Blu-ray Review: Arpeggio of Blue Steel

Ob Mädchen oder Schiff...

Wenn es um komische Settings geht, in denen Mädchen mit irgendwelchen anderen Elementen verbunden werden, ist Japan der absolute Spitzenreiter. Ob Bergsteigen, fragwürdiger Wassersport oder auch Panzerfahren, hier ist so gut wie alles geboten. Allerdings gibt es eine ganz bestimmte Kombination, die etwas mehr heraussticht als es der Rest. Die Rede ist von der Fusion von Mädchen und Militär. Das oben angesprochene Panzerfahren gehört hier unter anderem dazu. Wer glaubt, es hört hier schon auf, täuscht sich. Denn die Kriegsmaschinen werden nicht nur von weiblichen Personen geführt, sondern in manchen Fällen sogar selbst in diese verwandelt - so auch beim heutigen Anime. Und besagte Werke sind keine Seltenheit, wenn man an die Popularität von solchen Titeln wie Strike Witches oder Kantai Collection denkt. Wer also ein gesundes Interesse für personifizierte Schiffe verspürt, dürfte genau das Gleiche für Arpeggio of Blue Steel empfinden.

 

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Die Geschichte beginnt damit, dass die Menschheit im 21. Jahrhundert aufgrund der Erderwärmung einen Großteil der Landmasse verlor. Praktisch im selben Moment erschienen merkwürdige Schiffe, die sogenannte Nebelflotte, welche es sich als Ziel setzte, die Menschen von den Weltmeeren zu vertreiben. Dies hatte zur Folge, dass die Seewege nicht mehr befahren werden konnten und einzelne Länder deswegen voneinander abgeschottet wurden. Keiner wusste mehr, ob der Rest der Welt noch in Ordnung war. Einige Jahre danach kommt ein Junge namens Gunzou Chihaya mit einem Schiff der Feinde in Kontakt, der I-401. Dieses manifestiert sich als ein sogenanntes Mental Model namens Iona, das wie ein Mädchen aussieht. Zusammen versuchen sie zu überleben und kommen dabei der Nebelflotte in die Quere, welche es sich als Ziel setzt, die I-401 zu versenken.

 

Gunzou Chihaya

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Der Kapitän der I-401. Er ist ein ziemlich ernster, aber auch gelassener Typ, der sich nicht unüberlegt in eine Situation stürzt und eine ruhige Hand in Gefahrensituation behält. Auch bei Verhandlungen behält er stets einen kühlen Kopf und setzt die Interessen seiner Crew an erster Stelle. Zusammen mit Iona stellt er sich der Nebelflotte entgegen. Gesprochen im Deutschen von Dirk Stollberg (u.a. Ryouta Sakamoto in Btooom!) und im Japanischen von Kazuyuki Okitsu (u.a. Reiji Andou in Prison School).

 

Iona

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Die personifizierte Gestalt der I-401. Sie ist ein ehemaliges Mitglied der Nebelflotte, verließ diese aber um sich Gunzou anzuschließen. Sie weiß nicht wirklich viel über sich selbst und besitzt eine recht emotionslose Persönlichkeit. Sie sorgt sich aber, ohne dass sie selbst das Gefühl einordnen kann, um ihren Kapitän. Gesprochen im Deutschen von Céline Vogt (u.a. Izuna Hatsuse in No Game No Life) und im Japanischen von Mai Fuchigami (u.a. Nagisa Shiota in Assassination Classroom).

 

Takao


Ein feindliches Schiff der Nebelflotte, das sich der I-401 in den Weg stellt. Sie ist sehr von ihren Fähigkeiten überzeugt, aber den Helden gegenüber auch nicht komplett antagonistisch eingestellt. Außerdem scheint sie nach der ersten Konfrontation Gefallen an Gunzou zu finden. Gesprochen im Deutschen von Fabienne Hesse (u.a. Akio Fudou in Trinity Seven) und im Japanischen von Manami Numakura (u.a. Kano Sazanami in Magical Girl Raising Project).

 

Arpeggio of Blue Steel macht kein Geheimnis daraus, was für ein Anime es sein will: Schon in den ersten Sekunden wird man mit Kampfschiff-Action sowie Fachbegriffen bombardiert. Der große Fokus der Serie liegt daher auf den Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Schiffen, was man im Verlauf des Animes noch zu Genüge zu sehen bekommt. Das ist alles schön und gut, aber außerhalb davon hat sie eigentlich kaum etwas zu bieten. Man merkt hier ganz klar, dass die Charaktere eher nur ein Mittel zum Zweck sind, um die Story voranzutreiben, was wiederum zu mehr Kämpfen führt. Am deutlichsten wird dies durch die Einführung der Crewmitglieder der I-401… oder besser gesagt, das Fehlen dieser. Man zeigt nämlich das Treffen von Gunzo und Iona, allerdings nicht, wie die aktuelle Situation entstand, warum die anderen mit auf das Schiff gegangen sind, wann das überhaupt passierte oder was letztendlich dazu geführt hat, damit sie losgesegelt sind. Hatte Gunzou seine Ausbildung als Kapitän schon abgeschlossen oder diese aufgegeben? Das wird nie konkret beantwortet, wäre jedoch ungemein hilfreich gewesen, um die Motivationen der Charaktere zu verstehen.

 

Diese Schnitzer haben die unangenehme Folge, dass man keinen wirklichen Grund hat, die Helden beim Kampf anzufeuern. Andere Titel, die ein ähnliches Setting aufweisen, starten eher langsam, aber dafür will man bei diesen die Hauptcharaktere gewinnen sehen, weil deren Charaktergrundzüge schon ausreichend vorgestellt wurden. Dies geht sogar so weit, dass bestimmte Nebencharaktere und Antagonisten besser präsentiert werden, als die, für die man eigentlich etwas empfinden soll. Man könnte fast meinen, hier wurden die Rollen vertauscht. Es fehlt der Serie im Kern ein gewisser Anreiz, der einen abseits der Seeschlachten dauerhaft an den Bildschirm fesselt.

 

 

Apropos Seeschlachten, die Schiffsduelle kommen nicht ganz so glimpflich davon, wie der vorherige Text vermuten ließ. Sie sind im Großen und Ganzen ziemlich gut inszeniert und bauen eine ansprechende Atmosphäre auf, lassen allerdings bei der taktischen Komponente zu wünschen übrig. Hier kommen zwar Intelligenz und Intrigen ins Spiel, nur leider ist es dem Zuschauer schlecht möglich, einen Teil der Terminologie dahinter voll zu verstehen – genau wie erfundene Fachbegriffe, die einfach so in den Raum geworfen werden - gerade wenn man keine Ahnung von Schiffen hat. Dies dämpft den Unterhaltungsfaktor etwas, wobei jemand, der eher mit der Materie vertraut ist, sicher mehr Spaß daran hätte. Auf jeden Fall bekommt man hier die Höhepunkte des Titels geboten.

 

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Die Story an sich ist leider nicht so interessant. Im Kern geht es um eine Entität, welche die Existenz der Menschheit bedroht und die man vernichten muss. Das ist der absolute Standardplot bei Animes dieser Art, der mit einer besseren Präsentation so auch funktionieren kann, was hier allerdings nicht der Fall ist. Primär liegt es daran, dass sich der Titel versucht, recht ernst zu präsentieren, nur um an anderen Stellen in die typischen Animemuster zu verfallen, die das Ganze wieder auflockern. Dabei ist Arpeggio of Blue Steel gar nicht mal so inkompetent beim Erschaffen dieser etwas ernsteren Atmosphäre - selbst wenn die Inszenierung noch etwas besser hätte sein können. Was hingegen wieder dem Titel fehlt ist ein klares Ziel für die Protagonisten. Dieses wird im Grunde genommen erst im letzten Drittel der Serie klar aufgezeigt. Vorher hat man kaum eine Ahnung, wohin die Handlung überhaupt geht und das nicht im guten Sinne.

 

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Im Endeffekt führt dies zu einer gähnenden Leere zwischen jeglichen Kämpfen - abgesehen von einigen Ausnahmen wie einer Folge im zweiten Drittel, die sich mehr mit zwei der Antagonisten befasst. Dabei ist das Gezeigte per se nicht wirklich schlecht, aber dafür absoluter Standard in so ziemlich jedem Bereich mit gelegentlichen Schwenkern ins Unterdurchschnittliche. Es fühlt sich einfach so an, als hätten die Autoren das Seminar für 0815-Storys besucht und alles daraus 1:1 auf diesen Anime übertragen. Wenn aber eine eher simple Story sowie primär kaum ausgearbeitete Charaktere nicht stören, der dürfte mit der Action befriedigt werden.

 

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  • Laufzeit: 291 Minuten

  • Bildformat: 16:9, 1.78:1 (1920x1080p)

  • Ton: Deutsch (DTS-HD MA 5.1), Japanisch(DTS-HD MA 2.0)           

 

Normalerweise würde man anhand der obigen Beschreibung sicher denken, der Titel wäre an sich nichts Besonderes. Tja, falsch gedacht, denn es gibt ein Element von Arpeggio of Blue Steel, das sich klar von den meisten anderen Animes abhebt: Die Optik. Anstatt die üblichen zweidimensionalen Zeichnungen zu verwenden, wurden hier durch die Bank 3D-Modelle und -Animationen verwendet. Im ersten Moment scheint dies keine schlechte Wahl gewesen zu sein, zumindest wenn man sich die ersten Minuten von Folge 1 anschaut. Insbesondere die Schiffe profitieren hiervon, da diese sich – bis auf Transformationen – kaum selbst bewegen müssen. Nicht nur das, auch der Detailgrad ist verhältnismäßig hoch, immerhin kann man, anders als bei 2D-Modellen, diese mehrmals verwenden, anstatt sie jedes Mal neu zu zeichnen. Ebenso ansprechend sehen daher eigentlich alle Maschinen aus, deren Einzelteile sich nicht sonderlich viel bewegen müssen.

 

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Leider ist die Qualität der Charakterdesigns und -modelle nicht durchgängig so hoch wie bei den Schiffen und selbst da wäre noch etwas mehr drin gewesen. Darüber hinaus sehen alle Charaktere, außer den gegnerischen Schiffen und der Crew der I-401, etwas unschön aus und haben leicht hölzerne Animationen. Das hört sich schlimmer an, als es letztendlich aussieht, nur wird es halt ziemlich deutlich, wenn man die guten Designs und die schlechteren zusammen auf dem Bildschirm sieht. Auf jeden Fall ist es nicht so schrecklich, wie man es von einem reinen CGI-Anime erwarten könnte. So mancher wird den Stil vielleicht nicht mögen und verglichen mit üblichen Serien ist es auch gewöhnungsbedürftig, aber wenn man sich daran gewöhnt, stört es nicht mehr so viel und hat auch einiges zu bieten.

 

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Was allerdings leider sicher nicht so funktioniert wie es soll, sind die Gesichtsanimationen - gerade im Fall von Iona. Diese sehen oft so aus, als hätte man einen Fisch mit einem toten Blick in ein Mädchen verwandelt. Generell fehlt im Anime etwas mehr Bewegung im Gesicht. Es ist auf der einen Seite schon verständlich, dass Iona als ziemlich emotionsloser Charakter nicht viele Gefühle in ihrem Ausdruck zeigt, aber so wie es in der Serie selbst aussieht, wirkt es einfach nicht gut. Am Ende sind dies zwar nur Ausnahmen, die aber leider zu stark auffallen, um sie hier nicht kurz zu erwähnen.

 

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Auf musikalischer Ebene wird einem ein recht generisches Orchester inklusive Chor geboten, das zwar nicht wirklich heraussticht, aber die einzelnen Szenen schön untermalt. Hier funktioniert es, wie schon andere Elemente zuvor, am besten in Verbindung mit der Action. Der energiegeladene OST fügt sich hierbei gut in die hektischen Kämpfe ein und gibt so einem zumindest die Illusion, dass etwas auf dem Spiel steht und man sich darum sorgt. Die Musik versucht damit möglichst Schadensbegrenzung zu betreiben und die fehlende Charaktertiefe mit epischen Klängen zu übertünchen. Opening sowie Ending sind leider nichts Besonderes, aber haben einen recht netten Klang, selbst wenn ihnen Tiefe fehlt – im Grunde genommen ist es also wie die Story.

 

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Bei der Lokalisation ist die Qualität der Übersetzung recht durchwachsen. Einige Elemente sind gut getroffen, andere wiederum nicht. Was im Prinzip noch relativ gut dasteht, ist das Skript für die deutsche Vertonung. Man kann den Gesprächen einigermaßen gut folgen, obwohl die Dialoge an manchen Stellen schon recht hölzern sind - wobei das in dem Fall eher ein Problem des Animes selbst ist als das der Übersetzung. Die Stimmen, welche die Gespräche vertonen, sind recht gut gewählt worden, wenngleich es bei einigen der emotionslosen Schiffe nicht ganz funktioniert hat, diese Eigenart im Deutschen hervorzubringen. Gerade manche der Sätze von Céline Vogt wirken da eher lustlos als emotionslos. Hier ist es nicht ganz klar, ob es Schwierigkeiten gab, die Tonlage so in die eigene Sprache zu übernehmen oder ob die Stimme schlicht nicht dafür geeignet war. Eine gute Figur gibt hingegen Dirk Stollberg als Gunzou ab, der eine konstant gute Leistung abliefert und das ruhige Gemüt seines Charakters angemessen einfängt. Abseits von den Hauptrollen ist die Qualität hingegen recht schwankend, von absolut Durchschnittlich bis ganz gut. Eine herausragende Leistung war leider nicht zu hören, aber die Gesamtleistung kann auf jeden Fall als annehmbar eingestuft werden, wenngleich bei der Aussprache einiger japanischer Begriffe etwas gepatzt wurde.

 

Was hingegen weniger gut ausgefallen ist, sind die Untertitel. Man scheint sich hier für die Texte eher an dem japanischen Skript orientiert zu haben, dafür werden aber an vielen Stellen Sätze geboten, die sich sehr unnatürlich lesen lassen oder bei denen man umständlich einen gängigen Ausdruck beschreibt. Dies wird besonders deutlich, wenn man das deutsche Skript für die Vertonung mit den Untertiteln vergleicht. Ein bisschen Annäherung an die originale Bedeutung ist ja schön und gut, allerdings muss man einen gewissen Lesefluss schon noch aufrechterhalten. Hier müsste man die richtige Balance zwischen akkurater Übersetzung und schönem Deutsch noch finden. Fehler selbst waren im Text dafür keine vorhanden, wenngleich die Auslassungspunkte immer noch ohne Leerzeichen und damit schlicht falsch an das Ende einer Aussage gehängt werden.

 

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  • Actiongeladene Seeschlachten

  • Interessante CGI-Animationen

  • Story und Großzahl der Charaktere lassen zu wünschen übrig

  • Einige der Untertitel wirken ziemlich unnatürlich

 

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Am Ende lässt sich Arpeggio of Blue Steel als ein ziemlicher Durchschnittsanime bezeichnen, der versucht einiges durch die Action rauszuholen, aber sich mit der recht stumpfen Story sowie unterentwickelten Charakteren selbst ein Bein stellt. Am interessantesten dürften hier wohl immer noch die Schiffsthematik sowie die 3D-Animationen sein, von denen man angenehm überrascht wird. Zu viel erwarten sollte man auf jeden Fall nicht und das Potenzial, sich zu langweilen, ist auf jeden Fall da - wer sich jedoch reinhängt (und ein gewisses Interesse für Schiffe aufweist), kann durchaus auch Gutes an dem Titel finden.

 

Falls ihr interesse an der Serie haben solltet, könnt ihr sie hier auf DVD und Blu-ray bestellen. Alternativ könnt ihr die Serie auch bei uns ansehen.

 

Sämtliche Aussagen dieser Rezension reflektieren lediglich die Meinung des Autoren und nicht die von Crunchyroll und seiner Partner

 

© Ark Performance / Shonengahosha, Arpeggio partners

 

  • GreySilencer




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