Zauberers, derzeit leider nicht im Druck), auf welchem der Film basiert. Fans können hier einige interessante Sachen lernen.

 

 

+ Gute Handlung mit positiven Botschaften

+ Wunderbare Animation

+ Jede Menge Extras

+ Super Lokalisierung

- Antikriegsbotschaft hätte etwas besser behandelt werden können

- In der Adaption gingen ein paar Dinge verloren

 

Das Wandelnde Schloss ist ohne Frage wieder ein Meisterwerk. Allerdings fallen im Vergleich zu den anderen Ghibli Filmen, die wir bisher unter die Lupe genommen haben, ein paar Makel auf. Dies liegt aber vor allem daran, dass dieser Film auch ein wenig komplexer ist als beispielsweise die unschuldigen Filme Mein Nachbar Totoro oder Kikis kleiner Lieferservice. Und diese Makel sind letzten Endes auch nur sehr nebensächlich in einem wirklichen guten Film

 

Falls ihr Interesse haben solltet, könnt ihr die Limited Collector’s Edition hier bestellen. Falls ihr euch mit der Standardausführung zufriedengeben solltet, findet ihr sie hier auf DVD und Blu-ray.

 

Sämtliche Aussagen dieser Rezension reflektieren lediglich die Meinung des Autoren und nicht die von Crunchyroll und seiner Partner

Andere Topnews

0 Kommentare
Schreib den ersten Kommentar!
Sortieren nach: