Blu-ray Review: Yosuga no Sora Volume 4 - Das Sora Kapitel

Geschwisterliebe

Nun ist es soweit. Volume 4 von Yosuga no Sora verspricht endlich die umstrittenen Szenen zu liefern, mit denen für die Serie geworben wird. Nachdem die vorherigen Volumes mit guter Lokalisierung und einer recht ordentlichen Regiearbeit punkten konnten, so war die Story etwas enttäuschend. Dies macht es umso interessanter, wie das Thema Inzest im letzten Teil der Geschichte behandelt wird. Ob die letzten Folgen daher überzeugen können?

 

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Im letzten Volume dreht sich die Geschichte komplett um Harukas Schwester Sora, die mehr als nur Geschwisterliebe für ihren Bruder empfindet. Haruka selbst scheint diese Gefühle ebenfalls zu besitzen, allerdings ist er überhaupt nicht sicher, was er genau empfinden soll. Für ihn ist es extrem unangenehm und er versucht sich durch die Beziehung zu seiner Freundin Nao abzulenken. Jedoch schafft er es einfach nicht, seine Schwester aus dem Kopf zu bekommen und muss letztendlich seinen Gefühlen nachgeben.

 

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Das Thema Inzest wird hierbei in den Vordergrund gestellt und in der Serie auch direkt angesprochen. Am verwirrendsten von allen ist Haruka selbst, der überhaupt nicht weiß, was nun das Richtige ist. Es ist klar, dass er Sora liebt, aber er weiß ebenso, dass was er tut, im Grunde genommen falsch ist. Dieser innere Zwiespalt wird glaubhaft dargestellt und bietet mehr Einsicht in den Charakter von Haruka, der vorher ein wenig zu kurz kam. Es ist auf jeden Fall gut, dass man die Thematik nicht zu einseitig präsentiert.

 

Obwohl der Inzest von Charakteren sowohl negativ als auch positiv aufgefasst wird, so kommen im Anime kaum Argumente auf, die gegen Inzest sprechen. Zumindest würde man erwarten, dass der Freundeskreis der beiden Geschwister versucht sie davon zu überzeugen, dass solch eine Beziehung nicht richtig ist, aber nach nur einem Gespräch scheinen sie es akzeptiert zu haben. Sie sagen zwar, sie können es nicht verstehen und es stört sie, aber so richtig etwas dagegen unternommen haben sie wiederum auch nicht. Das ist schade, da man hier somit ein leicht verzerrtes Bild über die ganze Thematik bekommt und der einzige Aufhänger ist, dass es moralisch nicht vertretbar ist, was Sora jedoch am Ende nicht allzu stört. Gefühlsmäßig ist der Kontrast durchaus da, nur argumentativ hätte man hier mehr bringen können.

 

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Außerdem ist der Gefühlswechsel von Haruka schlecht nachzuvollziehen. Natürlich hatte er schon Emotionen für seine Schwester, aber im Vergleich zu den anderen Routen wirkt es doch etwas plötzlich, dass er sich auf einmal so sehr für Sora interessiert. Erst als er seine Schwester vor seinen Augen masturbieren sieht, wird er sich seiner eigenen Gefühle für sie bewusst. Schade in dem Fall ist, dass es gerade so passiert und er nicht selbst seine Gefühle für sie anerkennt. Es ist eben nicht so dargestellt, dass dies die einzige Möglichkeit für ihn ist und er dann keine Wahl hat, sondern er hätte sich durchaus anders entscheiden können, überredet sich aber selbst dazu. Natürlich will er sich das einreden, damit er nicht so stark darüber nachdenken muss, ob es moralisch vertretbar ist oder nicht, jedoch zeigt das irgendwie auch, dass er selbst nicht richtig bereit dafür ist, im Gegensatz zu Sora, die ihn mit in den Schlamassel reinzieht. Man könnte sogar sagen sie manipuliert ihn, indem sie ihr Glück von seiner Entscheidung abhängig macht.

 

Um genauer auf die Thematik einzugehen ist es unmöglich nicht einige Punkte in der Story vorwegzunehmen. Wer Spoiler vermeiden möchte sollte von daher lieber direkt zum übernächsten Abschnitt springen.

 

++SPOILER++

Gegen Ende kommt nämlich die Beziehung der beiden ans Licht und gleichzeitig bekommen sie eine Nachricht von ihren Großeltern, dass diese Haruka und Sora aufnehmen können, aber leider nicht zusammen. Somit versucht man noch extra Drama in die Handlung einzubauen, anstatt das Problem konkret anzugehen. Am Ende entscheiden sich die beiden zusammen zu bleiben, ziehen dafür aber stattdessen zu Bekannten ihrer Verwandten. Dadurch übergeht die Serie praktisch eine richtige Konfrontation zwischen Haruka und seinen Freunden. So sehr man daher versucht den Zuschauer emotional von der Liebe zwischen den beiden zu überzeugen - Es funktioniert einfach nicht, wenn die Charaktere die meisten unangenehmen Situationen und Konfrontationen irgendwie vermeiden.

++SPOILER ENDE++

 

Und so lässt sich eigentlich der Rest der Geschichte zusammenfassen. Volume 4 versucht mit den Gefühlen von Haruka und dem Umfeld, dass auf die Beziehung reagiert, die umstrittenen Szenen wieder auszugleichen, scheitert aber am Schluss. Der Titel hat in der kurzen Anzahl an Folgen kaum Zeit, den Umstand passend zu präsentieren und so ist es verständlich, warum man solch eine heikle Thematik nicht von allen Seiten beleuchten kann. Letztendlich hätte es deutlich schlimmer sein können und man nimmt den Inzest nicht einfach so hin, jedoch gibt es gute Gründe, warum dieser Titel dennoch für einige als umstritten gilt.

 

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Der Titel liefert auch in Volume 4 eine anständige technische Leistung ab. Zwar sind hin und wieder Charaktere etwas unförmig und ungenau dargestellt, wenn sie weiter hinten im Bild stehen, aber die Hintergründe sind immer noch nett gemacht und passen gut zu den Charakterdesigns. Ein allzu großes Animationsspektakel bekommt man im Finale nicht geboten, dafür ist die Qualität allerdings ähnlich gut wie beim Rest der Serie.

 

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Wo man etwas mehr zu sehen bekommt, sind diesmal die Sexszenen – inklusive der oben angesprochenen Masturbation. Es kann durchaus sein, dass es einige stört, wie die Beziehung zwischen Sora und Haruka dargestellt wird. In diesem Fall ist es für diese Zuschauer noch ärgerlicher, weil man in diesen letzten Folgen die meiste nackte Haut und Erotik zu sehen bekommt. Wer sich an die bisherigen Szenen ohne großes Gestöhne und mit netter musikalischer Untermalung gewöhnt hat, dem dürfte das starke Stöhnen nun etwas seltsam vorkommen, immerhin hat man dieses vorher fast überall weggelassen. Vielleicht will man damit die Intensität der Liebe zwischen den Geschwistern klarer machen, allerdings stellt dies eine solche Beziehung irgendwie über die der anderen, was man auf verschiedene Weisen auslegen kann. Hier kommt es darauf an, wie man dieses Konfliktthema interpretiert und ob man damit einverstanden ist oder nicht. Wer sich daran überhaupt nicht stört, bekommt auf jeden Fall die intensivsten Szenen des Werkes präsentiert.

 

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Volume 4 erscheint im Mediabook und enthält eine exklusive Lenticular Card mit einem 3-Phasen-Wechselbild von Sora. Wie bereits vorher sind nach jeder Folge noch kleine Mini-Episoden mit einem eigenen Abspann enthalten.

 

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Erneut liefern die Sprecher eine ordentliche Arbeit ab. Wo vorher Amelie Plaas-Link als Sora schon glänzen konnte, zieht Christopher Kohn als Haruka nun nach. Dieser bringt sehr gut die Verwirrung und Verzweiflung in Haruka zum Vorschein. Dabei wirkt die Stimme nicht zu ausufernd oder übertrieben und es ist eine schöne Abwechslung, nachdem man sonst nur die nette Seite vom Charakter gesehen hat. Die restlichen Vertonungen sind ebenfalls solide, selbst wenn man diesmal nicht so viel von diesen hört. Dafür erhält nun Sora mehr Zeit im Rampenlicht und Amelie Plaas-Link bringt diesmal das verführerische in ihrer Stimme gut heraus. Hier muss ich am Ende wirklich ein Lob aussprechen, denn dieses Qualitätslevel übertrifft alle Erwartungen. Dies weckt auf jeden Fall die Freude auf den nächsten Titel vom Publisher.

 

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+ Inzest wird als Konfliktthema angesprochen und vom Protagonisten aufgegriffen

+ durchgehend starke Vertonung

- Thematik wird zwar angesprochen, aber eher einseitig dargestellt

- Story dürfte am Ende einige abschrecken

 

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Lohnt sich Yosuga no Sora nun? Wer wissen will, was es mit der ganzen Kontroverse um diesen Anime auf sich hat, mal einen netten (jedoch freizügigen) Romance-Anime für zwischendurch sucht und keine großen Anforderungen stellt, dürfte seinen Gefallen daran finden. Die Story sowie Charaktere sind leider wenig innovativ und kommen teilweise sehr kurz, dafür sind die Atmosphäre und Regiearbeit des Animes aber relativ angenehm. Falls jemand schon von vornherein nichts mit Inzest anfangen kann, wird dieser Titel seine Meinung allerdings auch nicht ändern. Sicherlich gibt es einige Anime, bei denen es sich mehr lohnt diese anzufangen. Wenn man jedoch mit der Thematik klar kommt und gerne deutsche Vertonungen hört, sollte man dem Werk eine Chance geben. Und immerhin ist es so aufgebaut, dass man sich den letzten Teil gar nicht erst holen muss, wenn man nicht will. Trotzdem, interessant war dieser letzte Teil allemal.


Falls ihr Interesse an Yosuga no Sora haben solltet findet ihr alle Volumes im animoon-Shop.

 

© Sphere / YOSUGANOSORA Partnership – Illustration: Hiro Suzuhira

© 2016 AniMoon Publishing GmbH


 

Sämtliche Aussagen dieser Rezension reflektieren lediglich die Meinung des Autoren und nicht die von Crunchyroll und seiner Partner


 

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