Recovery of an MMO Junkie: MMOs und Onlinefreundschaften

Freunde findet man überall - auch in virtuellen Welten

Der Titel von Recovery of an MMO Junkie ist, wenn man sich die Serie ansieht, ein wenig irreführend. Vom Namen her würde man ja eigentlich eher vermuten, dass es um eine Person geht, die versucht mit dem Zocken aufzuhören, und nicht um eine Dame, die ihren Job kündigt, um ihr Lieblings-MMO 24/7 zu spielen. Aber zum Titel der Serie sieht man ja im Opening, ist der Name der Serie ja noch mit „Recommendation of the Wonderful Virtual Life“ untertitelt. Die Empfehlung des wunderbaren virtuellen Lebens klingt doch gleich etwas positiver in Bezug auf Videospiele.


 

Und eigentlich passt dieser Untertitel auch wesentlich besser zur Serie als ihr eigentlicher westlicher Titel. Wenn man die Serie zynisch betrachten möchte, könnte man meinen, dass sie die MMO-Sucht romantisiert, was aber nicht wirklich der Fall ist. Morikos selbst erwählter Neet-Lifestyle wird nicht wirklich als etwas Positives dargestellt, sie selbst schämt sich für diesen und es wird einem schon bewusst gemacht, dass solch ein Leben nicht gesund ist. Es wird aber eher nebensächlich behandelt und am Ende der Serie ist Moriko immer noch derselbe MMO-Junkie wie eh und je - wenn auch mit mehr sozialen Kontakten, welche sie hin und wieder mal aus dem Haus zwingen. Neben der Romanze zwischen Moriko und Yuta Sakurai wird stattdessen eigentlich eher thematisiert, was das Spielen eines MMOs so ansprechend macht.

 

 

Der Gameplay-Aspekt wird dabei auch eher außen vorgelassen, wobei dieser vielleicht der offensichtlichste Grund ist. Es ist ja schließlich einfach seine Sorgen zu vergessen, wenn man ein Spiel zockt, welches einem Spaß macht. Aber in der Serie steht eher der soziale Aspekt eines MMOs im Vordergrund. Dies ist, was MMOs ja so einzigartig macht. Man spielt es nicht alleine, sondern mit hunderten Leuten auf einem Server. Selbst wenn man hauptsächlich solo unterwegs ist, kann man kaum irgendwo hingehen, ohne auf andere Spieler zu treffen. Und früher oder später steht man vor einer Herausforderung, die man alleine nicht überwinden kann.

 

 

Man ist von daher gezwungen, mit anderen Spielern zusammenzuarbeiten und bildet eine Gruppe, um sich harten Kämpfen zu stellen. Moderne MMOs bieten dafür inzwischen diverse Features, welche die Gruppenbildung erleichtern und die soziale Interaktion auf das Nötigste reduzieren. In World of Warcraft beispielsweise kann man sich seit einigen Jahren im Dungeon Finder anmelden und wird automatisch einer kompletten Gruppe zugeteilt. Je nach Schwierigkeitsgrad wird sich durch einen Dungeon ohne weiteres durchkämpfen, ohne auch nur ein Wort mit seinen Mitspielern zu wechseln.


Doch um wirklich alles zu sehen, was das Spiel zu bieten hat, muss sich der Spieler eine feste Gruppe suchen. Die größten Herausforderungen lassen sich immer noch nur mit Absprache der richtigen Taktik bewältigen. Dies bedarf Übung und es kann manchmal Wochen, wenn nicht sogar Monate brauchen, bis sich alle richtig eingespielt haben und alles reibungslos verläuft. Dies ist nur schwer machbar für jemanden, der jede Woche mit einer anderen Gruppe unterwegs ist. Daher gründen sich normalerweise Gilden und diese bilden Stammgruppen.

 

 

Eine Gilde ohne Kommunikation zwischen den Mitgliedern ist natürlich nicht möglich. Irgendwann kommen die Spieler ins Gespräch und der große Vorteil an einem MMO ist natürlich, dass man immer ein Thema hat, bei dem jeder mitreden kann: Das Spiel selbst – und ehe er sich versieht, verbringt der ehemals schüchterne Solospieler Stunden damit, sich mit anderen über das gemeinsame Hobby auszutauschen. Nachdem das Eis erst einmal gebrochen ist, fängt er vielleicht sogar an, über andere Themen zu sprechen und entdeckt, dass man sich auch andere Interessen teilt. Mit dem einen Spieler versteht er sich besonders gut und langsam bildet sich eine Freundschaft.

 

 

So kann es gehen und auch in Recovery of an MMO Junkie scheint es ähnlich zu verlaufen. Mit der Ausnahme von Koiwai sind alle Hauptcharaktere der Serie Mitglieder derselben Gilde und gerade für Moriko ist ihre Onlinefreundschaft zu Lily besonders wichtig. Sie verbringen immer Zeit miteinander, wenn sie spielen und tauschen sich über alles Mögliche aus. Und wie sich herausstellt handelt es sich bei Lily um Yuta Sakurai, einen reizenden jungen Mann, dem Moriko im realen Leben getroffen hat. Mit der Zeit entwickelt sich zwischen den beiden eine Romanze. Nun ist es natürlich unwahrscheinlich, dass man wie in der Serie unwissentlich seinen besten Onlinefreund trifft, ohne seine Identität zu kennen und sich so ineinander verliebt.


Doch ihre Online-Beziehung ist durchaus ausschlaggebend für beide und einer der Hauptgründe, warum Sakurai, nachdem er realisiert, dass es sich bei Moriko und seinen Onlinefreund Hayashi um dieselbe Person handelt, sie weiterverfolgt. Romanzen zwischen Onlinespielern sind nicht unbedingt etwas Ungewöhnliches. Nicht unbedingt häufig, doch es gibt genug Geschichten über Paare, welche sich über ein Spiel kennengelernt haben. Vielleicht der einzige Grund warum sich Sakurai und Moriko nicht schon vorher mal im realen Leben verabredet haben ist, dass sie nicht unbedingt offen über ihr Privatleben sprachen und auch vorgaben dem anderen Geschlecht anzugehören. Letzterer Teil ist vielleicht der unrealistischste Teil der Geschichte, da es bei eingespielten Gilden doch üblich ist, einen Sprachchat zu verwenden, aber dieses kleine Detail kann man zugunsten der Story ignorieren.

 

 

Dies ist natürlich das größte Risiko bei Onlinebeziehungen. Man kann nie mit Sicherheit sagen, wer wirklich am anderen Ende des Computers sitzt. Es ist recht einfach, über sein Geschlecht, Alter oder seinen Beruf zu lügen, wie es auch Moriko in der Serie tut. Sie tat es nicht mit bösen Absichten, doch gab sie vor ihren Gildenmitgliedern an, ein 21-jähriger Student zu sein, wo sie eigentlich ein 30-jähriger Neet ist. Man muss nicht über sein Privatleben reden und man kann sich mit Leuten mit den unterschiedlichsten Hintergründen anfreunden.


Sobald man einander vertraut. kann man etwas offener werden, wobei es im Generellen aber natürlich keine gute Idee ist zu lügen. Wenn dann doch einmal die Wahrheit herauskommt, wird es für alle Beteiligten nur unangenehm. Grundsätzlich sollte man ehrlich, aber nicht zu offen sein und Wildfremden sofort erzählen, wie man heißt und wo man wohnt. Sobald man genug Vertrauen aufgebaut hat, um sich offline zu treffen, macht man dies am besten erst einmal an einem öffentlichen Ort.


 

Auf der anderen Seite bietet die gegebene Anonymität auch eine gewisse Freiheit. Der persönliche Hintergrund tut nichts zur Sache und man kann größtenteils vorurteilsfrei interagieren. So kann man Beziehungen zu Leuten aufbauen, mit denen man im normalen Leben sonst nicht interagieren würde. Moriko ist ein arbeitsloser Neet, Sakurai ist ein Geschäftsmann und der Gildenleiter Kanbe ist im echten Leben ein Student und Teilzeit angestellter in einem Supermarkt. Würden sie sich auf der Straße treffen, würden sie grundlos wohl kaum eine Unterhaltung anfangen. Gerade Moriko, welche sich aufgrund ihres Lifestyles schämt, tut sich nur sehr schwer, außerhalb des Spiels mit Leuten zu interagieren, während sie in Fruits de Mer recht offen mit ihren Freunden ist.

 

 

Man kann eine Person im MMO nur an ihrem Verhalten beurteilen. Wenn man sich befreundet, tut man dies aufgrund der Persönlichkeit, es gibt weniger Barrieren als im realen Leben und es ist leichter ein Gespräch anzufangen. Und das macht diese Freundschaften nicht weniger real, als jene, die man offline in der Schule oder auf dem Arbeitsplatz bildet. Morikos Gilde zeigt sich stets unterstützungsbereit und steht ihr mit Rat und Tat zur Seite. Und wenn man mal um einen objektiven Ratschlag braucht, kann eine gewisse Distanz manchmal von Vorteil sein. Es kann sehr befreiend sein, sich mit jemanden über seine Sorgen zu unterhalten, der nichts direkt mit dem eigenen Umfeld zu tun hat.

 

 

Wo wir gerade bei Distanz sind, so ist dies natürlich noch ein weiterer Vorteil. So trifft man im MMO Leute nicht nur Leute, die man im normalen Leben nicht ansprechen würde, sondern auch jene, die man gar nicht erst Treffen kann. In MMO Junkie ist dies nun zwar nicht der Fall, da die Hauptcharaktere zufälligerweise in derselben Gegend wohnen und sich zufällig im echten Leben treffen. Doch einer der größten Vorteile von MMOs ist nunmal, dass man zusammen mit Leuten aus aller Welt spielt. Vielleicht wohnt der eine Spieler am anderen Ende von Deutschland, wenn er nicht sogar aus einem komplett anderen Land kommt! Je nachdem wie die Server aufgeteilt sind, ist alles möglich. Man kann nie wissen, wo man seinen besten Freund findet.

 

 

Ist es da ein Wunder, dass Moriko gerne viel Zeit mit MMOs verbringt? Wie bereits erwähnt heißt es nicht, dass man so viel Zeit damit verbringen sollte, wie sie es tut. Doch Recovery of an MMO Junkie hebt die positiven Seiten von Onlinefreundschaften hervor und zeigt, dass sie genauso wichtig sind, wie jede andere Beziehung. Natürlich begrenzt sich dies nicht nur auf Freundschaften, die man in einem MMO schließt. Ob über soziale Medien, Foren und Chatgruppen - Überall kann man Freunde fürs Leben finden. Ein wenig Vorsicht ist geboten und Distanz kann eine gewisse Herausforderung darstellen, doch es ist eine positive Ansicht, die man sich zu Herzen nehmen sollte.

 

Falls ihr noch nicht vertraut mit Recovery of an MMO Junkie seid, könnt ihr die gesamte Serie hier bei uns kostenlos sehen. Premiumkunden können sich zudem die OVA und die gesamte Serie mit deutscher Vertonung ansehen!

 

Doch auch wenn ihr kein Premium habt, gibt es nächsten Sonntag die Gelegenheit, die gesamte deutsche Fassung der Serie zu sehen. Wir werden nämlich auf Twitch ab 8:30 in der Früh alle Folgen der Serie streamen und im Anschluss geht es direkt weiter mit The Ancient Magus’ Bride  

 

>>Hier geht es zu unserem Twitch-Kanal<<

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