INTERVIEW: Die Zeichnerin von Atelier of Witch Hat spricht über ihre Inspirationen

Wir konnten dieses Jahr zwar nicht zur Leipziger Buchmesse, doch wir haben dennoch ein Interview für euch!

 

Eigentlich nutzen wir die Gelegenheit auf Conventions immer gerne, um mit den Stargästen zu sprechen und ein paar interessante Interviews zu führen. Leider wurden dieses Jahr aber viele Veranstaltungen aufgrund von COVID-19 abgesagt - so auch die Leipziger Buchmesse, wo wir eigentlich mit Kamome Shirahama, der Autorin von Atelier of Witch Hat, sprechen wollten. Doch glücklicherweise kamen uns unsere Kollegen bei Egmont Manga entgegen und halfen uns dennoch ein Interview auf die Beine zu stellen. So gab sie uns ein wenig Einsicht in ihre Arbeitsweise und was ihre magische Geschichte so inspiriert hat.

 

 

 

Ihre Zeichnungen laden den Leser zum Träumen ein. Sie nehmen ihn auf eine Reise durch fantastische Landschaften und zeigen ihm wunderschöne Kreaturen. Woher nehmen Sie Ihre Kreativität?

Ich liebe es, zu reisen und ziehe viel Inspiration aus den Orten, die ich besuche, den Dingen, die ich dort erlebe, sowie den Menschen, denen ich dort begegne. Beim Zeichnen kombiniere ich auch gerne verschiedene Elemente von Orten, die ich schon mit eigenen Augen gesehen habe, miteinander. Jeder Ort hat seinen ganz eigenen Ausdruck – wie die Pflanzen dort wachsen, wie die Schatten fallen, wie der Wind weht, die Weite des Himmels, all so etwas. Egal, wo auf der Welt ich bin: Alles ist für mich interessant und dient als Inspirationsquelle.

 

 

Sie haben zuvor erwähnt, dass die Welt von Harry Potter Sie beeinflusst hat. Gibt es andere Fantasy-Werke, die bei Ihrem kreativen Prozess eine Rolle gespielt haben?

Oh ja, es gibt viele Werke, die mich beeinflusst haben. Der Herr der Ringe, Die Chroniken von Narnia und Die unendliche Geschichte habe ich regelrecht verschlungen und auch die dazugehörigen Filme gesehen. In meiner Studienzeit habe ich die Werke des französischen Comiczeichners Moebius kennengelernt, die mich ziemlich umgehauen haben. Und in der letzten Zeit war ich ziemlich süchtig nach Game of Thrones und habe das die ganze Zeit beim Arbeiten geschaut.


Als Kind habe ich viele japanische Fantasy-Werke gelesen, wie beispielsweise Record of Lodoss War oder Alfheim no kishi (Die Ritter von Alfheim). Ich war zwar nie eine große Gamerin, doch auch in dem Bereich haben mich Welten wie die von Tactic Ogre oder The Legend of Zelda in ihren Bann gezogen.

 

Uns ist aufgefallen, dass die Serie in Volume 4 und 5 von Witch Hat langsam düsterer wird.  Können wir in der Zukunft mehr Storylines mit einem ernsteren Ton erwarten?

 

Ich persönlich habe Atelier of Witch Hat von Anfang an als ernste Geschichte gezeichnet, aber weil Coco mit immer mehr Krisen konfrontiert wird, wirkt es wahrscheinlich so, als würde es jetzt düsterer werden. Doch auch wenn Coco und ihre Freundinnen ab jetzt noch mehrere Prüfungen überwinden müssen und sich ernste Entwicklungen anbahnen, ist das nicht alles. Ich möchte auch unterhaltsame kulturelle Aspekte dieser Welt und positive Veränderungen in den Beziehungen zwischen den Charakteren zeichnen und hoffe, dass die Leser auch daran Spaß haben.

 

 

Können Sie uns etwas mehr über Ihre Arbeitsweise erzählen? Wie viel Zeit verbringen Sie mit Recherche, wie viel mit Zeichnen und wie viel mit der Ausarbeitung des Plots?

Ich zeichne jeden Monat ein Kapitel. Nach der Vorbesprechung mit meinem Redakteur brauche ich für die Skizzen ungefähr eine Woche und für die fertigen Mangaseiten ca. 10 Tage bis zwei Wochen.

 

Hätten Sie es gerne, dass Witch Hat als ein Anime adaptiert wird? Gab es schon Angebote von Anime-Studios?

Ich träume schon seit meiner Kindheit von einem eigenen Anime, daher wäre ich darüber natürlich überglücklich. Ich würde wahnsinnig gerne Coco und Co. in Bewegung sehen.

 

Für welchen Teil Ihres Arbeitsablaufs arbeiten Sie bevorzugt im Team? Und um welche Dinge kümmern Sie sich lieber alleine?

Nach der Vorbesprechung mit meinem Redakteur arbeite ich alleine den Plot und die Skizzen aus. Für die Reinzeichnungen habe ich für Hintergründe, Speedlines und Rasterfolie Assistenten, die mich unterstützen.

 

Was macht eine Idee geeignet für Ihre Story? Muss sie Sie aufregen? Sie zum Denken anregen? Wie entscheiden Sie, welche Ideen es in Witch Hat schaffen?

Es ist mir wichtig, keine Vorurteile zu befördern. Die Protagonistin Coco ist zwar noch ein junges Mädchen, aber ich gebe darauf acht, nichts von vornherein auszuschließen, nur weil sie ein Mädchen oder noch ein Kind ist. Trotzdem passiert mir das oft unbewusst und ich möchte jeden Tag dazulernen, damit mir solche Dinge noch früher auffallen.

 

 

All Ihre Charaktere wachsen durch ihre eigene Anstrengung, aber auch weil sie ihre Herausforderungen mit anderen diskutieren und teilen. Ist diese Art der Entwicklung ihrer eigenen Erfahrung entnommen?

 

Ich habe an einer Designhochschule studiert, wo wir häufig Aufgaben im Team erledigen mussten. Diese Erfahrung hat mich sicherlich geprägt: In einer Gruppe von Menschen, die alle verschiedene Fähigkeiten haben, schwierige Aufgaben zu lösen.

 

Wenn man gemeinsam Ideen zusammenwirft, kann daraus eine Lösung entstehen, auf die man alleine nie gekommen wäre. Aus meiner eigenen Erfahrung würde ich sagen, dass man ein besseres Ergebnis erzielt, wenn man gemeinsam an einem Strang zieht und verschiedene Ideen miteinander teilt, als wenn man gegeneinander kämpft und es nur darum geht, wer als erstes an der Spitze ankommt.

 

Sie sind auf sozialen Medien sehr aktiv - besonders auf Twitter und Instagram, wo Sie Skizzen sowohl von Atelier und Comics, die sie lieben, als auch Reisefotos posten. Was bedeutet diese Art der Kommunikation für Sie?  

 

Ich mag es selbst gerne, Arbeitsschritte und Posts von meinen Lieblingskünstlern zu sehen und poste daher Dinge, von denen ich hoffe, dass meine Leser sich genauso darüber freuen. Außerdem geben die Nachrichten und Kommentare unter meinen Posts mir viel Energie für meine Arbeit. Ich freue mich auch immer riesig, wenn jemand Fan-Art oder Fotos von meinen Mangas postet.

 

 

Haben Sie schon ein Ende für Ihre Geschichte im Sinn? Oder bevorzugen Sie es, Geschichten und Charaktere wie Blumen im Garten wachsen zu lassen anstelle sie zu planen wie ein Architekt?  

 

Ich habe zwar den groben Verlauf der Story im Kopf, aber ich kann noch nicht sagen, ob sie sich auch wirklich so entwickeln wird. Auch wenn man ein klares Setting festgelegt hat, verhalten sich die Charaktere manchmal unerwartet und dann muss ich die Geschichte auch an die neuen Umstände anpassen. Ich hoffe, dass sich die Leser auf die weiteren Entwicklungen freuen.

 

 

Haben Sie noch ein paar Worte, die Sie unseren Lesern mitteilen möchten?

 

Mit der Geschichte von Atelier of Witch Hat möchte ich vermitteln, dass in jedem Menschen eine Zauberkraft steckt - eine Kraft, die Welt zu verändern. Ich hoffe, dass meine Leser auf der ganzen Welt durch diesen Manga auch entdecken, dass sie so eine Energie in sich tragen – auch wenn sie vielleicht selbst noch nicht gemerkt haben, dass sie Zauberer sind.

 

Vielen Dank für eure Unterstützung. Ich hoffe, dass ihr auch weiterhin Spaß an der Geschichte haben werdet.

 

Wir bedanken uns Egmont Manga für die Möglichkeit zum Interview. Bestellt den Manga von Atelier of Witch Hat jetzt in ihrem Online Shop.

 

 

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