Review: Shigatsu wa Kimi no Uso Vol. 2

Scheitern gehört zum Star sein dazu

„Kousei Arimas Welt bricht nach dem Tod seiner Mutter zusammen. Einst war ein begnadeter Klavierspieler, doch seit dem traumatischen Ereignis nimmt der die Töne seines Klaviers nicht mehr wahr. Als er das Mädchen Kaori Miyazono trifft, welches eine hochtalentierte Violinistin ist, gerät er jedoch in einen emotionalen Strudel, der ihn aus seiner dunklen und stillen Welt reißt…“


[via peppermint]

 

Nachdem die erste Volume bereits gehörig auf die Tränendrüse gedrückt hat, geht es für Shigatsu wa Kimi no Uso nun in die zweite Runde. Nun steht ein Wettkampf im Mittelpunkt - ändert sich dadurch der Ton der Serie? Kann Kousei sein Trauma überwinden? Findet er seine Leidenschaft zum Klavierspiel zurück? Peppermint hat uns freundlicherweise eine Kopie von Shigatsu wa Kimi no Uso Vol. 2 zukommen lassen, damit wir dies unter die Lupe nehmen können.

 
 

 

Nachdem die energische Violinistin Kaori in sein Leben getreten ist, überwindet sich der traumatisierte Kousei Arima erstmals seit dem Tod seiner Mutter an einem Klavierwettbewerb teilzunehmen. Doch sein Trauma hat er noch nicht überwunden, ist er doch schon als kleines Kind von seiner Mutter brutalst in seiner Pianistenkarriere angetrieben worden und fühlt sich schuldig nach ihrem Tod, weil er einen Streit bei der letzten Begegnung mit ihr hatte. Als unbewusste internalisierte Bestrafung hört er die Töne seines eigenen Klavierspiels nicht mehr. Nur wie soll er so an einem Klavierwettbewerb teilnehmen?

 

Emi Igawa


Die eher kühl und erwachsen wirkende Emi hat ihre Leidenschaft zur klassischen Musik auf dem Klavier dank eines der ersten Auftritte von Kousei entdeckt. Dieser hatte sie mit einer emotional berührenden Performance bewegt. Seitdem eifert sie ihm nach, liefert aber aufgrund ihrer launischen Natur schwankende Leistungen. Weil Kousei am Turnier teilnimmt, ist sie hoch motiviert. Ihre kontrollierte und leicht herrische Stimme wird von Saori Hayami (u.a. Shirayuki aus Akagami no Shirayuki-hime) in der japanischen und von Nicole Hannak (u.a. Mikasa Ackerman aus Attack on Titan) in deutschen Fassung intoniert.

 
 

Takeshi Aiza


Sein ungewöhnlicher Haarstyle ist nicht das einzige, was an Takeshi Aiza hervor sticht. Der direkte und energische Junge hat früh mit dem Klavierspielen angefangen, konnte sich aber nur schwer dazu motivieren, seine gesamte Energie darauf zu verwenden. Erst mit dem überragendem Erfolg von Kousei Arima hatte er ein Ziel: besser zu werden als sein Rivale. Sein überbordender Ehrgeiz hat ihn an die Spitze der japanischen Pianisten geführt und er ist trotz einer Einladung nach Europa begierig darauf, sich mit dem lange von der Bühne verschwundenen Kousei zu messen. Deswegen hat er Europa sogar abgesagt. Seine lebhafte Stimme wird im Japanischen von Yuuki Kaji (u.a. Eren Jaeger aus Attack on Titan) ausgedrückt, Maximilian Artajo (u.a. Inaho Kaizuka in Aldnoah.Zero) sorgt für die deutsche Interpretation.

 
 

Hiriko Seto


Die Pianistin kennt Kousei seit er ein kleines Baby ist, da sie als Kommilitonin von Kouseis Mutter Saki Arima auf der gleichen Musikhochschule das Klavierspielen geübt hat. Sie bemitleidet ihn wegen seines Schicksals und seines Traumatas, mit dem er kämpft um sich mittels Musik ausdrücken zu können. Deswegen nimmt sie ihn unter ihre Fittiche und wird seine Klavierlehrerin. Ihre freundschaftliche und fürsorgliche Stimme wird von Mie Sonozaki (u.a. Sei Sakuraoka aus Gantz) im Japanischen und von Sandrine Mittelstädt (u.a. Kuniko Shigyou aus The Rolling Girls) im Deutschen zum Ausdruck gebracht.

 
 

Mit dem ersten individuellen Wettbewerb ändert Shigatsu wa Kimi no Uso den Charakter der Erzählung deutlich. Die Serie nimmt Anleihen aus Sportanimes und präsentiert gleich zwei Rivalen für Kousei: Takeshi Aiza und Emi Igawa. Beiden wird im Voraus und im Rahmen ihres Auftritts Zeit gewidmet, um von ihrer Leidenschaft und ihrem Verhältnis zu Arima zu erzählen. Dabei kommen trotz der ähnlichen Begegnung mit Kousei komplett andere Gefühls-und Motivlagen zustande, welche beiden einem sehr individuellem Charakter verleiht.


Winterwind.jpg

 

Der kompetitive Charakter dämpft die kleineren Schwächen der ersten Volume, die nahezu in jeder Folge einen Tränenausbruch verzeichnen konnte. Damit verlor der emotionale Ausbruch aber an Wertigkeit, da viele Zuschauer emotional überstrapaziert wurden und Befürchtungen aufkommen ließ, dass zukünftige dramatische Entwicklungen, aufgrund ihres häufigen Gebrauchs so früh in der Serie, nicht mehr mit genügend emotionaler Wucht ausgedrückt werden können.

 

Das Trauma von Kousei verliert aber zum Glück nicht Wertigkeit und dessen Überwindung bekommt immer noch einen großen Zeitrahmen zugesprochen. Erfreulicherweise kommt es zu einer Entwicklung, die vielleicht von dem ein oder anderen bereits in den ersten Folgen vorhergesehen wurde. Die Serie nimmt sich aber Zeit, diese Überwindung anstrengend und zeitintensiv darzustellen, wodurch sie realitätsnah wirkt. Die Stärke und Herkunft seines Traumas wird durch Rückblenden beleuchtet, welche sich passend in seine Wandlung und seinem Klavierspiels einfügen. Die im Vorhinein verwendeten Dialogszenen mit seinem als Katze erscheinenden Alter Ego bekommen dadurch eine schmerzhafte Bedeutung, welche einen Rewatch lohnend macht.


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Zum großen Thema wird der Umgang mit dem Scheitern. Kousei hat vor seinem Auftritt sehr viel Angst vor einer Blamage und bekommt viel Zuspruch von seinen Freunden Tsubaki und Ryouta, die trotz ihrer Leidenschaft in Softball bzw. Fußball im Vergleich zu Arimas Talent und überhartes Training durch seine Mutter deutlich häufiger das Scheitern gewohnt sind. Die Motivationsreden wirken bisweilen etwas zu erwachsen, auch weil sie sichtbar an den Niederlagen zu knabbern haben und gerade mal Teenager in der Mittelschule sind.

  

 

Die zweite Volume von Shigatsu wa Kimi no Uso kommt in unveränderten technischen Spezifikationen auf den Markt, die lauten:


  •     Format:     16:9        

  •     Auflösung:     1920x1080p

  •     Ton:     Deutsch und Japanisch (PCM 2.0)    

  •     Untertitel:     Deutsch

 

Die von Studio A-1 Pictures abgelieferte Qualität in Animation und der Hintergründe bleibt auf sehr hohem Niveau. Die Hintergründe bleiben dank der Pastellfarben und genügend Detailtiefe unheimlich schön anzuschauen, da sie einen belebten Eindruck machen. Im Rahmen des Wettbewerbs wird der Zuschauerraum recht dunkel gehalten, was diesen Momenten eine bedrückende Atmosphäre gibt, welche sich in der Nervosität der Künstler widerspiegelt.

 

Um die Auftritte trotz der verblüffend tollen Animationen des Klavierspielens aufzupeppen, werden die Emotionen der Pianisten symbolisch ausgedrückt durch verschiedene Einfärbungen von Farben in die Umgebung oder gar ganze Motive wie zum Beispiel den Winterwind. Das ist nicht nur schön anzuschauen, sondern kommuniziert viele Botschaften an den Zuschauer, sodass die oft dazu stattfindende verbale Erklärung redundant ist.

 

Kousei Auftritt.jpg

 

Die Animation der Tränen und Schweißtropfen sind ungeheuer realistisch, unterscheiden sich jedoch kaum in ihrem Ablauf, was etwas irritierend ist, angesichts der völlig unterschiedlichen Bedeutung.

 

Opening und Ending sind unverändert und bleiben deswegen sehr gut im Ohr und optisch schön anzuschauen. Insbesondere das Opening hat Ohrwurmcharakter und ist einfach optisch ansprechend. Die klassischen Musikstücke werden in dieser Volume teilweise komplexer und nicht ganz so eingängig, drücken aber das hohe Niveau des Wettbewerbs aus. Natürlich werden primär bekannte Werke gespielt, um auch den der klassischen Musik unkundigen Zuschauer mitnehmen zu können. Die Hintergrundmusik wird den dramatischen Momenten entsprechend ausgewählt und wirkt gut auf dem Augenblick ein und unterstützen die Stimmung hervorragend.

 

 

Bei der Synchronisation von Shigatsu wa Kimi no Uso liefern Peppermint, der Dialogregisseur Claude-Dawn und die Sprecher fantastische Arbeit ab. Die emotionalen Tonlagen werden sehr gut getroffen und stehen der japanischen Fassung in nichts nach, auch wenn natürlich der Sprechrhythmus auf Grund der Sprache und die Klangfarben der Sprecher, wie schon in der Review der ersten Volume besprochen, abweichen. Ein richtiges Manko ist nur beim Sprecher von Ryouta aufgefallen. Sebastian Fitzner hat leider ein paar Probleme damit, eine Kinderstimme glaubhaft rüber zu bringen. Ansonsten ist die schauspielerische Leistung der Sprecher hervorragend.

 

Ausbruch.jpg

 

Die Untertitel werden bei peppermint in weißer Farbe mit schwarzer Umrandung eingeblendet, damit diese auch vor wie in Shigatsu wa Kimi no Uso häufiger vorkommenden hellen Hintergründen lesbar bleiben.

 

Die Übersetzung weicht natürlich meist von der in der Synchronisation ab, da die Lesegeschwindigkeit beim Zuschauer meist langsamer ist als dessen Verständnis der gesprochenen Sprache. Deswegen nimmt man oft kürzere Begriffe oder Redewendungen, die das Gleiche ausdrücken sollen. Bei der vorliegenden Übersetzungen gibt es einige unpräzise Entscheidungen für bestimmte Wörter, die nicht wirklich durch die Länge und Komplexität der Wörter erklärbar sind. Das wäre noch kein großes Manko, aber da die Begriffe nicht immer den richtigen Ton treffen und den Sinn der Kommunikation nicht den gleichen Nerv treffen wie die stimmige Übersetzung des Dialogbuchs, werden die Unterschiede negativ bemerkbar.

 

Ein für die Untertitel häufiger auftretendes Problem sind Situationen, wo Personen wild durcheinander reden, was bei der Einblendung selbst schnellen Lesern Probleme bereitet. Das ist in dieser Volume nur deswegen problematisch, weil in einer besonders dramatischen Szene nicht auf die Hintergrundgespräche verzichtet wird, auch wenn diese nicht zwingend nötig wären. Das macht den eigentlich hoch emotionalen Moment verwirrend zu lesen.

Die Abweichung, dass die japanischen Suffixe wie '-kun' weiterhin eingeflochten werden, wird glücklicherweise beibehalten.

 

Die Lokalisierung wäre wohl nahe der Perfektion, wenn die kleineren Schwächen bei der Übersetzung der Untertitel nicht auftreten würden. So liefert Peppermint „nur“ gute Arbeit ab. Die in letzter Zeit hervorragende Arbeit schraubt halt den Anspruch in die Höhe.

 

 

Nach der Umstellung von großen kartonierten Schubern, in die klassische Plastikhüllen gesteckt werden, wird Shigatsu wa Kimi no Uso von Peppermint wie jede andere Neuerscheinung mit einem kleinen Schuber aus Karton für jede einzelne Volume geliefert, in der ein aufklappbarer Träger der Bluray aus dem gleichen Material hinein geschoben wird. Als Extra ist die von Kousei gespielte Etude Op. 25 No. 5 als Notenblatt dem Schuber beigelegt worden. Auf der Scheibe werden zusätzlich eine Handvoll Trailer und das Ending ohne Texteinblendungen gebrannt.


Hänschen halten.jpg


Der Preis für die zweite Volume liegt mit 42,99 Euro im Rahmen einer derartigen Veröffentlichung, darf man doch nicht den größeren Umfang von 5 statt 3 bis 4 Episoden wie auf den meisten Blu-ray-Scheiben vergessen. Die Aufmachung und Synchronisation von Peppermint rechtfertigt den Preis allemal.

 
 

 

+gutes Storytelling mittels Bildern

+das Drama wird punktueller angewendet

+viele intelligente Sätze und Gespräche...

-...die ob ihrer Häufigkeit auch ein klein wenig unglaubwürdig wirken können

 

Diese Volume präsentiert sich mit einer wunderbaren Mischung aus Drama, Wettbewerb und emotionaler Weiterentwicklung des Hauptcharakter Kousei Arima. Die leichten Schwächen aus der ersten Volume werden ausgebügelt und Peppermint liefert rund um die Serie ein gutes Produkt. Wer nicht mit der ersten Volume schon auf den Geschmack gekommen ist, sollte es mit der zweiten nochmal probieren. Allen, die schon die erste Volume gefallen hat, oder sich für Drama begeistern lassen, müssen zugreifen!

 

Shigatsu wa Kimi no Uso Vol. 2 kann bei Amazon bestellen.

 

© Naoshi Arakawa, Kodansha/Your Lie in April Commitee

 

Sämtliche Aussagen dieser Rezension reflektieren lediglich die Meinung des Autoren und nicht die von Crunchyroll und seiner Partner.

 

- Reziprok

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