Mangas in der virtuellen Realität?! - Interview mit dem Mangaka-Duo MAYBE

Eine völlig neue Art, Manga zu lesen

Seit dem Boom von virtueller Realität in der Videospielbranche der vergangenen Jahre ist die Versuchung der vollständigen Immersion auch in andere Sektoren vorgedrungen. Nicht nur haben wir einige VR-Filme (und natürlich Anime) erblicken dürfen, doch auch der Bildungssektor durfte vom technischen Fortschritt profitieren.

 

Dieses Jahr begab sich Square Enix an ein neues Projekt: Den Manga The Tales of the Wedding Rings in dir virtuelle Realität zu transportieren. Die anfängliche Beta fand im April statt und die ersten Kapitel wurden vor einigen Wochen in Japan veröffentlicht.

 

 

Dieses Jahr durften wir uns auf der AnimagiC mit den Mangaka hinter dem ursprünglichen Werk zusammensetzen: Autor Lin-Lin und Zeichner MAYBE. Sie gaben uns einen Einblick in Übergang von Dusk maiden of Amnesia zu ihrem neuen Werk sowie einen Geschmack der Herausforderungen, die eine Adaption in eine neue Dimension mit sich bringt.

 

Ist dies ihr erster Besuch in Deutschland? Wie gefällt es Ihnen bisher?


MAYBE: Dies ist unser erster Besuch in Deutschland. Bisher ist es ziemlich gut – da ich ein ziemlicher Gourmet bin, gefällt mir bisher vor allem das Essen. Wir haben verschiedenste Fleischsorten wie Würste und Schinken probiert. Alles war wunderbar und hat fantastisch geschmeckt. Obwohl ich nicht erwartet hätte, dass es in Deutschland so heiß sein würde. Ich nahm immer an, dass es etwas kälter als in Japan sei. Dennoch bin ich überwältigt von den deutschen Städten: Alle sind so nett und freundlich. Es macht viel Spaß, sich umzusehen.

 

Was war denn bisher ihr Lieblingsessen?


Lin-Lin: Schwer zu sagen, da alles so lecker war. Bisher gab es nichts, was ich nicht mochte, daher fällt die Wahl schwer.

 

MAYBE: Ich bin höchstens ein Freizeit-Gourmet, aber mir gefällt der Käsekuchen sehr. Wir haben verschiedene Variationen probiert und sie haben alle wunderbar geschmeckt.

 

Sie hatten gestern bereits eine Autogrammstunde. Wie war Ihre erste Interaktion mit deutschen Fans?


Lin-Lin: Es stimmt mich froh, dass sie so redselig sind. Mache stellen Fragen, während andere mir sagen, wie sehr sie meine Arbeit mögen. In Japan sind die Fans eher ruhig – nicht, dass damit irgendetwas falsch wäre. Aber es ist auf jeden Fall schön, sich mit ihnen zu unterhalten.

 

MAYBE: Ich bin während unserer Panels damit beschäftigt, zu zeichnen, daher kriege ich leider nicht alles mit, was unsere Fans fragen. Aber wenn ich etwas signiere, kann ich sehen, wie glücklich sie sind. Zuerst war ich etwas nervös, wie die deutschen Fans uns aufnehmen würden, doch das hat mich dann beruhigt. Jetzt bin ich froh, dass alles so gut funktioniert hat.

 

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Widmen wir uns Ihrem Manga The Tale of the Wedding Rings. Das Leitmotiv dreht sich um die Beziehung eines frisch verheirateten Paars – Wie sind Sie auf das Thema gekommen?


Lin-Lin: Es war die natürliche Entwicklung, nachdem wir Dusk maiden of Amnesia beendet hatten. Dieser handelte von der romantischen Beziehung zwischen jüngeren Charakteren und wir dachten, dass wir einen Schritt weitergehen sollten. Dieser nächste Schritt wäre dann die Heirat und die Beziehung des Ehepaares. Daher wollten wir als Nächstes über ein Ehepaar schreiben.

 

Da wir beim Thema Entwicklung sind: Ihr letztes Werk (Dusk maiden of Amnesia) drehte sich primär um übernatürliche Elemente wie Geister, doch in Ihrem Kommentar am Ende des ersten Bands von Wedding Rings erwähnten Sie, dass dies ihr erster Schritt ins Fantasy-Genre sei. Wie war für Sie der Übergang und warum entschieden Sie sich, das Genre zu wechseln?


Lin-Lin: Wir versuchen immer, neue Genres auszuprobieren. Wir erfreuen uns daran, neue Dinge auszuprobieren und unseren Horizont zu erweitern sowie uns stetig selbst zu verbessern. Wir hatten bei Dusk maiden of Amnesia nicht oft die Möglichkeit, Action-Elemente zu verbauen. Daher fragten wir uns, "Welches Genre würde uns das erlauben?". Wir mögen beide Fantasy, weswegen schließlich da gelandet sind.

 

Sie erwähnten ebenfalls, dass Sie Ihr ursprüngliches Konzept sehr verändern mussten, bevor alles passte. Könnten Sie ein wenig Einblick in die ursprüngliche Version sowie die wichtigsten Änderungen geben?


Lin-Lin: Unsere erste Idee handelte von drei Helden, die in einer anderen Welt landeten und drei Prinzessinen heirateten. Wir hätten also drei Ehepaare gehabt. Doch wir hatten Schwierigkeiten, einen Charakter zu finden, der den Mittelpunkt für den Leser darstellen würde – es war alles ein wenig zu verwirrend. Als Leser hätte man es schwer gehabt, jedem einzelnen Paar zu folgen. Daher entschieden wir uns eltztendlich für einen Hauptcharakter und eine Prinzessin. Doch dann dachten wir uns: "Wieso machen wir nicht einfach einen Harem?" und so ergänzten wir mehr Prinzessinnen. Also hatten wir zuerst drei Paare, dann einen Helden und eine Prinzessin und schlussendlich einen Hauptcharakter und fünf Frauen.

 

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Da Sie erwähnten, wie wichtig die eigene Verbesserung für Sie ist: Haben Sie etwas Neues gelernt, als Sie an The Tale of the Wedding Rings gearbeitet haben?


Lin-Lin: Zu Beginn haben wir uns zu vielem übermäßg viele Gedanken gemacht: "Ist diese Szene so gut?"; "Funktioniert das?"; "Sollten wir das so oder so angehen?". Wir bewegten uns im Kreis und hatten Angst, etwas zu versuchen und blieben daher erst auf der sicheren Seite. Aber da wir nun einige Zeit daran gearbeitet haben, sind wir unserer selbst sicherer geworden und gehen auch mal ein Risiko ein. Es ist ein neues Genre für uns und wir wollen uns herausfordern. Anstatt über jedes Detail zu diskutieren, machen wir eine Version fertig und diskutieren im Nachhinein, was geändert werden muss. Wir hatten zuerst Angst, mit diesem Genre zu arbeiten, doch dann gewöhnten wir uns daran und verschwenden nun nicht mehr so viel Zeit.

 

MAYBE: Genau so war es mit den Zeichnungen. Ich hatte vorher keine Erfahrung, Fantasy-Manga zu zeichnen. Daher ging ich zunächst alles mehrmals durch: "Ich muss es genau so zeichnen" und "Es muss exakt so aussehen". Ich übte auf mich selbst Druck aus, doch nun bin ich weitaus selbstsicherer. Klar schaue ich mir immer noch Referenzen für Hintergründe und so an, doch nun ist es wichtiger, Referenzen zu finden, die in unsere etablierte Fantasy-Welt passen und nicht, dass ich Referenzen für eine Welt finde, die noch gar nicht existiert. Jetzt, wo ich weiß, wie alles aussehen soll, ist es viel leichter, die Dinge anzupassen und meine eigene Vorstellungskraft zu nutzen.

 

Ihr Werk wurde kürzlich als VR-Manga umgesetzt. Wie kam dieses Projekt zustande? Immerhin ist es das erste seiner Art.


Lin-Lin: Wir bekamen ein Angebot von Square Enix' VR-Abteilung, ob wir unseren Manga für diese neue VR-Erfahrung zur Verfügung stellen wollen. Wir waren sehr überrascht, doch erfreut über dieses Angebot.

 

Wie war die Arbeit mit den Entwicklern? Immerhin handelt es sich hierbei um mehr als ein paar schwebende Panels und beinhaltet dreidimensionale Charaktermodelle und Sprachausgabe. Stach bei der Arbeit für Sie etwas besonders hervor?


MAYBE: Zuerst erschufen sie 3D-Modelle, die wie 2D-Modelle aussahen. Wir mussten überprüfen, ob die Gesichter in Ordnung waren – ob sie aus jedem Winkel gut aussahen und ob sie zum Artstyle des Manga passten. Ganz früh gab es sogar eine Version, die 2D und 3D kombinierte.

 

Es gab einige Hintergrund-Elemente, die im Manga durch Sprechblasen verdeckt wurden, und die ich für die VR-Erfahrung komplett neu zeichnen musste, damit sie nach Belieben für den Nutzer bewegt werden können. Die neuste Version benutzt dabei nur noch 3D. Natürlich ist die Qualität jetzt besser, doch jetzt kann man leider nicht mehr die Arbeit sehen, die ich in diese Hintergründe gesteckt habe.

 

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Eine letzte Frage: Wie werden sich Ihrer Meinung nach VR und Manga von hier aus weiter entwickeln?


Lin-Lin: Ich denke, dass es eine sehr interessante Entwicklug ist und dass VR-Versionen sich noch weiter verbreiten werden.

 

MAYBE: VR erweitert Manga um eine ganz neue Ebene und gibt uns Möglichkeiten, Dinge auszudrücken, wie wir es bisher nicht vermochten. Es hat mich sehr überrascht, dass die Panel-Trennung in der virtuellen Realität nicht mit der allgemeinen Präsentation aneinander geriet. Es fügte sich gut zusammen und war immer noch immersiv. Dennoch darf man nicht vergessen, dass normale Manga immer noch ihre ganz eigene Art des Ausdrucks haben. Normale Manga haben auch ihre Vorteile und VR-Manga sind mehr eine Art Bonus, um den Manga auf eine andere Art zu erleben. VR ist eine Erweiterung, aber ich denke nicht, dass es normale 2D-Manga ersetzen wird, egal ob sie nun gedruckt oder digital sind.

 

Wir bedanken uns bei Square Enix, MAYBE und Kazé Deutschland für das Interview. Den Manga The Tale of the Wedding Rings könnt ihr hier bei Kazé kaufen.

 

© MAYBE / SQUARE ENIX

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