Ersteindruck: Junji Ito Collection

Es schlägt zur Geisterstunde

Süße Mädels hatten wir in dieser Season ja nun schon so einige, egal ob beim Campen, mit einer Schüssel Ramen oder auf dem Weg zum Südpol. Doch wird es da nicht langsam Zeit, ein gewisses Kontrastprogramm zu schaffen? Ob dieser neue Serienstart euch das Schaudern lehrt, erfahrt ihr hier.

 

Ich muss zugeben, noch nie einen Manga Junji Itos gelesen zu haben und wusste daher nur grob, worauf ich mich einlassen würde. Gezeigt werden hier Kurzgeschichten, in der ersten Folge zwei Stück davon, welche ca.18 Minuten und drei Minuten einnehmen. Für die nächsten Zeilen beschränke ich mich daher auf die längere Geschichte.

 

 

Soichi findet sich toll. Er hält sich für intelligent, beliebt, interessant und einen Mädchenschwarm – leider ist er der einzige, der so denkt. Doch Einbildung ist ja bekanntlich auch eine Bildung und so perlt jede Kritik und jedes negative Wort schlicht an seiner Fassade aus selbst empfundener Grandiosität ab.

 

Neben unübertroffener Selbstherrlichkeit verachtet unser unsympathischer Protagonist jedoch auch gleichzeitig seine Mitmenschen. Besonders im Kreise der Familie kommt dies zum Ausdruck, für die er kein gutes Wort übrig hat und sie bestenfalls ignoriert. Leider kennen seine Geschwister jedoch auch all seine Schwächen, und so ist es zumindest zuhause schnell vorbei mit der Selbstliebe.

 

 

Seinen Frust, den er dort erfährt, lebt er dann allerdings in Form seines einzigen echten Talents aus. Er verflucht Menschen, die es „verdient“ hätten und verpasst ihnen Schmerzen oder einen Schrecken. Bis auch ihm eines Tages etwas blüht…

 

Wirklich gegruselt habe ich mich zugegebenermaßen nicht, was ich allerdings auch nicht erwartet habe. Horror-Anime sind selten wirklich gruselig und driften in der Regel eher entweder in Richtung Mystery bzw. Splatter ab oder enden schlicht unfreiwillig komisch. Auch diese Serie geht, zumindest in der ersten Folge, diesen Weg und driftet eher ins Skurrile und Groteske ab, als wirklich durch Spannung zu fesseln.

 

 

Dabei ist der gesamte Ton des Anime wirklich düster gehalten und die Charakterdesigns sind der Atmosphäre ebenfalls angepasst. Leider sind weder Zeichnungen noch Animationen herausragend und schon in dieser ersten Folge ist auffällig, dass wohl nicht das größte Budget für detailreiche Hintergründe oder komplett flüssige Animationen vorhanden zu sein scheint. Das Opening war dafür recht eingängig, die Hintergrundmusik stimmig.

 

Einen echten Schrecken wird die Serie also wohl niemandem einjagen, dafür aber sicherlich viel Merkwürdiges, Grausiges und Absonderliches bieten. Wobei man jedoch beachten sollte, dass es sich um einen episodischen Anime handelt und die Qualität somit mit jeder Folge aufs Neue steigt oder fällt.

 

 

Wer bereits Fan Junji Itos ist, allgemein auf Horror-Anime oder schlicht Groteskes steht oder auch nur ein Kontrastprogramm zu all den anderen zuckersüßen Serien dieser Season braucht, sollte bei Junji Ito Collection zumindest einen Blick riskieren. Wem es nach einer zusammenhängenden Handlung oder grandiosen Zeichnungen verlangt, der wird hier hingegen nicht glücklich.

 

- Saezurigai

 

Verfolgt den Horror direkt hier auf Crunchyroll

 

Sämtliche Aussagen dieser Rezension reflektieren lediglich die Meinung des Autors und nicht die von Crunchyroll und seiner Partner.




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