Blu-ray Review: Code Geass: Akito the Exiled 3+4

Endlich gehts weiter

Es ist kaum zu glauben, doch es ist schon beinahe zwei Jahre her, seitdem wir einen Blick auf Code Geass Akito the Exiled 1+2 geworfen haben. Und nun, da wir uns endlich auf eine Fortsetzung der Serie in Form von Code Geass: Lelouch of the Resurrection freuen können, bringt Kazé endlich auch die restlichen drei Akito OVAs nach Deutschland. Uns wurde freundlicherweise eine Kopie von Episode 3 und 4 zur Verfügung gestellt, damit wir euch sagen können, ob es sich lohnt.

 

 

Nach dem letzten Einsatz der W-0-Einheit kann sich Leilas Trupp ein wenig zurücklehnen - zumindest in der Theorie. Praktisch gesehen hat es Leilas ehemaliger Vorgesetzter auf sie abgesehen, nachdem er seine Stellung an sie verloren hat. So blockt dieser die IDs der W-0-Einheit, wodurch ihnen der Eintritt in die Militärbasis und Zugriff auf Geldkonten verwehrt bleibt. Zeitgleich erhält Euro-Britannia Verstärkung in Form des Strategen Julius Kingsley, welcher sogleich einen Plan vorstellt, um die Bundesrepublik Europa zu bezwingen. Doch Shin Hyuga Shaing hat eigene Pläne…

 

Shin Hyuga Shaing:



Akitos älterer Bruder wurde von einer britannischen Familie adoptiert und hat es zu einem hohen Rang innerhalb des Michael-Ritterordens geschafft. Er verfügt über ein Geass, welches augenscheinlich über ähnliche Fähigkeiten wie das von Lelouch verfügt. So benutzte er dies, um die Führungsposition innerhalb des Ritterordens einzunehmen und seinem kleinen Bruder zu befehlen, zu sterben. Letzteres hat allerdings nicht funktioniert, auch wenn Akito selbst nach Jahren noch unter dessen Einfluss ist. Gesprochen wird er in der japanischen Fassung von Masaya Matsukaze (Yasuhiro Hagakure in Danganronpa) und in der deutschen Fassung von Jaron Löwenberg (Shizuo Heiwajima in Durarara!!)

 

Julius Kingsley:


Definitiv nicht Lelouch! Nein, die beiden sehen sich überhaupt nicht ähnlich. Und die Augenklappe ist garantiert nicht da, um sein Geass zu verstecken. Niemals. Julius spricht mit der Autorität des Britannischen Kaisers, sodass alle seinen Befehlen folgen müssen - eine Tatsache, über welche die Führungskräften Euro-Britannias nicht unbedingt glücklich sind. Auch seine Strategien, welche an die des Terroristen Zero erinnern, finden nicht sehr viel Anklang - trotz ihrer Effizienz. Gesprochen wird er in der japanischen Fassung von Jun Fukuyama (Koro-Sensei in Assassination Classroom) und Nico Sablik (Genos in One-Punch Man, Harry Potter) in der deutschen.

 

Die ersten zwei Episoden von Akito the Exiled unterschieden sich vor allem durch eine eher zynische Atmosphäre von der Hauptserie. Diese bleibt zwar auch hier erhalten, doch startet die dritte Episode mit einer großen Atempause. Da die W-0-Einheit nicht in die Basis zurück kann und von finanziellen Mitteln abgeschnitten ist, sind ihre Mitglieder quasi obdachlos in Warschau unterwegs. Glücklicherweise werden sie aber von einer Gruppe älterer Zigeunerdamen aufgenommen, die ihnen Unterkunft und Essen im Austausch für ein wenig Arbeit bieten.

 

 

Und das ist eigentlich das Kernproblem der Episode. Zwar wurden einige Charaktermomente eingearbeitet, doch dieser gesamte Abschnitt fühlt sich dennoch überflüssig an. Die Handlung kommt quasi zu einem Stillstand, wenn man davon absieht, dass es hervorhebt, wie behütet Leila aufgewachsen ist. Und natürlich wird dies in ein lächerliches Extrem gezogen. Leila praktiziert aktiv Akido, aber kommt sofort ins Stolpern, wenn sie ein Teller mit Essen von A nach B bringen soll… Ja, natürlich. Es fühlt sich an wie Filler und eine Entschuldigung, die Hauptcharaktere in ein paar exotische Outfits zu pressen.

 

 

Auf der britannischen Seite sind die Sachen jedoch wesentlich interessanter. So wird sich unter anderem damit auseinandergesetzt, dass Euro-Britannia nicht unbedingt glücklich mit der Distanz zum Kaiser ist. In einem etwas ironischen Twist erinnert Euro-Britannias Beziehung zum restlichen Britannischen Imperium an die Beziehung zwischen Großbritannien und den amerikanischen Kolonien vor dem Unabhängigkeitskrieg (ironisch, da das Britannische Imperium auf dem amerikanischen Kontinent beheimatet ist). So stößt der arrogante Julius Kingsley den euro-britannischen Aristokraten natürlich übel auf, wenn er anfängt, sie herumzukommandieren.

 

 

Julius ist außerdem in der Begleitung Suzakus, welcher natürlich auch ein paar Szenen für sich gewidmet bekommt. Allerdings hat man letzten Endes ein wenig das Gefühl, dass die beiden ein wenig zu kurz kommen. Sie stehlen zwar in ihren jeweiligen Szenen die Show, doch werden sie relativ schnell in den Hintergrund gedrängtm um Platz für Shin zu machen. Dennoch ist Julius' Plan wohl einer der wichtigsten Punkte innerhalb der Serie und beschleunigt die Handlung wieder, nachdem sie aufgrund der Zigeunerszenen zum Stillstand gekommen ist.

 

 

Problem an der Sache ist, dass dieser nicht ganz so gut durchdacht wirkt, wie man es von Code Geass gewohnt ist. Zuallererst einmal beinhaltet dieser Plan, einen Stromausfall in GANZ Europa zu verursachen. Britannia behauptet, dass sie ein Kraftwerk in der Nordsee gesprengt hätten, um das zu erreichen, wobei dies später als Lüge entlarvt wird. Folgende Probleme: Es wird impliziert, dass ganz Europa Energie von nur einem Kraftwerk bezieht. Diese Tatsache allein ist ziemlich fragwürdig, auch wenn ein Sakuraditkraftwerk vermutlich genug Energie dafür erzeugt, da es so wäre, als ob man eine große Zielscheibe auf einem Globus zeichnet. Dann wäre da noch die Frage, wie Britannia überhaupt in der Lage war, einen Stromausfall zu bewerkstelligen, wenn das Kraftwerk in Wirklichkeit unbeschädigt ist? Leider hält die OVA es nicht für nötig, dieses Detail zu erklären.

 

 

Dann wären da natürlich noch die direkten Folgen des Stromausfalls. Kingsley bekennt sich (ohne seine Identität preiszugeben) für den Anschlag und ruft zum Aufstand der europäischen Bürger auf. Er verbreitet Gerüchte, dass es auch zu Aufständen gekommen ist, was wirklich zu Aufständen führt, was wiederum auch die Führungskräfte Europas regierungsunfähig macht. So wie es hier dargestellt ist, fragt man sich, wie die Bundesrepublik Europa überhaupt so lange bestehen konnte. Der Plan Kingsleys war recht clever, doch die Folgen sind weitaus weitragender als sie sein sollten. Genauso ist die Tatsache, dass eine Rede von Leila genug ist, um alles wieder geradezurücken, etwas unglaubwürdig, auch wenn sie die Tochter eines beliebten Politikers ist. Es wirkt von daher, als ob die OVA-Reihe sich für viel cleverer hält als sie ist, dabei aber möglichst versimpelt, bis die „Willing Suspension of Disbelief“ so strapaziert ist, dass man nur noch den Kopf gegen die nächste Wand hämmern möchte.

 

 

Nachdem man dies alles verdaut hat, kann Episode 4 jedoch wieder mit reichlich Spannung punkten. Hier geht es hauptsächlich wieder um die Auseinandersetzung zwischen der W-0-Einheit und euro-britannischen Kräften und gerade Shin und ein paar seiner Untergebenen des Michael-Ordens kriegen ein paar sehr gute Szenen spendiert. Aber auch hier schafft es eine unglaublich naive Aussage in die Episode: Als Leila davon erfährt, dass Shin plant, den Kaiser Britannias umzubringen, reagiert sie geschockt, dass dies einen Weltkrieg auslösen würde… Und wie bitte schön sollte man die derzeitige politische Lage innerhalb der Welt bezeichnen?


Okay, zu diesem Zeitpunkt ist die Chinesische Föderation nicht aktiv im Krieg mit den anderen beiden Großmächten, doch Britannia und Europa bekriegen sich seit Jahren. Nicht nur auf dem europäischen Festland, auch in Afrika. Für Europa würde sich kaum etwas ändern, sollte dieser Anschlag gelingen. Ganz im Gegenteil: Europa befindet sich bestenfalls in einer Pattsituation mit Britannia, aber es wird angedeutet, dass sie eher am Verlieren sind, also wäre ein Machtvakuum innerhalb Britannias das Beste, was dem europäischen Militär passieren könnte. Nun gut, es könnte China motivieren, aktiv am Krieg teilzunehmen, doch wäre dies sowieso nur eine Frage der Zeit.

 

 

Letzten Endes ist die Handlung immer noch mitreißend, doch leider fühlt sich besonders Episode 3 gestreckt an und beide Folgen versimpeln die politische Aspekte der Serie so sehr, dass es etwas unglaubwürdig wirkt. Doch individuelle Charaktermomente können immer noch überzeugen.

 

 

Man merkt, dass die lange Produktionszeit zwischen der zweiten und dritten Episode gut genutzt wurde, um alles auf Hochglanz zu polieren. Die ersten beiden sahen zwar schon gut aus, doch die mit CG zum Leben erweckten Knightmareframes stachen in diesen doch heraus. Diese sind zwar auch hier immer noch CG-animiert, doch die Animation ist nun flüssiger und die Modelle verschmelzen weitaus besser mit dem Hintergrund, wodurch sie viel natürlicher wirken. Gerade die Kampfszene, in der Suzakus Lancelot zum Einsatz kommt, ist ein einziges Highlight.

 

 

Soundtrack-technisch fühlen sich dieses Mal die Jazzeinflüsse, welche man auch in der originalen Serie wiederfindet, wieder etwas mehr betont, wo sie in den ersten beiden Episoden etwas untergegangen sind. Dadurch fühlt sich der Soundtrack dieses Mal einfach viel mehr nach Code Geass an.

 

 

Die Übersetzung ist wie bei den ersten beiden eigentlich recht genau und es gibt kaum etwas an ihr auszusetzen. Die Untertitel sind wieder einen kleinen Tacken genauer, aber wie schon bei den ersten beiden Episoden gelb (Kazés damalige Umfrage geschah erst nach Release der ersten Folgen und somit bleibt man hier nur konsistent)

 

Sprechertechnisch ist es erfreulich zu sehen, dass die Sprecher der TV-Serie wieder verpflichtet wurden, um ihre Charaktere zu spielen - wobei Nico Sablik einfach das gewisse Etwas fehlt, um Jun Fukuyamas Performance als Julius Kingsley gerecht zu werden. Allerdings ist es auch sehr schwer, mit Fukuyama mitzuhalten und Sablik leistet immer noch gute Arbeit.

 

Allerdings wäre da noch Florian Klein in der Rolle des Yukiya. Wir hatten bereits in unserer ersten Review angemerkt, dass seine Stimme etwas unpassend wirkt. Dazu wirkte seine Stimme damals recht emotionslos, was zu diesem Zeitpunkt aber auch einigermaßen zum Charakter gepasst hat, nun in einigen Szenen, wo er tatsächlich Emotionen zeigen soll, störend auffällt. Aber nicht nur er, auch Zeilen einiger anderer Charaktere wirken etwas lustlos aufgenommen. Die Qualität stimmt zwar insgesamt, doch die Vertonung lässt an einigen Stellen zu wünschen übrig.


 

Digital gibt es mit Ausnahme von ein paar Trailern wieder nichts, doch dieses Mal liegen gleich 3 Booklets bei. Jeweils eins für die dritte und vierte Folge und eines voller Konzeptzeichnungen für die unterschiedlichen Charaktere der Serie, welche durchaus einen Blick wert sind.

 

Der Inhalt der beiden Episodenbooklets ist vergleichbar mit den Booklets der ersten beiden Folgen. Ein paar Charakterprofile, Hintergrundinformationen, die nicht explizit in der Serie erklärt werden, ein paar Keyframes, jeweils ein Interview und eine Rubrik, die Leilas Katze gewidmet ist und zum Schmunzeln anregt.  

 

 

+Es bleibt spannend

+Bekannte Gesichter (und Stimmen)

+Animationsqualität ist gestiegen

-Einige Handlungselemente sind fraglich

-Hält sich für viel cleverer als es ist

-Episode 3 ist gefühlt zur Hälfte Filler

 

Für Fans von Code Geass bleibt Akito the Exiled definitiv sehenswert. Wenn man sich mit ihnen auseinandersetzt, sind die Schwächen innerhalb der Handlung zwar störend, doch die Story selbst ist immer noch fesselnd genug, dass man sie weiter verfolgen möchte. Nun bleibt es nur noch auf Folge 5 zu warten.

 

Falls ihr Interesse an Code Geass: Akito the Exiled 3+4 haben solltet, könnt ihr die Blu-ray hier bestellen. Alternativ könnt ihr die komplette Reihe auch auf Anime on Demand streamen.

 

Sämtliche Aussagen dieser Rezension reflektieren lediglich die Meinung des Autoren und nicht die von Crunchyroll und seiner Partner

 

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