Blu-ray Review: Shirobako Volume 1

Ein Anime über Anime

Offensichtlich sind wir hier alle Anime-Fans. Aber habt ihr euch jemals gefragt, wie ein Anime eigentlich entsteht? Genau darum geht es nämlich in Shirobako. Aber taugt dieser Anime über Anime etwas? KSM hat uns die erste Volume zukommen lassen, damit wir euch das verraten können!

 

 

An der Highschool bildeten Aoi und ihre Freundinnen einen Animationsclub. Sie haben sogar ihren eigenen Kurzfilm produziert und haben sich dann geschworen, alle in der Anime-Industrie Karriere zu machen. Jahre später scheint auch allen der Einstieg gelungen zu sein und Aoi ist an der Produktions des originalen Animeserie Exodus! beteiligt…

 

Aoi Miyamori:


Aoi arbeitet als Produktions-Assistentin bei Musashino Animation. Ihr Job ist es quasi dafür zu sorgen, dass alles nach Plan verläuft und jeder seine Arbeit erledigt - was wesentlich komplizierter ist, als man meinen sollte. Ungleich ihrer Freunde hat sie aber kein direktes Ziel vor Augen, welche Position sie letztendlich einnehmen möchte. Ihre Stimme leiht sie sich in der japanischen Fassung von Juri Kimura (Lefiya Viridis in DanMachi) und in der deutschen von Jamie Lee Blank (Chihiro Fujisaki in Danganronpa).

 

 

Wie bereits erwähnt ist Shirobako ein Anime über die Entstehung von Animes. So geht es in den vier Folgen der ersten Volume hauptsächlich um die Produktion der Magical-Girl-Serie namens „Exodus!“. Der Konflikt rührt von daher hauptsächlich von knappen Deadlines und den Problemen, die während der Produktion eines Animes nun einmal aufkommen. Dementsprechend gibt es natürlich keinen direkten Antagonisten oder Vergleichbares.


 

Man kann natürlich davon ausgehen, dass wir es mit einer etwas idealisierten Version der Anime-Industrie zu tun haben, was aber nicht heißt, dass alles Friede, Freude, Eierkuchen ist. So wird sehr gut dargestellt, wie abhängig die einzelnen Arbeitsschritte voneinander sind und wie schwerwiegend der geringste Fehltritt in so einer Produktion sein kann. Unter anderem wird auch gezeigt, wie sich einer der Zeichner überarbeitet, um die Keyframes bis zur Deadline fertig zu kriegen.

 

 

Der idealistische Part kommt natürlich daher, dass letzten Endes alles funktioniert und die Deadlines entgegen aller Erwartungen doch eingehalten werden. Besonders in einer Folge, in welcher der Direktor sich über die Inszenierung einer Szene beschwert hat und die kurzfristig komplett neu eingespielt und animiert wurde. Die Entscheidung dies zu tun wurde zwar auch innerhalb der Serie diskutiert und vor allem auch kritisiert, doch hatte man sich doch dafür entschieden trotz der knappen Deadline die Keyframes neu zeichnen zu lassen. Künstlerische Integrität hin oder her, im realen Leben hätte man vermutlich die originale Fassung verwendet und man hätte vielleicht eine überarbeitete Fassung für die Blu-ray Veröffentlichung fertiggemacht.

 

 

Aber wie gesagt, diese Vorgehensweise wird auch in der Serie kritisiert und es wird öfters darauf hingewiesen, dass wegen solcher Lappalien eine vorige Serie des Studios im Chaos endete und das Team immer noch mit den Folgen zu kämpfen hat.

 

Es war auch ganz nett zusehen, wie Social Media in die Serie mit eingebaut wurde und das gesamte Animationsstudio nach Premiere ihrer neuen Serie aufs Handy starrt um zu sehen, wie die erste Folge online so angekommen ist. Dabei werden die Vor- und Nachteile des sofortigen Feedbacks einigermaßen unter die Lupe genommen und wie abhängig Serien heutzutage von Onlinediskussionen sind. Eine Serie, über die Leute nicht aufhören können zu tweeten, wird ja ohne Frage zu einem großen Erfolg sein. Aber natürlich verbreitet sich auch negatives Feedback, was das Ende einer Serie bedeuten könnte.


 

Die Charaktere machen bisher keinen sonderlich tiefgründigen Eindruck, haben aber einen gewissen Charme. Aois Schulfreunde spielen derzeit nur eine untergeordnete Rolle. Nur Shizukas Schwierigkeiten, eine vernünftige Rolle als Sprecherin zu finden, wurden bisher angeschnitten. Von daher liegt der Fokus eher auf Aoi selbst und ihre Kollegen im Studio. Jeder Charakter hat so seine Eigenheiten, derzeit wirkt aber kein Charakter außerordentlich interessant.

 

 

Es sei gesagt, dass die Serie auch nicht so sehr von Comedy lebt, wie man vielleicht glaubt. Einige Sachen sollen eindeutig zu Lachern führen, doch sind die Witze eher flach. Der eigentliche Charme der Serie liegt einfach darin, die Produktion eines Animes mitzuerleben. Und dieser Charme ist genug, die Serie einigermaßen mitreißend zu machen und es gibt noch eindeutig Potential nach oben.

 

 

In der Serie sind die Angestellten des Animationsstudios die ganze Zeit unter Druck, eine qualitativ hochwertige Serie zu produzieren. Es wäre von daher sehr zynisch, wenn Shirobako den innerhalb der Serie gesetzten Standards nicht gerecht werden würde. Die Hintergründe sind relativ detailreich und die Animation ist stets flüssig. Die Serie ist nun nicht unbedingt technisch bahnbrechend, aber dennoch schön anzusehen.

 

 

Dabei können lustigerweise die Konzeptzeichnungen und Keyframes an denen die Charaktere arbeiten häufig am meisten beeindrucken sein, da man auf ihnen das kleinste Detail erkennen kann, wodurch sie überraschend realistisch wirken. Die Serie wäre vermutlich damit davongekommen, wesentlich gröbere Skizzen zu verwenden oder aber diese möglichst nicht direkt zu zeigen, doch hier wurde sich viel Mühe gegeben.

 

 

Etwas enttäuschen tun allerdings die Charakterdesigns. Diese fühlen sich ein wenig generisch an, was aber nicht wirklich das Problem ist, da sie immer noch recht nett anzusehen sind. Das Problem liegt eher darin, dass die Charaktere einfach selbst etwas zu animehaft wirken.


Natürlich hört sich dies erstmals nach einen etwas seltsamen Kritikpunkt an, schließlich reden wir hier ja über einen Anime. Doch sehen gerade die weiblichen Charaktere zu sehr wie typischen Anime-Mädels aus und wenn man die Designs der „Exodus!“ Charaktere daneben hält, ist es schwer zu sagen wer jetzt der echte Mensch und wer die Animefigur innerhalb der Serie sein soll. Ein guter Vergleich in dieser Hinsicht ins Bakuman. Zwar ist Bakuman mehr über die Manga-Industrie und weniger über Animes, doch das Konzept ist letzten Endes sehr ähnlich. So konnte man stets am Zeichenstil erkennen, welche Charaktere nun im Rahmen der Story „real“ waren und welche Charaktere zu den fiktiven Mangas gehören. Ein etwas distinktiver und realistischer Zeichenstil oder ein etwas überspitzter für die fiktiven Charaktere (oder eine Mischung von beiden) wäre besser gewesen.

 

 

An der Übersetzung gibt es nichts wirklich auszusetzen. Sie macht eine recht genauen Eindruck und man kann den Dialogen gut folgen. Auch die Sprecher leisten allesamt überzeugende Arbeit, auch wenn bisher niemand wirklich heraussticht. Eine wirklich angenehme Vertonung. Einzig eine Tatsache ist uns ein wenig komisch vorgekommen. So werden ein paar Fachbegriffe herumgeworfen und man war sich anscheinend nicht ganz einig, ob man nun mit eingedeutschten oder englischen Begriffen arbeiten wollte. So spricht man manchmal von Keyframes und dann von Schlüsselbildern, während die Untertitel es genau umgekehrt machen. Kein wirklicher Kritikpunkt, aber es wäre schön, wenn die Übersetzung etwas einheitlicher wäre.

 

 

+Einsicht in die Anime-Industrie

+Gute Animation

-Charakterdesigns sind etwas zu generisch und animehaft

-Bisher etwas uninteressanter Cast

 

Der größte Makel an Shirobako ist der etwas uninteressante Cast, wobei es nach vier Episoden etwas schwer ist, dies zu beurteilen. Doch die einzelnen Arbeitsschritte anzusehen und mit anzusehen, ob das Produktionsteam es schafft, die Deadline zu treffen, ist überraschend aufregend. Nach diesen vier Episoden kann man Shirobako nun nicht unbedingt als überragend bezeichnen, doch wer eine Idee davon haben möchte, wie es so in einem Animationsstudio ablaufen könnte, dem kann man diese Serie ohne weiteres empfehlen.

 

Falls ihr Interesse an Shirobako Volume 1 haben solltet, könnt ihr sie hier auf DVD un Blu-ray bestellen.

 

Sämtliche Aussagen dieser Rezension reflektieren lediglich die Meinung des Autoren und nicht die von Crunchyroll und seiner Partner

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